Unterwegs wegen den Füssen

Ich hatte heute ein Date mit einem netten jungen Mann. Er kümmerte sich geradezu rührend um mich, begutachtete mich ausführlich von allen Seiten, legte Hand an. Leider am falschen Ende, denn er war in erster Linie an meinen Füssen interessiert.

Ich war unterwegs in der Mission “neue Skischuhe”. Bei meinem Saisonauftakt vor ein paar Tagen hatte ich gemerkt, dass mich ein Überbein an der Ferse plagt. Skifahren macht so definitiv keinen Spass! Nun ging es darum, meine Füsse neu zu vermessen, damit eine Mass-Einlagesohle angefertigt werden kann, bevor ein neuer Innenschuh geschäumt wird.

Das Ganze dauerte rund eine Stunde. Dann war es High Noon und ich zu einem ausgedehnten Winterspaziergang aufgelegt. Wer würde denn nicht wollen bei so einem Wetter! Es war zwar kalt (-10°), aber sonnig und windstill.

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Nach einem kurzen Nachfragen bei zwei Spaziergängerinnen entschloss ich mich kurzerhand, den oberen Sihlsee zu umrunden.

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Dieser ist teilweise am Zufrieren. Bis aber das Natureisfeld freigegeben werden kann, braucht es noch einige kalte Tage, und die stehen ja gerade nicht ins Haus.

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Obschon hier bestenfalls 30 cm gesetzter Schnee liegt, konnte der Hang anreissen.

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Um diese Jahreszeit erreicht kein Sonnenstrahl diese Seite des Sihlsees.

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Nun bin ich schon fast an der Brücke. Wohl scheint hier wieder die Sonne…

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… aber…!

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Im Skigebiet Hochybrig muss heute ganz schön etwas los gewesen sein. Ich habe gehört, dass Leute angesichts der prekären Parkplatz-Situation gar nicht erst aus dem Auto gestiegen und unverrichteter Dinge wieder heim gefahren sind. Auch die Ambulanz hatte alle Hände voll zu tun. In der kurzen Zeit, wo ich in Hör- und Sichtweite der Strasse war, konnte ich drei Ambulanz-Fahrzeuge ausmachen.

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Nach Euthal führt der Wanderweg wieder weg von der Strasse durchs Naturschutzgebiet.

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Am Horizont kündigt sich schon der Wetterumschwung an. Den blauen Himmel habe ich für heute gesehen.

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Ich wäre bestimmt nicht extra für diese knapp 1 1/2 Stunden Spaziergang nach Unteriberg gefahren. Aber im Zusammenhang mit dem Füessli-Date war es ganz okay.

Teurer Schläckstängel

Nichtsahnend löste ich unlängst ein neues Rezept in der Apotheke ein. Der jüngste Geniestreich der Onkologin wurde mir in Form mehrerer Schachteln über die Theke gereicht. Damit war für mich die Sache erledigt, rechnet doch die Apotheke mit der Krankenkasse direkt ab.

Daheim verlas ich die Medikamente. Das neue Schmerzmittel, das uns die Ärztin als eine Art Lolipop beschrieben hatte, kostete…

… da es hätte mich doch beinahe vom Hocker gehauen! Es kostete fast 400 Franken! Bei 30 Lolipops! Die nur gerade je zwei Stunden lang wirken!

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Wahrhaft teure Schläckstängel. Und ausdrücklich nicht die, die hier abgebildet sind.

 

Warum ausgerechnet du?

Diese Frage beschäftigt mich seit der vernichtenden Krebs-Diagnose meines Mannes. Ich habe sie mir in den vergangenen Wochen und Monaten beinahe täglich gestellt.

Warum ausgerechnet du?
Wo du doch immer so sportlich warst. Kein Übergewicht. Wenig Alkohol, nie geraucht.

Warum ausgerechnet du?
Frage ich mich unter Tränen, die einer Mischung aus Wut, Verzweiflung und unendlicher Traurigkeit entspringen.

Warum ausgerechnet du?
Deinen körperlichen Zerfall mitzuerleben stürzt mich in ein Gefühl totaler Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Warum ausgerechnet du?
Was hast du getan, dass du derart abgestraft wirst?

So oft ich mir die Frage auch stelle, eine Antwort darauf werde ich nie erhalten.

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Lazarett auf dem Rückzug

Sie hat sich mal wieder als gut ausstaffiert und unentbehrlich erwiesen, unsere Reiseapotheke. Kein Tag, ohne dass wir ihr etwas entnommen hätten. Und was sie nicht hergab, liess sich hier beschaffen:

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Hustentropfen. Halsweh-Tabletten. Schmerzstillende Tabletten. Schmerzstillende Pflaster. Schmerzstillende Tropfen. Schmerzstillende Spritzen, Schmerzstillende Salben. Resistenz-Tabletten.

Wir haben geschluckt, gesalbt, geklebt, gegurgelt und zwei Mal der örtlichen Arztpraxis unsere Referenz erwiesen. Eigentlich lief das Projekt unter dem Sammelbegriff “Zwei Wochen Skifahren in Samnaun”. Wir standen jedoch nur gerade vier Tage auf den Skiern. Und auch das mehr schlecht als recht. Trotz herrlichstem Winterwetter und tollen Pistenverhältnissen. Selbst die Geschirrspül-Maschine in der Ferienwohnung hatte sich solidarisch erklärt und auf halber Distanz den Dienst für ein paar Tage quittiert.

Für einmal erwies sich mein flapsiger Spruch “Wir haben nie Ferien, wir verbringen nur unseren Alltag an einem anderen Ort” als Bumerang. Wenn dieser Beitrag veröffentlicht wird, sind wir auf dem Heimweg. Um unsere Wunden in den eigenen vier Wänden weiter zu lecken.