Ein seltsamer Winter

Es bahnte sich an, dass der Winter 20/21 irgendwie komisch werden würde. Von Anfang an war mir klar, dass ich mich nicht mit einer Gesichtsmaske auf die Skipiste begeben würde. Gleichermassen unwillig war ich, irgendwo am Pistenrand schlotternd eine Bratwurst zu verdrücken, nur weil die Restaurants nicht geöffnet haben durften. So wurde der vergangene Winter zumindest in Sachen Pistenskifahren eine Nullnummer.

Nichts desto trotz lag vor der Haustüre im Dezember derart viel Schnee, dass der Bergler und ich uns am 7.12. aufmachten für die erste Skitour.

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Es sollten noch deren 9 folgen in der näheren Umgebung, meist begleitet von eher bescheidenen bis katastrophalen Schneeverhältnissen.

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Ein Highlight der besonderen Art war die Skitour aufs Stöcklichrüz mit Abfahrt nach Lachen. Ich weiss nicht, ob diese Tour mit einer Abfahrt fast bis ans Ufer des Zürichsees in meinem Leben nochmals möglich wird.

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Das Saison-Finale in Bivio letzte Woche war gekennzeichnet von hochwinterlichen Verhältnissen. Am ersten Tag leichter Schneefall und unerwartet viel Neuschnee am Piz Campagnung.

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Am zweiten Tag traumhafte Verhältnisse für die Besteigung des Roccabella.

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Und am dritten Tag eine absolut begeisternde Pulverschneeabfahrt (so spät im Jahr!!!!) vom Crap da Radons.

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Das war also mein Winter. Halt, nicht ganz! Denn es gab auch noch diverse Schneeschuh-Touren.

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Aber jetzt reichts wirklich. Und ich freue mich auf den Frühling.

Kein Buffet mehr

Früher pflegte ich zu sagen, wenn es von verschiedener Seite hiess: “Was, ihr fahrt schon wieder in die Ferien?!?”, dass wir gar nie Ferien hätten, nur unseren Alltag an einem anderen Ort verbringen würden. Das hatte, grosszügig betrachtet, damals etwas an sich, taten mein Mann und ich doch, wenn wir mit dem Wohnmobil  unterwegs waren, weitgehend das, was wir daheim auch gemacht hätten. Wir gingen wandern, suchten uns mit den Rennvelo geeignete Strecken aus, assen gut, fanden unser Glück in einer Konditorei, schauten abends die Tagesschau und assen so gut wie immer selber gebackenes Brot zum Frühstück.

Aber eben, das war früher. Mittlerweile hat sich mit dem Tod meines Mannes nicht nur mein Alltag geändert, sondern auch das, was man gemeinhin als “Ferien” bezeichnet. Eben erst aus Madaira zurückgekehrt, habe ich erstmals die Vorzüge einer geführten Wanderwoche kennengelernt. Nicht nur, dass einem ständig alle Wege geebnet wurden, einem das Mitdenken (theoretisch!) abgenommen wurde und man sich blindlings auf die sehr kompetente Leiterin verlassen konnte. Nein, da wurde nebst dem Komfort im 5-Sterne-Hotel noch viel mehr geboten. Beispielsweise immer wieder kürzere Besichtigungen entlang der Route. Einmal machten wir einen kurzen Abstecher in eine Zuckerrohr-Mühle.

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Dort wurde zwar, dumm gelaufen, gerade kein Zuckerrohr verarbeitet, doch konnten wir wie angekündigt den besten Zuckerrohr-Melasse-Kuchen der Insel degustieren und selbstverständlich auch kaufen.

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Oder dann dieser spezielle Aperitiv, zu dem wir hingekarrt wurden. Nikita hiess er. Wir wurden aufgefordert zu raten, was drin ist. Auf Ananas (wenn auch nicht in Form von Glacé) kamen wir schnell, dass aber auch noch Bier und Weisswein drin war, erriet niemand.

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Ganz zu schweigen natürlich vom Service, den unser Chauffeur bot. Unsere Wanderungen endeten nie dort, wo sie angefangen hatten. Immer stand Alexandre (stets wie auf dem Bild mit weissem Hemd und Kravatte) bereit, um uns abzuholen. Und am nächsten Morgen war der Boden im Bus wieder vom Dreck unserer Wanderschuhe befreit.

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Auch das touristische Highlight Funchals, eine Fahrt im Korbschlitten, wurde uns geboten.

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An einem Abend brachte Ursula, unsere nimmermüde Leiterin, eine Auswahl an exotischen Früchten mit, die sie im Markt gekauft hatte. So konnten wir allerlei meist Unbekanntes testen.

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Buchstäblich im Vorbeigehen erfuhren wir einiges über Land und Leute. Wenn unsere Leiterin auf unsere Fragen ausnahmsweise mal keine Antwort wusste, hatte sie spätestens beim Nachtessen die richtige Antwort recherchiert und parat.

Dass das alles seinen Preis hat, liegt auf der Hand. Aber mir war es das Wert. Und ich werde wieder mit Imbach auf Wanderschaft gehen.

Nun bin ich wieder in den eigenen vier Wänden. Das Frühstücksbuffet heute morgen war wesentlich übersichtlicher als im Hotel, wo man von einer Köstlichkeit zur anderen bereits die erste Wanderetappe zurücklegen musste. Bei mir gab es nur Kaffee, Orangensaft, Brot, Butter, Konfitüre, Honig und ein Stück dieses gut gelagerten Käses. Allerdings ohne Verpackung.