Handy in der Waschmaschine

Kennt ihr die Pflegeetiketten auf den Kleidern? Also diese Dinger, die meist an so unmöglichen Orten angebracht sind, dass sie kratzen. Die mit den Symbölchen für Wasch- und Bügeltemperatur, Hinweisen fürs chemisch Reinigen etc. Offenbar weiss ein Grossteil der waschenden Bevölkerung nicht (mehr), was die auf den Etiketten abgebildeten Symbole überhaupt bedeuten. Das schreit selbstverständlich nach Gegenmassnahmen. Und diese werden offenbar demnächst in Form von QR-Codes, die die Symbole ergänzen, die waschende Mehrheit Menschheit retten.

Das dürfte dann etwa so ablaufen:
Code des Handtuchs scannen. Aha, bis 60 Grad, Schleudern bei max. 1’200 Touren, kein Bleichmittel, Bügeln bei Stufe drei. à Haufen rechts.
Code der Jeans scannen. Max. 40 Grad, nur mit dunklen Farben waschen, vor dem Waschen umdrehen, Schleudern bei 1’000 Touren, kein Bleichmittel, Bügeln nach Bedarf mit Dampf auf Stufe drei. à Haufen Mitte.
Code des luftigen Blüsleins ans Smartphone. 30°C, schonender Prozess, Feinwäsche, Wäschemenge reduzieren, Trommel höchstens bis zur Hälfte füllen, wegen Knittergefahr nicht oder nur kurz schleudern, keine Bleichmittel, Bügeln auf niedrigster Stufe. à Haufen links.

So wird endlich das Waschen wieder mehr Spass machen und obendrein allfällige Langeweile vertreiben, weil sich das Scannen und Lesen der Informationen auf dem geliebten Bildschirmchen herrlich in die Länge ziehen wird.

Die heute geltenden Pflegesymbole wurden, so habe ich heute im Radio gehört, vor einem halben Jahrhundert ins Leben gerufen. Als ich etliche Jahre später die Rüebli-RS besuchte, wo man „Töchtern“ wie mir das Haushalten, Waschen, Kochen, Putzen beizubringen versuchte, waren diese Symbole etabliert und wurden uns eingetrichtert. Ich mute mir auch mehr als dreissig Jahre später noch zu, eine Maschine Wäsche zu starten, ohne fremde Hilfe beiziehen zu müssen. Dass ich in der Zukunft jede einzelne Pflegeetikette sicherheitshalber zuerst mit dem Smartphone (das ich übrigens gar nicht habe und bestimmt ausgerechnet wegen der Wäsche nicht zulegen werde!!!) einscanne, ist daher sehr, sehr unwahrscheinlich.

Wer sich aber vorsichtshalber schon mal informieren will, was seinen zukünftigen Klamotten bevorsteht, klicke HIER.

(Damit wäre auch noch dem heutigen Tag der Feststelltaste (!!!Hilfe!!!) Rechnung getragen und Messerschaf für ihren überaus wertvollen Beitrag gedankt.)

Wer wie ich auch noch Freude am undigitalisierten Leben empfindet, dem sei beispielsweise der Besuch eines analogen Marktes in Frankreich empfohlen.

Gekocht – gebraten – gebacken

Ich nenne einen knappen Meter Kochbücher mein eigen. Schön aneinander gereiht findet sich vieles von Vorspeisen über Apéro-Häppchen zu Gerichten aus Fleisch, Fisch, Vogel oder Gemüse und selbstverständlich auch bis hin zu Kuchen und Desserts.

Mein ältestes Kochbuch ist dieses hier:

Wirkt ziemlich altbacken, oder? Selten konnte ich dieses Wort treffender einsetzen. Das Buch datiert zurück aufs Jahr 1981, ich habe es 1982 in der Rüebi-RS erhalten. Damals war diese hauswirtschaftliche Fortbildungsschule für alle jungen Frauen obligatorisch. Je nachdem, in welchem Alter man zur Rüebli-RS antrat, dauerte die hauswirtschaftliche Abreibung zwischen fünf und zehn Wochen. Man lernte damals nicht nur kochen, sondern auch flicken, bügeln, Haushaltführung allgemein. Zum Niveau nur soviel: Als ich zur ersten Stunde antrat stand auf der Wandtafel bereits das Menu geschrieben: Birchermüesli.

Das Buch war die Krönung der Rüebli-RS und mag dem damaligen Stand der Küchenkultur Helvetiens entsprochen haben. Wenn man darin blättert, sucht man vergebens Zutaten wie Ingwer, Kokosnussmilch oder Kürbiskernöl. Selbst Aceto Balsamico oder Mascarpone wären revolutionär gewesen. Dafür enthält das Buch viele Grundrezepte und allgemeine Angaben zu den Kochvorgängen. Ohne Steamer, ohne Wok, ohne Mikrowelle. Der Bildanteil macht keine 10 Prozent aus – so etwas hätte heute das Potential zum Ladenhüter.

Ich schätze das Buch trotzdem, weil es einige unsterbliche Rezepte drin hat und vor allem, weil es so grundsolide ist. Deshalb durfte mich das Buch auch auf unsere langen Reisen nach Amerika und Australien begleiten. Denn wenn mir plötzlich nach selbstgemachter Schokoladecreme zu Mute war, wusste das Buch mit dem grünen Einband Rat. Nur die Schweizer Schoggi war dann jeweils etwas gar weit weg.