Gruss aus der Sahara

Genau, das wäre wohl der passende Titel für dieses Bild. Und der ist nicht etwa gaga. Genauso wenig wie ich, auch wenn mich gewisse Kreise für verrückt erklären, bei diesem fast schon frühsommerlichem Wetter freiwillig den Schnee aufzusuchen.

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Die Aussicht am heutigen sehr sonnigen Tage wurde tatsächlich getrübt durch Sahara-Staub, den der starke Südwind herangeweht hatte.

Das war allerdings die einzige Trübung, die ich an diesem Sonntag in Kauf nehmen musste. Ansonsten war es ein perfekter Skitag. Mit überraschend wenig Leuten, perfekten Pistenverhältnissen und sehr charmanter Begleitung.

Der Scheiss-Kalender

Als Bloggerin sitzt man ja gewissermassen in einem Glashaus. Gut, man kann selber entscheiden, ob man die Vorhänge ziehen will oder gleich die Jalousien schliessen. Aber selbst dann gibt man immer mal wieder etwas von sich Preis. Leute, die hier also schon lange mitlesen, müssten mich demzufolge fast besser kennen als meine eigene Mutter…

Als Bloggerin gibt man auch eine Mail-Adresse an, für den Fall, dass jemand ausserhalb der Kommentar-Funktion mit einem in Kontakt treten möchte. Das ist kürzlich auch wieder mal passiert. Und was ich da las, hielt ich zuerst für einen verfrühten 1.-April-Scherz.

Da sprach mich jemand auf ein Bild an, das ich hier im Flohnmobil mal veröffentlicht hatte, weil ich mich über Hundehalter ärgerte, die im Winter bei Schnee die Scheisshaufen ihrer Lieblinge einfach mit einer lockeren Bewegung aus dem Fussgelenk zum vorläufigen Verschwinden bringen. Der Inhalt des Mails:

Ich heiße ….. und bin aus dem kleinen Harzdörfchen ……

Im hiesigen Ort bin ich als Ortschaftsrat tätig und habe auch dem Hundekot den Kampf angesagt.

Leider steht unser Ort finanziell nicht sehr gut da, weshalb es schwer ist, überhaut Hundetoiletten zu installieren. Hierzu starte ich eine Aktion und erstelle einen Hunde“Scheiße“Kalender…a´la Hundescheiße in der Sonne, im Grünen, auf dem Spielplatz usw. her, um mit dem Verkauf Geld für eine oder mehrere Hundetoiletten zu erhaschen. Leider fehlt mir aber ein Bild mit Schnee…und da hab ich Ihrs gefunden und wollte fragen ob sie es mir zur Verfügung stellen würden…gern in der originalen Auflösung!

Kann hier jemand nachvollziehen, dass ich mir zuerst veräppelt vorkam? Der anschliessende Mailverkehr schaffte Klärung. Jedoch hatte ich das besagte Bild (der Blogbeitrag ist schon mehrere Jahre alt) längst gelöscht. Jeden Scheiss behalte ich schliesslich nicht. Ich konnte dem Menschen, nennen wir ihn K, anbieten, bei einer meiner nächsten Unternehmungen mit Schneekontakt nach einem adretten Hundehaufen Ausschau zu halten. Dieses Angebot nahm K dankend an.

Und so ergab es sich, dass nicht nur ich, sondern der ganze Rest der Wandertruppe auf dieser Wanderung unsere Augen nach braunen Hinterlassenschaften offen hielten. Und ich kann euch sagen, es hat sich gelohnt! Das Bild erspare ich euch (vielleicht wollt ihr ja den Hunde-Scheisse-Kalender dereinst von Herrn K käuflich erwerben). Dafür habe ich eine leicht abverreckte Schokolade-Kreation aus dem Hause Migros, die grosse Ähnlichkeit mit dem Fotografierten hat.

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Natürlich habe ich mich gefragt, wie Herr K ausgerechnet auf mich und meinen Blog kam. Die Antwort ist relativ simpel. Googelt mal nach einem Bild “Hundescheisse und Schnee”…

Man nennt es Winter

Auch wenn die vergangenen Tage aussergewöhnlich warm waren, es ist immer noch Winter. Und dazu gehört mitunter etwas Schnee.

Das mussten auch wir im Südtirol erfahren, wo es in den höheren Lagen seit gestern rund 30 cm geschneit hat.

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Aber ohne Schnee keinen Schneemann. Und auch keine frisch verschneiten Bäume.

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Ganz zu schweigen vom Pulverschnee auf der Piste, der mir immer sympathischer bleiben wird, als jede einzelne “Flocke” aus der Schneekanone.

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Und der Aha-Effekt, wenn es dann im Verlauf des Tages doch noch etwas auftut, bliebe auch gänzlich aus.

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Ins Skigebiet am Kronplatz muss ich unbedingt nochmals hin. Alleine schon der verpassten Aussicht wegen.

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Auf der anderen Seite der Berge

Man mag als Schweizer(in) geneigt sein zu glauben, die eigenen Berge seien die einzig wahren Berge. Als Folge dessen mag man geneigt sein zu glauben, dass Skifahren auch nur im eigenen Land möglich und richtig sei.

Touristikfachleute mögen diese Aussagen mögen. Aber sie stimmen nicht. Ganz wunderbare Berge gibt es in so manchem Land. Immerhin spannt sich alleine schon der Alpenbogen über sieben Länder. Ganz zu schweigen von weiteren Gebirgsmassiven in Europa, von denen ich insbesondere die Pyrenäen relativ gut kenne.

Nun lerne ich ein mir bekanntes Gebirgsmassiv in einer anderen Jahreszeit kennen. Und ich muss sagen, was ich bis jetzt von diesen Skipisten in den Dolomiten gesehen habe, lässt mein verwöhntes Skifahrer-Herz durchaus aus dem Takt geraten.

Skigebiet Gitschberg

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Skigebiet Obereggen

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Eile mit Weile

Es war das Wetter, bei dem sich früher absolut selbstverständlich mein Mann ans Steuer gesetzt hätte. Jegliche Diskussion hätte sich erübrigt. Es musste seit den frühen Morgenstunden schneien, auf der Strasse lagen schon fast zehn Zentimeter Schnee. Meine Hoffnung, dass sich die Wetterfront noch etwas verspäten würde, hatte sich nicht erfüllt, und so musste ich mich heute Morgen mit Todesverachtung selber ans Steuer setzen und von Brigels heim fahren. Was für ein Kontrast zu gestern!

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Vorsichtig fuhr ich die steile Strasse von Brigels runter. Was heisst hier fahren? ich liess es mehr oder weniger rollen, das war mir bei den Verhältnissen noch schnell genug. Der Schneepflug mit dem Salz kam mir entgegen, aber auf meiner Seite war die Strasse ziemlich glatt und nicht geräumt. Mein Fahrkurs, den ich vor wenigen Wochen absolviert hatte, kam mir entgegen. So machte ich mir nicht gleich in die Hose, als die Assistenz-Systeme meines Autos ihren Dienst taten und das Fahrwerk unter meinem Hintern rumpelte und surrte.

Im Schneegestöber erreichte ich in Tavanasa die Talsohle, fuhr auf der schneebedeckten Strasse weiter Richtung Ilanz. Ein Einheimischer war der Ansicht, meine 50 km/h seien zu langsam. Sollte er doch überholen! Es schneite unverdrossen weiter, die Temperaturen bewegten sich knapp unter Null. Die Strasse stieg wieder an, ich fuhr einer Kolonne auf. An deren Spitze ein Holztransporter mit Anhänger. Na wenn der mit diesen Strassenverhältnissen zurecht kommt, werde ich es wohl auch schaffen, ermunterte ich mich selber.

Am Kulminiationspunkt in Flims scherte der Lastwagen aus und liess die Kolonne passieren. Um ein Haar wäre ich nun die Vorderste der Kolonne gewesen…! Die nächsten Höhenmeter liessen sich elegant und sorglos im Tunnel vernichten. Doch noch war nicht alles ausgestanden. Unterhalb von Flims lag noch immer Schnee auf der Strasse, jedoch zusehends weniger. Kurz vor Reichenau ging der Schnee in Regen über, ich konnte mich langsam entspannen.

Auf der Autobahn herrschte mässiger Verkehr, aber es regnete ziemlich stark. Schon wieder nicht meine bevorzugten Strassenverhältnisse! In Landquart leistete ich mir einen Shopping-Stop im Outlet. Nun wäre ich froh gewesen, es wären Schneeflöckli gefallen. Diese wären mir wesentlich sympathischer gewesen als der strömende Regen.

Mit unwesentlich erleichtertem Portemonnaie und ohne weitere Probleme erreichte ich schliesslich den Heimathafen. Was mein Mann über meine Fahrweise gedacht hätte, darüber kann ich nur mutmassen. Sicher aber wäre er genauso froh gewesen wie ich, dass Auto und Frau wieder unversehrt daheim sind.

Unterwegs wegen den Füssen

Ich hatte heute ein Date mit einem netten jungen Mann. Er kümmerte sich geradezu rührend um mich, begutachtete mich ausführlich von allen Seiten, legte Hand an. Leider am falschen Ende, denn er war in erster Linie an meinen Füssen interessiert.

Ich war unterwegs in der Mission “neue Skischuhe”. Bei meinem Saisonauftakt vor ein paar Tagen hatte ich gemerkt, dass mich ein Überbein an der Ferse plagt. Skifahren macht so definitiv keinen Spass! Nun ging es darum, meine Füsse neu zu vermessen, damit eine Mass-Einlagesohle angefertigt werden kann, bevor ein neuer Innenschuh geschäumt wird.

Das Ganze dauerte rund eine Stunde. Dann war es High Noon und ich zu einem ausgedehnten Winterspaziergang aufgelegt. Wer würde denn nicht wollen bei so einem Wetter! Es war zwar kalt (-10°), aber sonnig und windstill.

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Nach einem kurzen Nachfragen bei zwei Spaziergängerinnen entschloss ich mich kurzerhand, den oberen Sihlsee zu umrunden.

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Dieser ist teilweise am Zufrieren. Bis aber das Natureisfeld freigegeben werden kann, braucht es noch einige kalte Tage, und die stehen ja gerade nicht ins Haus.

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Obschon hier bestenfalls 30 cm gesetzter Schnee liegt, konnte der Hang anreissen.

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Um diese Jahreszeit erreicht kein Sonnenstrahl diese Seite des Sihlsees.

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Nun bin ich schon fast an der Brücke. Wohl scheint hier wieder die Sonne…

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… aber…!

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Im Skigebiet Hochybrig muss heute ganz schön etwas los gewesen sein. Ich habe gehört, dass Leute angesichts der prekären Parkplatz-Situation gar nicht erst aus dem Auto gestiegen und unverrichteter Dinge wieder heim gefahren sind. Auch die Ambulanz hatte alle Hände voll zu tun. In der kurzen Zeit, wo ich in Hör- und Sichtweite der Strasse war, konnte ich drei Ambulanz-Fahrzeuge ausmachen.

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Nach Euthal führt der Wanderweg wieder weg von der Strasse durchs Naturschutzgebiet.

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Am Horizont kündigt sich schon der Wetterumschwung an. Den blauen Himmel habe ich für heute gesehen.

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Ich wäre bestimmt nicht extra für diese knapp 1 1/2 Stunden Spaziergang nach Unteriberg gefahren. Aber im Zusammenhang mit dem Füessli-Date war es ganz okay.

Auch da muss ich durch

Mein über alles geliebter Mann

Ich ging heute Skifahren. Ganz alleine. 

Es war ein traumhafter Skitag. Blauer Himmel, Pulverschnee, sonnig, mild, windstill. Und vor allem: kein Mensch auf der Piste. Du wärst begeistert gewesen!

Ein gelungener Einstieg in die neue Skisaison. Aber auch ein trauriger. Denn es war das erste Mal, dass ich ohne dich auf der Piste war. In einem Skigebiet, wo wir in den letzten 23 Wintern so viel rumgekurvt sind. Wo wir jeden Hubbel kannten, mit jedem Pistenpfahl per du waren. Wo wir so viele glückliche Momente hatten. 

Du hättest meine Skis sehen sollen! Weisst du, der Fischer Slalom, den wir vor drei Jahren gekauft haben. Seine Kanten sind rostig geworden, weil du dich nach unseren letzten Skiferien nicht mehr um unsere Skis kümmern konntest. Immerhin, heiss gewachst habe ich den Ski vor wenigen Tagen noch. Und ich darf sagen, dass mir das ganz leidlich gelungen ist, obschon bekanntlich hundert Mal  zuschauen nicht gleich viel wert ist, wie einmal selber machen. Ich habe mich in der Werkstatt einigermassen zurecht gefunden in deinem System der ganzen Skiwachserei. Aber ans Kanten abziehen wage ich mich momentan noch nicht. Drum bleiben sie halt rostig, auch wenn dich das grausam stört, aber im Pulverschnee ist das nicht so wichtig.

Vermutlich werde ich den Ski ohnehin verscherbeln. Das Brett hat ja schon keine Spannung mehr! Ich muss mich nun auf meine eigene Beurteilung verlassen, kann mich nicht mehr hinter deiner immensen Erfahrung verschanzen.

Ich habe mit dem heutigen Skitag einen weiteren wichtigen Schritt in meinem neuen Leben gemacht. Dem Leben ohne dich. Alleine Skifahren ist zwar nicht das, was ich mir immer gewünscht habe, aber alleine unter dem Nebel Trübsal blasen, wäre die schlechtere Option gewesen. So habe ich den heutigen Tag auf eine spezielle Art geniessen können. Ich fühlte mich dir ganz nah, auch wenn ich bei jedem Schwung (und glaub mir, es waren viele und viele perfekte) schmerzhaft daran erinnert wurde, dass ich alles, was mich als Skifahrerin ausmacht, dir zu verdanken habe.

Deine Bea

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Menschenleere Pisten, perfekte Verhältnisse: Skigebiet Brigels am 22. Dezember 2017

Weder hier noch dort

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Du hättest Freude gehabt. Freude am Schnee. Deinem Element.

Du hättest auch Freude an diesem Spaziergang gehabt. Diesem Spaziergang, den wir so oft zusammen unternommen hatten. Mit dem Blick auf den See, wo du so viele Stunden verbracht hast, und in die Berge.

Aber du wärst gar nicht hier gewesen. Wie alle Jahre im Dezember hättest du deinem Hobby gefrönt. Und hättest verpasst, dass es über Nacht auch vor der Haustüre weiss geworden ist.

Jetzt bist du weder hier noch dort. Und ich vermisse dich so schmerzlich.

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