Das Neuste aus dem Salzfass

Früher gab es in meinem Haushalt nur Salz. Also ich meine, zum salzen gab es nur Salz. Und weil es ein Schweizer Haushalt war und ist, gab es selbstverständlich auch Aromat. Für gewisse Zwecke verwendete ich Bouillon. Ochsenbouillon, so wie es meine Mutter mir beigebracht hatte.

Es folgten Jahre der fantasielosen Salzerei. In der Migros konnte man gerade mal zwischen zwei Salzsorten in zwei verschiedenen Packungsgrössen auswählen. Die grosse Salz-Euphorie hat erst in den letzten Jahren eingesetzt. Himalaya-Salz, Fleur de Sel, Meersalz aus Hawaii, Australien, vom Nord- und Südpol. Alles scheint erhältlich.

Ich bin dieser versalzenen Euphorie ein Stück weit auch erlegen, denn ich liebe Abwechslung. In meiner Küche gibt es immer mindestens zehn verschiedene Varianten, um etwas zu salzen. Dass Teigwaren-Wasser nicht mit dem überzahlten Fleur de Sel gesalzen wird, liegt auf der Hand. Ebenso, dass ein Pilzrisotto nicht mit Fischfonds parfümiert wird. Für asiatische Gerichte muss Soja-Sauce her und auf die altbewährte Rösti streue ich am liebsten Aromat.

Von einer Freundin habe ich ein Glas Himalaya-Salz von M-Sélection geschenkt erhalten. Dieses edle Salz verwende ich nur bei edlen Zutaten. Und auch nur, wenn es mein innig geliebter Mitesser nicht sieht. Er behauptet nämlich steif und fest, im Glas mit dem grobkörnigen Salz seien Gallensteine.

 Ganz schön versalzen! Aber wo sind denn nun die Gallensteine? 

Der Steinbock und die Weltcup-Rennen

Das Spektakel war vorüber. Die Helikopterflüge hatten deutlich abgenommen, die Menschenmassen waren wieder verduftet. Zaghaft lugte er um den Felsvorsprung herum. Was er sah, stimmte ihn nachdenklich. Noch immer hatte es viele Zweibeiner in seinem Revier, aber kein Teil mehr so arg wie noch bis vor kurzem. Der Steinbock wunderte sich einmal mehr, weshalb man für ein paar bunt gekleidete Wahnwitzige einen derartigen Aufwand betreiben musste. Und noch weniger, weshalb ihnen grölende Horden dabei zujubelten

Aus diesen Zweibeinern wurde er nicht klug. Vor kurzem noch hatten sie gejammert, sie hätten zu wenig Salz für die Strassen. Aber hier am Lauberhorn verteilten sie das angeblich so rare Zeugs gleich eimerweise. Je nach Situation kam grobkörniges oder feines Salz zur Anwendung. Dem Steinbock war das völlig schnuppe. Obschon – Salz war eine Delikatesse, an die er nur in Ausnahmefällen herankam. Vielleicht würde ja irgendwo auf einem Häufchen etwas für ihn übrig bleiben.

Sie waren komische Vögel, diese Zweibeiner. Noch komischer waren die, die sich in der Rolle der Organisatoren dieser Skirennen sahen. Denen konnte es wirklich niemand recht machen. Hatte es viel Schnee, jammerten sie. Schneite es, jammerten sie erst recht. Hatte es Nebel und er, der Steinbock, konnte sich inkognito etwas umsehen, jammerten sie am lautesten. Dieses Jahr jammerten sie, weil es zu wenig Schnee hatte und zu warm war. Was nun also? Sie hatten ja ihre fauchenden Schneekanonen, die selbst die grünste Landschaft in eine Skipiste verschandeln konnten. Dieses Jahr war es wieder besonders krass. Der Steinbock konnte bereits die ersten Krokusse riechen rechts und links von diesem salzgeschwängerten Schneeband.

Noch waren die Zweibeiner damit beschäftigt, Kilometer von Sicherheitsnetzen und Abschrankungen zu entfernen. Ein paar weitere Tage voller Emsigkeit und Helikopterlärm und dann würde der Steinbock endlich wieder seine Ruhe haben. So viel Ruhe halt, wie man als Steinbock hatte, wenn man in einem weltberühmten Skigebiet zu Hause war.