Wer kommt heute angekrochen?

Ich geb’s ungeniert zu: Ich verbringe meinen Tag nicht immer mit geistig hochstehenden Tätigkeiten. Diese vermeintliche Leere jedoch, sie lässt mir viel Freiraum, um auch mal etwas Verrücktes anzustellen. Oder einfach auf seltsame Ideen zu kommen.

Unlängst in Brigels, bei meiner Mutter. Selbige geht am Morgen hinaus auf den Rasen und ruft voller Entzücken zu ihrem Partner: “Lueg, Sigis, dini Fründe sind wieder da!” Ich kenne sowohl meine Mutter und ihren Partner als auch ihre Gewohnheiten und Freunde ziemlich gut. Deshalb wusste ich auf einen Schlag, dass uns ein spezielles Ereignis bevorstand.

Dieses Ereignis – spannungsgeladene Leser werden nun vielleicht eine leise Enttäuschung spüren – bestand aus Schnecken. Nachdem es über Nacht geregnet hatte, kamen sie aus dem sorgsam gehätschelten Blumengarten zum Vorschein und waren auf dem Rasen verteilt. “Bei schönem Wetter siehst du keinen Einzigen, die kommen nur hervor, wenn es regnet”, verkündete mir Sigis begeistert und begann damit, die Schnecken zu zählen.

Es folgte der historische Moment, wo in meinem Hirn die Abteilung “Verstand” vom Ressort “Kindskopf” übernommen wurde. Mit einem Fläschchen Nagellack bewaffnet begann ich, jeden einzelnen Schneck, der meinen Weg kreuzte, zu markieren. Ich entdeckte immer mehr. Und noch mehr. Nach dem 38. Schleimer ging mir der Nagellack aus. Hätte ich das ganze Areal gewissenhaft durchkämmt – die Unterstützung von Sigis wäre mir sicher gewesen – es wären locker nochmals so viele Schnecken zum Vorschein gekommen.

Leider folgte alsbald eine Trockenphase in der sich nur die Allermutigsten der Schnecken aus dem Unterschlupf wagten. Sigis begann, die ständig weniger werdenden Aktivitäten statistisch auszuwerten.

Vor ein paar Tagen herrschte endlich mal wieder Schnecken-Wetter! In Brigels sah man zwei ältere Herrschaften damit beschäftigt, irgend etwas Undefinierbares aufzulesen und an eine bestimme Stelle im Garten zu tragen. Immer und immer wieder. Die Nachbarn begannen schon, sich angesichts des stereotypen Bewegungsmusters Sorgen zu machen. Was war da im Gange?

Ich hingegen kann ganz beruhigt sein. Dieses Spielchen wird meine Mutter und ihren Partner bis in den Spätherbst hinein beschäftigen. Oder zumindest solange wie der Nagellack hält.

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Bestandesaufnahme im Schneckenland.
Kostet nicht viel, ist keine Tierquälerei, bringt Farbe in den Garten und freut das Gemüt.

Aufstiegsmöglichkeiten

Sie, bzw. ES, hatte einen akuten Drang nach oben. Man darf sich mit gutem Grund fragen weshalb. Weshalb ES sich das antat.

ES hatte schon einen langen Weg zurückgelegt, bis ich ES entdeckte, als ich am Morgen die Fensterläden öffnete. Dort oben schien es für ES besonders reizvoll zu sein. ES hatte keine Mühe gescheut, um in den Genuss der besonderen Aussicht zu kommen. Vielleicht war auch die Luft dort oben besser. Oder das Grün zarter. Oder der Regen nässer.

Wer weiss schon, was sich in einem Schneckenhirn so alles abspielt.

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Zähneknirschend

Beim blossen Gedanken an Essen in Frankreich läuft so manch Einem das Wasser im Munde zusammen. Völlig zu Recht. In Frankreich kann man ganz gediegen speisen, der Franzose selber legt viel Wert auf gutes Essen. Die Auswahl an Frischprodukten an den Wochenmärkten ist überwältigend. Auch die Supermärkten haben ein riesiges Angebot an Obst, Gemüse, Fisch, Käse, Fleisch. Ergänzt durch Convenience Produkte, um die ich nicht nur in Frankreich einen grossen Bogen mache. Selber kochen muss man in Frankreich nicht mehr unbedingt können. Frittenbuden landauf landab ergänzen seit Jahren das kulinarische Angebot. Und längst nicht überall wird die Haute Cuisine zelebriert.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich waren vor Jahren in Frankreich unterwegs. Da so ein VW-Camper nicht für die aufwändige Küche eingerichtet ist, gingen wir öfters in Restaurants essen. Schliesslich waren wir damals auch noch unter dem arbeitenden Volk und wollten uns etwas leisten. Das Käffchen im Herzen der Pyrenäen, das wir als Tagesziel ausgewählt hatten, sah vielversprechend aus. Diverse nette Lokale im Ortszentrum liessen den Magen vor Vorfreude knurren.

Wir liessen den Camper auf dem Campingplatz stehen und gingen am Abend zu Fuss ins Ortszentrum. Ja nicht zu früh! Trotzdem waren wir um 20.00 Uhr die ersten Gäste im Lokal. Leider waren all die nett ausschauenden Beizli, an denen wir vor Stunden vorbeigefahren waren, geschlossen. Als einziges blieb ein Lokal am Hauptplatz. Nur bedingt einladend. Aber meine Camper-Küche hätte nichts hergegeben, so dass wir uns auf das Abenteuer einliessen.

Immerhin, die Speisekarte war relativ umfangreich, wir fanden etwas Ansprechendes. Ich erinnere mich nicht mehr, was wir alles bestellten. Aber der Blattsalat – so viele Salate ich im meinem Leben auch schon verdrückt habe – wird mir unvergesslich bleiben. Beim ersten Bissen schon knirschte es zwischen den Zähnen. Kann ja mal vorkommen, dachte ich mir, und schaufelte weiter von dem Grünzeug. Vis-à-vis hörte ich es auch knirschen, dem Mitbewohner erging es offenbar nicht besser. Wir futterten weiter. Genau so lange, bis unter einem Salatblatt eine

!!! Schnecke !!!

zum Vorschein kam. Die herbeigerufene Bedienung zuckte lediglich mit den Schultern und servierte den Schleimer mitsamt seinem Futter ab. Danach folgte noch eine gebackene Forelle mit total verbrannten Mandelsplittern. Den Rest des Menüs habe ich aus meiner Erinnerung verbannt.

Wir haben die französische Küche in all den Jahren, wo wir unser westliches Nachbarland bereist haben, kennen, schätzen und lieben gelernt. Etwas ähnliches ist uns glücklicherweise nicht mehr passiert.

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