Öfters mal Panne (32)

… oder: Neuschnee

Man kann Australien durchaus mit einem Auto ohne Klimaanlage bereisen. Aber bei Temperaturen, die ab und zu mal jenseits der 40-Grad-Marke liegen, macht es nicht unbedingt Spass. Es ist deshalb etwas vom Wichtigsten an einem Fahrzeug, dass nebst allen vier Rädern auch die Klimaanlage läuft. Im tropischen Norden Australiens dient sie ausserdem dazu, die Luft im Fahrzeuginneren nicht nur zu kühlen, sondern auch zu trocknen.

Das taten wir eines feuchten Morgens denn auch und schauten uns reichlich betupft an, als aus den Luftdüsen unseres Wohnmobils plötzlich ein Sprühnebel kam. Reflexartig griffen unser beider Hände zum AUS-Schalter. Was war denn das? Was drang da in die Fahrerkabine? Mein innig geliebter Mitreisender zog am Hebelchen, entriegelte die Motorenhaube und klappte sie hoch. Drinnen im Motor („hurra, er ist noch da!“) erblickte er nichts Verdächtiges. Selbstverständlich, wie immer in solchen Situationen, äugte auch ich in den Motor rein, konnte aber noch selbstverständlicher noch weniger als der Mitreisende ausmachen. Es qualmte nichts, er zischte nicht, alles schien in Ordnung. Alles, ausser die Stimmung des Mitreisenden. Der pflegt in solchen Sachen dem Übel auf den Grund zu gehen. Und so steuerten wir die erstbeste Auto-Werkstätte an. In einem anderen Teil Australiens hätte das einen oder mehrere Tage Fahrt bedeuten können, in unserem Fall lag die Werkstätte nur wenige Kilometer vom Übernachtungsplatz entfernt.

Wir schilderten dem Werkstattchef unser Problem. Dieser runzelte die Stirn. Aber nur sehr kurz. Denn es war ihm natürlich nicht entgangen sein, dass wir keine Aussies waren. Dann legte er seinen Kopf etwas schräg, stemmte die Hände in die Hüfte und klärte uns breitbeinig und –willig auf. Wegen der feuchten, mitunter sehr feuchten Luft hierzulande könne es beim Starten der Klimaanlage vorkommen, dass die angesaugte Feuchtigkeit gefriere. Was bei unserem Auto aus den Düsen rauskomme sei völlig harmlos und nichts anderes als gefrorener Wasserdampf.

Eigentlich waren wir erleichtert ab dieser einfach nachzuvollziehenden Erklärung. Dennoch wussten wir im ersten Moment nicht so ganz genau, was wir mitten im australischen Sommer mit einer Schneekanone anfangen sollten.

Alles im grünen Bereich

Ich sehe durchaus ein, dass die Skigebiete sich ihre Einnahmequellen erhalten wollen, und deshalb auf Beschneiungs-Anlagen setzen. Immerhin schafft ein Skigebiet eine ganze Menge Arbeitsplätze, generiert im Verlauf der Saison einen Haufen Geld. Und natürlich wollen die Skifahrer – nicht zuletzt auch ich selber – ihrem Hobby frönen können.

Ich sehe es indes nicht, überhaupt nicht! ein, dass man auf Teufel komm raus schon Anfang November die Beschneiungs-Anlagen in Gang setzen muss. Schon gar nicht in einem Skigebiet, das auf der Sonnenseite liegt. Das ist reine Energieverschwendung!

Zum Glück sind die Pistenverantwortlichen in der Schweiz diesbezüglich – jedenfalls soweit ich das beurteilen kann – etwas zurückhaltender.

Rastkogel, Zillertal, fotografiert am 13.11.12

Hält die momentane Witterung an, werden die diversen „Perlenketten“ in unserem Nachbarland vielleicht noch ganz verschwinden, bevor es wieder kalt genug wird, um die Schneekanonen in Betrieb zu setzen. Angesichts der enormen Energieverschwendung ein makaberer Österreicher-Witz!

Des Sommers auf Winters (Ab)Wegen

Wenn man eine Kuh bei einer Schneekanone sieht, macht man sich schon seine Gedanken. Was kann da nicht alles falsch gelaufen sein!

Die arme Milchfabrik wurde etwas gar früh auf die Weide gelassen.

oder

Dem Skigebiet ging mitten im Winter die Kohle aus.

oder

Das eine oder Rindvieh verspürte allzu beizeiten den Frühling und die gesamte Herde tat es ihm gleich.

oder

Der Pistenchef sah keine Veranlassung, am Ende der Skisaison die Schneekanonen abzuräumen.

Was auch immer es war, es wirkt irgendwie sonderbar, wenn man mitten im Sommer Herbst einer Schneekanone begegnet. Und noch sonderbarer ist es, wenn man einen matschigen Wanderweg hochkeucht, über den man im Winter total locker auf den Skiern runterbolzt.

Wäre an dieser Stelle nicht eine Schneekanone gestanden, mein innig geliebter Mitbewohner und ich hätten nie und nimmer erkannt, dass wir uns mitten auf der Talabfahrt von Waltensburg bewegen.

Herbstlich einsam

Das war ein Spätherbst! So etwas hatte der Steinbock noch nie erlebt. Herrlich angenehme Temperaturen, der Blick auf die Hornlosen häufig durch eine dicke Nebelschicht verwehrt, die lästigen Gondeln und Sessellifte ausser Betrieb. Und im Gegensatz zu anderen Jahren verbreiteten nicht mal die Schneekanonen ihre fauchenden, grunzenden Geräusche. Es war einfach zu warm zum schneien.

Der Steinbock frohlockte. Von ihm aus konnte es noch lange so weitergehen. Ihm gefiel die Ruhe, die so viel besser in die abgeschiedene Bergwelt passte als der Rummel, den die Hornlosen verbreiteten, sobald sie erschienen.

Etwas weniger gut erging es seinem Cousin östlich des Rheins. Was hatte der Idiot auch dorthin auswandern müssen, das hatte er nun davon! Die Österreicher, diese skiverrückte Nation, hatten es schon vor Wochen schneien lassen. Und nun – so hatte sein Cousin berichtet – reihten sich die künstlich erzeugten Schneeflecken wie eine Perlenkette auf den Hängen auf und wurden jeden Tag kleiner. Der Steinbock wusste zwar nicht, was das Wort „Energieverschwendung“ zu bedeuten hatte, irgendwie schwante ihm aber, dass das nichts Gutes bedeuten konnte. Ein anderer Cousin, ebenfalls ein Abtrünniger, hatte sogar berichtet, dass die Österreicher mittlerweile selbst Gletscher beschneiten. Und dies auf einer Höhe, wo es selbst ihm schwindlig wurde. Auf über 3’000 Metern liessen sie es bei stahlblauem Himmel schneien.

Er schüttelte unwirsch seine prächtigen Hörner. Was würde den Hornlosen wohl als Nächstes einfallen?

Kein Bock auf Schnee

Er blinzelte in den blauen Himmel hinauf, dann wieder runter ins Tal. Konnte er seinen Augen noch trauen? Da kam so weisses Zeugs vom Himmel. Es schneite! Verwirrt schüttelte er seinen Kopf. Über all die Jahre war die Landschaft immer nur dann unter einem weissen Teppich verschwunden, wenn es bedeckt und trübe war. Und auf einmal so was!

Trotzig scharrte er im Boden. Ein dürres Grasbüschel kullerte den felsigen Hang hinunter und bewegte sich geradewegs dorthin, wo vor kurzem noch Gras gewachsen waren. Saftige Kräuter, die ihm Kraft verliehen hatten, all seine Gegner zu besiegen. Jetzt stand dort eine Maschine, die fauchte und spuckte. Das Gerät wollte so gar nicht in sein Reich passen. „König der Berge“ nannten sie ihn, aber mit diesem Gegner würde er es nicht aufnehmen können. Missmutig wandte sich der Steinbock ab. Nein, auf solchen Schnee hatte er gar keinen Bock.