Nur es Schlückli

Wenn meine Freundin Gabi aus Nürnberg von einem “Schoppen” spricht, meint sie einen Viertelliter Wein. Bei uns in der Schweiz jedoch ist der Schoppen das Fläschchen fürs Baby. Dass es dennoch gewisse Gemeinsamkeiten gibt, wird hier in wenigen Zeilen zu lesen sein.

Vor einer gefühlten Ewigkeit – Klein Bea hatte gerade erst das aufrecht Gehen erlernt – war deren Mutter auf der Suche nach einem Babysitter für einige Stunden. Diesen fand sie denn auch bald in der Gestalt ihrer italienischen Nachbarn. Beruhigt ging sie von dannen und glaubte, ihren Sprössling in guten Händen zu wissen. Bei den Italienern gab es Pasta zum Essen und dem Vernehmen nach unternahm Klein Bea alles, um ihren Gastgebern Freude zu bereiten. Sie ass wacker und flächendeckend die Teigwaren an Tomatensugo. Und wie es sich für so ein authentisches Mahl gehört, erhielt der Hosenscheisser ab und zu ein Schlückchen Chianti. Den Italienern bereitete es sichtlich Spass, ihren kleinen Gast derart zu verwöhnen.

Der Schoppen mag nur mit stark verdünntem Rebensaft gefüllt gewesen sein. Die Dosis war jedoch hoch genug, um Klein Bea ins Torkeln zu bringen. Als ihre Mami sie wieder abholte, sei ihr Sprössling – so die Legende – im Zickzack-Schritt auf sie zugegangen.

Man sagt, Klein Bea habe danach ganz artig und tief vierundzwanzig Stunden am Stück geschlafen.

chianti

Meine Mutter erzählt die Geschichte bis heute immer wieder gerne. Dass ich mich nicht daran erinnere, dürfte verschiedene Gründe haben.