Schnee? Lass uns von etwas anderem reden!

Dieser Winter lässt sich Zeit. Viel Zeit. Die Schneesportlehrer, Hoteliers, Restaurantbesitzer und alle anderen, die vom Wintertourismus leben, werden je länger je mehr um ihr Weihnachtsgeschäft bangen. Und das völlig zu recht. In den Alpen liegt so wenig Schnee wie schon lange nicht mehr. Das mag jene freuen, die mit dem Winter nichts am Hut haben und für die jede Schneeflocke eine Schneeflocke zu viel ist. In den Bergen aber findet man die Launen von Petrus und Frau Holle schon längst nicht mehr lustig.

Samnaun liegt auf 1’840 m und ist damit höher als der höchste Punkt so manchen Skigebietes. Hier ziert kein Flöckchen Schnee die steilen Hänge. Von dem Fläumchen, das am vergangenen Dienstag gefallen ist, ist längst nichts mehr zu sehen.

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Auf den Pisten liegt 99 % Kunstschnee. Seit es endlich kalt genug geworden ist, um die Schneekanonen in Betrieb zu nehmen, laufen diese hier und in allen anderen Skiorten Tag und Nacht. Wo die 45 cm Schnee gemessen wurden, die es gemäss offiziellem Pistenbericht haben soll, ist mir ein Rätsel.

Das Skifahren auf so viel Kunstschnee ist ein zwiespältiges Vergnügen. Aber blauer Himmel und frische Luft sind auch nicht zu verachten. Was etwas weniger toll ist, sind die vielen, vielen Leute, die in der Silvretta-Arena Samnaun/Ischgl Ski fahren. Da alle umliegenden Skigebiete infolge Schneemangels noch geschlossen sind, karren die Leute von weit her hierhin. Wir haben mit Sachsen gesprochen, die sind für ein Wochenende 700 km weit gefahren. Und die finden das völlig normal, andere würden von noch weiter her kommen! Ich weiss nicht, ob ich unter solchen Umständen Skifahrerin geworden wäre.

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Frau Holle, lass es schneien. Bitte!!!!

Falsches Mischverhältnis

Es kommt mir vor, als hätte es um diese Jahreszeit auch schon mehr Schnee und weniger Leute gehabt.

Aber man muss sich nicht wundern, wenn man bedenkt, dass heute in Ischgl 150 Busse angemeldet waren.

Oder ist doch etwas wahr am Gerücht, dass sich Petrus und Frau Holle zerstritten haben?

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Skifahren ist schön. Ich könnte stundenlang anstehen. Samnaun, heute Sonntag, 7. Dezember 2014.

Skifahrerin, verheiratet, sucht

Ein zweckmässiges Outfit für die Piste. Einen Helm zur Erhaltung des Oberstübchens. Eine Skibrille für den richtigen Durchblick. Mass-Skischuhe samt Heizung. Einen Privat-Skilehrer. Frisch gewachste Skier. Ein Auto mit Vierrad-Antrieb.

Quatsch, hat sie alles schon! Was sie wirklich sucht:

Es gibt ihn zwar. Aber nicht in Massen. Und wenn, dann im Reagenzglas mit der Schneekanone erzeugt.

Seit Wochen müssen die zischenden Schneekanonen im Skigebiet Samnaun/Ischgl rund um die Uhr in Betrieb gewesen sein. Es ist erstaunlich, wie sich die Pisten hier trotz prekärer Schneelage in einwandfreiem Zustand präsentieren.

Doch so sehr ich mich auch angestrengt habe fünf bombige Skifahrer-Tage lang, ich habe nichts, aber wirklich gar nichts am Himmel erspäht, das auch nur annähernd wie eine Wolke gesehen hat, in der sich Frau Holle hätte verstecken können.

Frühlingshafte Temperaturen in der dritten Adventswoche mit Plusgraden auf über 2’000 Metern. Ob sich Frau Holle rechtzeitig gegen das starke Hoch durchsetzen kann und uns doch noch weisse Weihnachten und den Skiorten den dringen nötigen Schnee beschert? Konsultiert doch mal das Wetterorakel!

Zum Abschied

Es war nicht nur unser Abschied von Samnaun. Nein, es dürfte auch unser aller vorläufige Abschied vom Frühling gewesen sein. Denn kann man den Aussagen der Meteorologen glauben – und danach sieht es sehr aus – dürften die Krokusse, die momentan ganze Bergwiesen in schneeweisse Flächen verwandeln, demnächst farbliche Konkurrenz von oben erhalten.

Drum hier nochmals einige Impressionen der Schneeschmelze auf 2’000 m Höhe, aufgenommen vor zwei Tagen.

Weltrekord!

Im Skigebiet von Samnaun ging heute ein Weltrekord-Versuch über die Bühne. Punkt 15.00 Uhr startete das erste Team aus acht Schneesportlehrern zum Formationsfahren. Ziel war, innert einer Stunde möglichst viele Formationsfahrten zu absolvieren.


Unmittelbar vor dem Start


Es waren immer mindestens zwei bis drei Teams aufs Mal unterwegs.

 

Und es gelang!

60 Minuten lang absolvierten die 46 Teams aus der ganzen Schweiz 259 Fahrten und machten über 93’000 Schwünge.
Die Piste sah danach entsprechend aus.


Bild: Nadja Simmen

Beschauliche Bergwelt


Alp Trida, Samnaun


Idalp, Ischgl


Konzert auf der Alp Trida (Frühlings-Skifest am 14.4.13)

Wer nun auch Lust verspürt, sich ins Getümmel zu stürzen, hat noch Zeit bis am 4. Mai. Und wer sich erst so richtig wohl fühlt, wenn er vor lauter Leuten keinen Schnee mehr sieht: Am 30. April treten Deep Purple auf der Idalp auf. Da wird die Post abgehen!

Doch zuerst sind nun die Schweizer Schneesportlehrer mit ihrer Meisterschaft dran.

Frühling im Schnee

Wintermüde mögen es mir nicht abnehmen, aber Skifahren im April hat absolut seinen Reiz. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich sind bei weitem nicht die Einzigen, die um diese Jahreszeit noch Wintersportfreuden frönen. Familien mit Kindern verbringen ihre Frühlingsferien im Schnee, mittlere und ältere Semester wie unsereins freuen sich ganz einfach daran, dass man nicht frieren muss und die Pisten nicht so überbevölkert sind wie noch vor einem Monat. Sogar der eine oder andere Skilehrer hat noch Arbeit gefunden und kann blutigen Anfängern die Fortbewegung auf Skiern beibringen. Oder das zumindest versuchen.

Zugegeben, die Schneeverhältnisse sind nicht eben einfach. In den Morgenstunden ist die nicht mehr überall ganz so weisse weisse Pracht knallhart, während der Schnee am Nachmittag so weich und pampig wird, dass auch die Schwünge des professionellsten Skifahrers ihre Verwandtschaft mit Sackhüpfen nicht abstreiten können. Die Kunst des Frühlings-Skifahrens besteht unter anderem darin, sich die richtigen Hänge zur richtigen Zeit auszusuchen, denn je nach Exposition sind die einen Hänge schon am Morgen am aufweichen, während andere am Nachmittag noch relativ hart sind.

Mit zunehmender Tageszeit hat es auf den Skipisten zunehmend weniger Leute. Das war heute nicht anders, denn bei diesen Temperaturen tun es sich nicht mehr viele an, bis kurz vor der Pistenkontrolle auf dem weichen Schnee rumzugurken. Einige Pisten wurden heute sogar frühzeitig wegen Lawinengefahr gesperrt, so warm war es. Um 13.00 wurden vom Heli aus Nassschnee-Lawinen gesprengt, sehr zur Ergötzung des aus sicherer Distanz zusehenden Publikums.

Der Winter war zwar, selbst für meine Verhältnisse, lang. Aber bei solchem Wetter macht eine Verlängerung der kalten Jahreszeit trotzdem Spass.

Und kaum ist der Schnee weg, beginnen schon die Krokusse zu blühen. Hier unmittelbar neben der Piste.

Mutige Pistenbully-Fahrer fürchten selbst die Dunkelheit nicht, um für den nächsten Tag wieder eine mehr oder weniger glatte Piste zu präparieren. Im Verlauf des Tages werden die Skifahrer  wieder für die Sackgumpis-Einlagen sorgen und alles beginnt wieder von vorne.

Sprichwörtlich?

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Diese Aussage ist sicher fundiert auf langjährigen Beobachtungen der Vogelwarte Sempach, von Meteo Schweiz, den Zünftern des Zürcher Sechseläutens und diverser Gastronomen in Tourismusgebieten.

Dass ich die erste Schwalbe des Sommers 2013 ausgerechnet an dem Tag sehe, wo mein innig geliebter Mitbewohner und ich der einsetzenden Frühlingseuphorie im Flachland für ein paar Tage nach Samnaun entflohen sind, hat meinen Denkapparat in Wallung versetzt.

Was will mir da das Schicksal mit dem PistenZaunpfahl zuwinken?

Rupfet sie, solange ihr könnt!

Es gibt in der Schweiz nicht viele offizielle Stellplätze für Wohnmobile. Schon gar nicht in Touristenorten. Und erst recht nicht im Kanton Graubünden. Campingplätze finden sich zwar da und dort, aber ein Wohnmobilfahrer hat nicht zwingend die gleichen Ansprüche wie jemand, der mit dem Wohnwagen einfährt.

Umso erstaunlicher ist es, dass es ausgerechnet in Samnaun, im alleräussersten Zipfel der Schweiz, einen ganzjährig geöffneten Stellplatz gibt. Vorzugsweise erreicht man Samnaun von Landeck her und nicht übers Unterengadin. Über eine kurvige, teils enge Strasse muss sich das Wohnmobil Meter um Meter höherkämpfen, bis es sich schliesslich auf 1’800 Metern auf dem ebenen, gekiesten Stellplatz erholen darf. Hier gibt es nebst den 18 Stellplätzen einen Unterstand, für Männlein und Weiblein je eine Dusche und ein WC und – viel wichtiger – Steckdosen, ein Wasserhahn und eine Entsorgungsstelle.

Es ist zwar ruhig, aber nicht wirklich lauschig. Ich möchte nicht hier sein, wenn alle Plätze besetzt sind, denn dann wird es höllisch eng. Man dürfte dann, ohne sich gross den Hals zu verrenken, sehen können, was es bei den Nachbarn zum Frühstück gibt – es sei denn, Nachbars verschanzen sich hinter den Markisen.

Etwas weniger zurückhaltend als die Platzverhältnisse sind die Gebühren für den Stellplatz. Über 50 Franken bezahlen zwei Personen mit Wohnmobil in der Hochsaison – und die ist in Samnaun im Winter, also jetzt. Da muss ich jeweils mehr als nur einmal leer schlucken, wenn mir die Rechnung präsentiert wird. Denn vom Ausland her bin ich es gewohnt, dass Stellplätze häufig gratis sind, vielleicht fünf Euro, meinetwegen auch zehn. Fünfzig Franken habe ich bis Anhin noch nicht einmal auf einem Campingplatz direkt am Meer bezahlt. Aber im Mittelmeer hat es bekanntlich nicht allzu viele Skipisten.

Rückkehr zu Yeti

Nein, eigentlich haben wir ihn nicht gesucht. Und gefunden schon gar nicht. Yeti, dieses sagenumwobene Hochgebirgswesen haben auch wir nicht erblickt. Das wäre zwar eine kleine Sensation gewesen, aber wir hätten sie mit hunderten von Leuten teilen müssen. Denn wir sind bei weitem nicht die Einzigen, die – Osterglocken und Bärlauch zum Trotz – nochmals die Freuden des sich zu Ende neigenden Winters geniessen.

Frühlingsskifahren, ich habe es in diesem Blog mit Sicherheit schon mehrfach erwähnt, ist eine fantastische Sache. Nie geben die langen Unterhosen wärmer. Nie rattert es in den Morgenstunden heftiger unter den Skiern. Nie verbrennt man sich das Gesicht schneller. Nie kann man grössere Pflüderhaufen mit den Skiern herumschieben.

Normalerweise fahren wir erst Mitte April mit dem Wohnmobil nach Samnaun. Doch dieses Jahr ist irgendwie alles anders. Deshalb haben wir auch unser Womi schon vor einer Woche ausgemottet. Nun steht es artig unten im Tal, während mein innig geliebter Mitbewohner und ich den Freuden des Winters frönen. Nicht, dass Samnaun ein besonders malerischer Ort wäre. Ganz im Gegenteil, ich kenne keinen grösseren Krachen als dieses abgelegene Zollfrei-Kaff. Aber wegen dem günstigeren Schnaps sind wir nicht hier; wegen den Zigis oder dem Parfum erst recht nicht. Nein, es ist dieses grosse, länderübergreifende Skigebiet Ischgl/Samnaun, das es uns angetan hat. Die breiten Pisten, die anspruchsvollen Abfahrten, die modernen Bahnen.

Was uns etwas sauer aufstösst, ist der Umrechnungskurs in den Schweizerischen Gaststätten im Skigebiet. Hier wird mit 1.40 gerechnet – wohl, damit überhaupt noch jemand aus dem Euroraum einkehrt. Auch wir bezahlen mit Euros. Ist eigentlich irre – aber irgendwie passt es ins Gesamtbild.