Müsterli für den Kopf

Als ich – wie es sich für Samnaun gehört – es Gütterli Parfüm erstand, schmuggelte mir die Verkäuferin ein paar Müsterchen in die Tüte. Das hatte sie schon einmal gemacht und auch dieses Mal war nebst einem absolut widerlich süssen Duft ein ganz bezauberndes Parfüm dabei, das ich mal auf irgend eine zukünftige Wunschliste nehmen werde. Ausserdem fand ich zwei Säckchen mit Haarpflege-Mitteln, die ich gedachte, mir beim nächsten Haarewaschen auf den Kopf zu schmieren.

Dieshalb studierte ich eingehend die Anleitungen und las meinem innig geliebten Mitbewohner vor: “Energie und Sprungkraft für jedes Haar”. Dieser musterte meine Haarpracht eingehend und befand darauf, da müsse ich aber damit rechnen, dass mein Skihelm abheben würde.

Da ich zu wenig risikofreudig war, herauszufinden wie standorttreu mein Helm nach einer derartigen Haarkur war, beschloss ich, das Müsterchen erst am Vorabend unserer Heimreise zu brauchen. Schlimmstenfalls verfügt unser Auto über ein Schiebedach.

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Frau Holles Penalty

Es ist reichlich irr, was derzeit im Alpenraum abgeht in Sachen Wetter. Gestern schneite es in Samnaun den ganzen Tag. Dicke, schöne Flocken tanzten vom Himmel. Mal mehr, mal weniger heftig, aber stetig. Am Nachmittag wurden die Flocken immer schwerer und bestanden schliesslich nicht mehr aus Luft und Wasser sondern nur noch aus Wasser. Es regnete bis weit über 2’000 m hinauf! Und das dann gleich die ganze Nacht durch. Von den 25 cm Schnee, die es gegeben hatte, sah man heute Morgen so gut wie nichts mehr.

Dafür krachte es. Lautstark. Immer und immer wieder. Die Samnauner, aus vielen vergangenen Ereignissen schlau geworden, schossen den Schnee mit den fest installierten “Lawinen-Kanonen” runter. So eine Kanone sieht – stark herangezoomt – etwa so aus:

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Solche Installationen zieren das ganze Samnauner-Tal, ebenso das Skigebiet. Zu Dutzenden stehen sie in den steilen Bergflanken. Begleitet von Lawinen-Verbauungen bieten allein sie die Sicherheit, dass so ein steiles Bergtal überhaupt ganzjährig bewohnbar ist.

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Auf Schmugglerpfaden

Nach Ischgl wie nach Samnaun fährt keiner wegen dem schmucken Ortsbild. Während in Ischgl die Partyszene tobt, hat sich am anderen Ende des grossen Skigebiets ein ganz anderer Geschäftszweig entwickelt. “Dutyfree” heisst das Zauberwort, von dem die ganze Talschaft im entlegensten Zipfel der Schweiz lebt.

Die beiden Talabfahrten nach Samnaun heissen denn auch “Dutyfree Run” und kaum hat der Skifahrer sich seiner Skier entledigt, kann er in über 50 Läden auch schon Geld ausgeben für günstigeren Alkohol, Parfüm oder Zigaretten. Auch Kleider, Sportartikel, Schmuck und Uhren, Schokolade, Zucker (!!!) und natürlich die ganze Palette an Souvenir-Kitsch stehen im Angebot. Für die Samnauner sind die von Ischgl kommenden Skifahrer ein fettes Geschäft. Manch ein Gast deckt sich mit einer Flasche Schnaps ein (und selbstverständlich sind die Geschäfte mit einer Art Einweg-Rucksack für solche Attacken gewappnet), man sieht mit allerlei Schnäppchen gefüllte Rucksäcke, die an den Buckeln ihrer Träger den Heimweg über die grüne bzw. weisse Grenze antreten.

Doch Hoppla! Auch an der Grenze auf über 2’700 m gelten Zollvorschriften. Und diese werden mitunter auch kontrolliert, wie dieses Video veranschaulicht. Momentan ist das Zollhäuschen am Viderjoch aber zugeschneit und verwaist. An der Grenze zu Österreich schlägt man sich offenbar momentan gröbere Probleme um die Ohren.

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Beschildert geschildert (75)

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Dumm für all jene, die mit Hilfe der Bergbahnen skifahrenderweise von Samnaun nach Ischgl zurück wollten, wenn sie diesen Hinweis zur Unzeit lesen. Denn plötzlich wird aus einem relativ unkomplizierten Heimweg eine lange und vor allem teure Reise.

Mit dem ÖV ist es fast nicht mehr möglich, gleichentags noch nach Ischgl zu gelangen. Nicht umsonst reiben sich die Taxifahrer ab jedem gestrandeten Skifahrer in Samnaun die Hände. Gleiches dürfte übrigens für ihre Kollegen in Ischgl gelten. Eine Fahrt kostet über 300 Franken. Preisverhandlungen zwecklos. Wenn man allerdings bedenkt, dass es 77 km Wegstrecke sind (die auch wieder zurück gefahren werden müssen) und die Fahrt 1 1/2 Stunden dauert, kann man beinahe von einem Schnäppchen sprechen.

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Aliens!

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Alarm!

Wir haben Ausserirdische gesichtet! Im Multipack glotzen sie uns an.

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Ich fühle mich unter konstanter Beobachtung.

Und das in der Ferienwohnung.

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Türe schliessen nützt nichts, auf der Rückseite glotzen die Aliens weiter.

 

Immer wieder spannend, was die Natur für uns bereithält.

Skifahren findet im Freien statt

… und was ein waschechter Skifahrer ist, lässt sich auch beim Kaffeetrinken von ein paar Schneeflöckchen nicht abhalten.

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Frau Flohnmobil hat diese Szenerie aus sicherer Distanz und ohne Skiausrüstung betrachtet.

Der Neuschnee-Zuwachs in Samnaun heute war beträchtlich. Von Null Komma Null auf Null Komma Fünf Zentimeter. Leider zeigt die “Schneedecke” wenig Ambitionen, hier sesshaft zu werden.

Haltung wahren!

Der heutige Tag war wohl das, was man gemeinhin als “traumhaften Wintertag” bezeichnet.

  • 25 cm Neuschnee (wir hätten auch mehr genommen)
  • praktisch windstill (wo wir doch endlich sturmerprobt wären)
  • blauer Himmel (daran könnte ich mich gewöhnen)
  • Temperaturen, die einen nicht schlottern lassen, aber dennoch kalt genug sind, dass der Schnee pulvrig bleibt

Was will man mehr, könnte man sich fragen. Nun, ich habe eine Antwort parat: Ich möchte nicht mehr, sondern weniger. Weniger Leute. Heute schien alles unterwegs zu sein, was im Keller zwei gleich lange Latten entstauben konnte.

Zum Glück fanden mein innig geliebter Mitbewohner und ich einige Pisten, die dem gemeinen Volke irgendwie entgangen oder zu anspruchsvoll waren. Dies gilt allerdings nicht für die Skifahrer-Autobahn auf dem Bild unten, denn diese Piste stellt eine der Verbindungen zwischen dem Skigebiet von Ischgl und Samnaun dar und ist entsprechend viel befahren.

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Wie befürchtet hat der Neuschnee den Schneeskulpturen zugesetzt. Ich wollte eigentlich noch die verbleibenden Kunstwerke fotografieren, doch waren sie teilweise schon ziemlich unkenntlich. Einzig mein Favorit, der Mann mit der grossen Nase und dem Mikrofon, hat dank seinem Hut Haltung bewahrt.

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Wen’s interessiert, es gibt ein Video über die Entstehung der Schnee-Skulpturen. Natürlich viel anschaulicher als meine Ausführungen.