So ein Tier verbirgt sich hier

Ich muss kleinlaut gestehen, dass ich das Rätsel aus dem letzten Blogbeitrag gar nicht lösen kann. Ich weiss beim besten Willen nicht, welches Tier dran glauben musste.

Was ich euch jedoch nicht vorenthalten möchte, ist das ganze Bild, das sich uns bot.

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Ob das nun ein Pinguin-Gefieder war, eine Ziege, eine Langhaar-Kuh oder ein Alpaca-Rücken – das sei eurer Fantasie überlassen. Auf dass sie blühe!

Dörf’s no es Bitzeli meeh si?

“Gehen Sie oft barfuss? Da gibt es jetzt einen neuen Spray.” Sagt’s und schiebt mir eine kleine rosafarbene Spraydose über den Ladentisch. Das sei eine wirklich geniale Sache und dufte angenehm. Es bilde einen veritablen Schutzfilm um den Fuss. Zur Verdeutlichung öffnet die Kassierin eine Dose, sprayt sich ein wenig dieser flüssigen Socken auf den Unterarm und hält mir selbigen hin. Duftet – hm – wie ein Bazooka-Kaugummi. Ich bezweifle, dass die Duftnote am anderen Ende meines Körpers jemals meine Nase erreichen würde.

“Nein danke, ich gehe praktisch nie barfuss. Ich habe starken Fussschweiss und finde barfuss in geschlossenen Schuhen zu stecken ziemlich widerlich.”

Mit dieser Aussage liefere ich der Kassierin ein Verkaufsargument für eine weitere Spraydose, die auf dem Ladentisch prominent ausgestellt ist. “Damit können Sie Schuhe reinigen, oder auch nur die Sohlen. Es neutralisiert üble Gerüche und duftet angenehm frisch.”

Mir wird es langsam zu bunt. Bevor die Dame auch noch einen Imprägnierspray zu meinen neuen Schuhen anpreisen kann, kürze ich das Verfahren ab. Das fehlte gerade noch, dass ich ein paar Badeschlappen für 7.95 kaufe und für über 20 Stutz Zubehör!

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Verwandtschaft unbestimmten Grades

Es ist doch schön, wenn man in dieser schnelllebigen Zeit auf Altbewährtes zurückgreifen kann.

Jedenfalls bin ich schüüüli froh, dass ich ohne grosse Umstände und Anprobieren zu einem neuen Paar Trekking-Schuhe gekommen bin. Gleiches Modell. Gleiche Grösse. Gleiche Freude. Und das nach geschätzt etwa 5 Jahren.

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Zugegeben, der nahe Verwandtschaftsgrad offenbart sich angesichts der Ausgelatschtheit und des damit einhergehenden veränderten Teints erst auf den zweiten Blick.

Zeigt her, eure Schuh!

Es war damals so etwas wie der Eintrittstest in den Kindergarten: Ob man es konnte oder nicht. Heute, im Zeitalter von Spielgruppen und rosa Klettverschlüssen, hat sich das alles etwas geändert.

Mittlerweile weiss ich: Die Fertigkeit, Schuhe zu binden, ist buchstäblich ein Kindergartenspiel im Vergleich zu dem, was einem im Erwachsenenalter in Sachen Schuhbändel erwartet.

Gehen nämlich an einem geliebten Paar Schuhe (und sie tun es nur bei geliebten Schuhen!) die Schuhbändel kaputt, beginnt eine zum vornherein aussichtslose Suche nach passendem Ersatzmaterial. Es sei denn, man trage der Einfachheit halber nur schwarze Schuhe. Schwarzschuhträger können jederzeit und überall aus dem Vollen schöpfen.

Wenn aber das Schuhsortiment etwas farblich assortiert sein darf, wird es schwierig. Ich finde jedenfalls diese 08-15-Schuhbändel, die man mir im Fachgeschäft verkauft hat, ziemlich hässlich, verglichen mit dem ausgefransten Modell auf der rechten Seite.

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Und momentan arbeite ich mit allen verfügbaren Kräften daran, den blütenweissen Schuhbändeln meiner Trekking-Schuhe einen dunkleren Teint zu verpassen.

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Auf-räumen

Es gibt Sachen, die meinem Mann gehört haben, von denen konnte ich mich ziemlich schnell trennen. Mit anderen tue ich mich noch schwer, auch wenn sie mir nichts mehr nützen und höchstens schmerzhafte Erinnerungen auslösen.

Etwas vom Ersten, das im Abfall landete, war seine Zahnbürste. Da kam keinerlei Sentimentalität auf. Für den Rasierschaum hatte ich einen dankbaren Abnehmer, dem – Zufall oder was auch immer – just in dem Moment der Rasierschaum ausging, als ich überlegte, wem ich die diversen Büchsli abtreten könnte. Das Allererste aber, das verschwand, waren all die Medikamente, die mein Mann in den letzten Wochen und Monaten einnehmen musste. Und das waren nicht wenige. Ich konnte sie nicht mehr sehen! Schon am Tag nach seinem Tod ramüsierte ich alle Medis zusammen und in einem Anflug von Pragmatismus durchkämmte ich gleich noch den restlichen Medikamenten-Schrank. Einen ganzen Migros-Sack voller Tabletten, Tropfen und Salben deponierte ich in der Apotheke.

An seinen Kleidern und Schuhen rührte ich mehrere Wochen nicht. Das wäre mir zu nahe gegangen. Aber auch hier drückte die nüchtern denkende Pragmatikerin wieder durch. Und so schrieb ich diverse seiner Ausrüstungs-Gegenstände zum Verkauf aus. Wanderschuhe und Rennrad zu verkaufen hätte ja im November wenig Sinn gemacht!

Mittlerweile haben 90 Prozent der Kleider und Schuhe einen neuen Besitzer gefunden oder sind im Kleidersack gelandet. Noch kann ich mich nicht dazu überwinden, den frei gewordenen Platz im Schrank für mich zu beanspruchen. Das erschiene mir zu invasiv. Und schliesslich habe ich in den vergangenen 19 Jahren auch genügend Platz in meiner Schrankhälfte gehabt.

Es sind sachte Veränderungen, die in meinen vier Wänden vonstatten gehen. Mein Mann ist überall präsent, auch wenn einige seiner Sportpokale, die er vor meiner Zeit gewonnen hat, im Altmetall gelandet sind.

Wenig bis gar nichts ist im Werkraum gegangen. Das war das Reich meines Mannes. Früher oder später werde ich wohl finden, dass ich auch mit weniger als zwanzig verschiedenen Schraubenziehern auskomme. Oder vier Hämmern. Einer reicht vollends, um mir damit auf den Daumen zu hauen. Überhaupt gibt es Werkzeug, da habe ich keinen blassen Dunst, wozu es gut sein könnte.

Und dann sind da noch so gewisse Ecken und Ablagen in der Wohnung, die mein Mann für sich beansprucht hatte. Dort sieht es fast noch aus wie früher. Den Lottozettel, der seither nie mehr eingezahlt wurde, staube ich vierzehntäglich ab und denke jedes Mal: Was mache ich nur mit dir? Die zahlreichen Hüetli – mein Mann ging fast nie ohne Tschäppel aus dem Haus – sind noch immer auf der Garderobe aufgetürmt. Ich nehme sie nicht bewusst wahr. Aber bewusst wegschmeissen mag ich sie auch nicht. Noch nicht. Denn für jedes Ding braucht es den richtigen Zeitpunkt.

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Ausgelatscht

Mittlerweile gelten sie ja als in. Lange Zeit jedoch erntete man ein mitleidiges Lächeln, wenn man mit Birkenstöcken an den Füssen in Erscheinung trag. Sofort war man in der Schublade “handgestrickter Bauerntrampel” versenkt. Mich hat das über all die Jahre nie gestört. Die Gesundheit meiner Füsse und mein persönliches Wohlbefinden ist mir entschieden wichtiger als irgendwelche Modeerscheinungen. In den vergangenen Jahrzehnten habe ich im Schnitt alle 1,5 Jahre ein Paar Birkenstöcke verheizt. Ich trage sie nicht nur als Hausschuhe, sondern im Sommern bei trockenem Wetter beinahe rund um die Uhr. Sie waren auch auf Reisen mein treuster Begleiter. Nebst meinem innig geliebten Mitbewohner selbstverständlich.

So habe ich Sydney in Birkenstöcken besucht, bin in Korsika mit ihnen durch Schluchten geklettert. Manchen Markt mussten sie mit mir besuchen. Von vielen schönen Aussichtspunkten aus ins Lande schauen. Und immer wieder gingen sie mit mir zusammen auf Campingplätzen duschen. Dann nämlich, wenn man vor lauter Staub ihre Farbe nicht mehr erkennen konnte.

Leider gibt es da ein kleines Problem, das sich mit duschen nicht lösen lässt. Seit jeher habe ich relativ starken Fussschweiss. Darunter habe ich als Kind schon gelitten, wenn meine Füsse im Sommer barfuss in Holzzoccoli steckten. Davon sind auch Birkenböcke nicht verschont.

Vor kurzem hat es mir wieder mal den Hut gelupft und ich weichte meine Birkenböcke kurzerhand ein, schrubbte sie mit Bürste und Seife und erhoffte mir Linderung für meine geplagte Nase. Leider scheint sich die Wirkung des Waschgangs ins Negative zu manövrieren. Die im Leder vorhandenen Bakterien wurden offenbar regelrecht aktiviert durch das Procedere.

Als der Mitbewohner von meiner Verzweiflungstat erfuhr, meinte er: „Versuch doch mal, die Schuhe tiefzukühlen. Vielleicht werden dadurch die Bakterien abgetötet.“ Und da guter Rat bekanntlich teuer ist, liess der beste Rat nicht lange auf sich warten. „Aber vielleicht solltest du deine Füsse vorher rausnehmen.“

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Bordooo, 80 Zentimeter

Es war einmal ein Paar Schuhe. Ein Paar solide, nicht ganz billige Halbschuhe. Mit Schuhbändeln. Die Schuhe bereiteten der Trägerin viel Freude. Sie waren bequem, leicht, dank Gore-Tex-Futter wasserdicht und – so schien es zumindest – überhaupt nie tot zu kriegen. Dies galt leider nicht für die Schuhbändel. Die nämlich lösten sich im dümmsten Moment krachend auf. Und da die Trägerin zu der Generation gehört, die den Schuhbändellätsch beherrscht und auch anwendet, musste Ersatz her.

Die Neubeschaffung der Schuhbändel bereitete keine grösseren Probleme und dauerte kaum länger, als das Einfädeln. Es folgten Jahre ungetrübten sich Fortbewegens in den besagten Schuhen. Der Vollständigkeit halber muss aber erwähnt sein, dass die Schuhe vorwiegend der Fortbewegung im Auto dienten. Denn für gröbere Angelegenheiten hatten die Schuhe einen grossen Bruder, den Wanderschuh. Trotzdem begann der Zahn der Zeit auch an den neuen Schuhbändeln zu nagen und um einem Desaster vorzubeugen, beschloss die Besitzerin, rechtzeitig für Ersatz zu sorgen.

Sie ging in ein Schuhgeschäft und erkundigte sich nach einem Paar Schuhbändel. 80 Zentimeter lang, bordeauxfarbig. Gibt’s nicht, war die Antwort im ersten Schuhgeschäft. Gibt’s nicht wurde ihr auch im zweiten, dritten und vierten Geschäft beschieden. Im fünften Geschäft gab es zwar auch keine 80 Zentimeter bordeaux, aber einen gut gemeinten Ratschlag. Dieser lautete: Versuchen Sie’s doch mal im Bastelladen um die Ecke. Dort machte man Augen gross wie Wagenräder ab des seltsamen Wunsches. Kurze Zeit später erhielt die ratlose Schuhbändel-Sucherin von kompetenter Seite einen weiteren Tipp. Sie solle doch Schuhbändel einfärben.

Nun ja, vielleicht wird sie sich tatsächlich einen Malkasten kaufen. Dann könnte sie für alle Ewigkeit die Schuhbändel nach Belieben selber bemalen. Jedenfalls so lange, wie sich im Haushalt ein Pinsel findet – und diese ominösen bord-ooo!!!-farbenen Halbschuhe.