Kindermund

Kürzlich im Zug. Eine Rasselbande steigt ein, mindestens zehn Kinder, wahrscheinlich Zweit- oder Drittklässler, zusammen mit zwei Betreuerinnen. Sie diskutieren heftig die Vor- und Nachteile der Schule.

Da verkündet einer der Knirpse vollmundig: “Ich will einmal intelligent werden.”

Mein Bauch tat weh vor lauter Lachen.

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Zurück in die Schulzeit katapultiert

Nachdem ich mir zuerst ungläubig die Augen gerieben hatte, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, ein Bild zu machen.

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Einen solchen Thek hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Mit so etwas ging doch ich noch zur Schule. Und, hey, das ist immerhin mehr als 40 Jahre her!

Gerade vier Jahrzehnte alt sieht dieses Teil nicht aus, das im übrigen ein Junge und nicht etwa ein Mädchen ziemlich selbstsicher am Rücken trug. Sind solche Schul-Theks etwa wieder in?

Pünktlich versammelt

Es waren die wenigen gefreute Momente im Leben von uns Schülern. Chillig würde man heute vermutlich sagen. Die Rede ist hier nicht von den Tagen oder Stunden, die der Lehrer krankheitshalber ausfiel, sondern von den raren Momenten, wo wir zwar Schule hatten, aber nicht im Klassenzimmer verharren mussten. Gemeint sind hier – damit das gleich klar ist – nicht Turn- und Schwimmlektionen, die aus diversen Gründen nicht im Klassenzimmer stattfinden konnten. Frau Flohnmobil als Kind war nämlich die Unsportlichkeit in Person, hatte an körperlicher Ertüchtigung also keinen grossen Gefallen gefunden. Nein, hier geht es eindeutig um ein Ereignis, das uns Schüler alle gleichermassen faszinierte.

Es waren jene spannenden Momente, wo wir uns ausserhalb des eigenen Klassenzimmers mit den Stühlen alle ganz nahe neben einander hinsetzen mussten, während der Lehrer vorne etwas zurechtrückte, an Kabeln zerrte, Knöpfe drückte. Gebannt starrten wir nach vorne. Mit etwas Glück ging der Fernseher rechtzeitig an, denn das Programm wartete nicht auf uns. Wir mussten zur vorgegebenen Zeit vor der Glotze sitzen, wenn das Schulfernsehen über die Mattscheibe flimmerte. Videorekorder oder gar zeitversetztes Fernsehen war in den Siebzigerjahren noch etwas, was nur im Raumschiff Enterprise stattfand.

Womit die Lehrer bzw. die Pädagogen jenseits des Bildschirms uns abfütterten? Keine Ahnung mehr. Im besten Fall war es ein Stoff, den wir ohnehin gerade durchnahmen. Vielleicht in der Geschichtsstunde, der Geografie oder vielleicht ein französisches Filmchen. Letzteres mit deutlich weniger grossem Seh- und insbesondere Hörvergnügen. Bestimmt mussten wir alle gute Augen haben, denn der Röhrenfernseher (war die Ausstrahlung überhaupt schon in Farbe?) dürfte nicht annähernd die Dimensionen eines heutigen, wandfüllenden Flachbildschirms gehabt haben.

Das alles ereignete sich noch in der guten alten Zeit, als die ganze Familie am Samstagabend gemeinsam vor dem Fernseher sass und Teleboy, Am laufenden Band oder sonst eine Unterhaltungssendung anschaute. Es war die gute alte Zeit, als am Sonntag noch keine Werbung ausgestrahlt wurde. Es allerdings auch nur sehr wenige Fernseh-Kanäle gab. Unsere Auswahl bestand damals in Schwiezer (heute SF1), Düütsch eis (ARD) oder Düütsch zwei (ZDF).

Mittlerweile ist die Auswahl an Kanälen wesentlich grösser. Was nichts über die Qualität der ausgestrahlten Sendungen aussagt. Im Hause Flohnmobil hat man sich einen technischen Ruck gegeben und schaut neuerdings digital fern. Mit allen Schikanen wie zeitversetztem Fernsehen, Aufnahmefunktionen, Live Pause. Mit den 246 Sendern sind wir definitiv überfordert. Und bis ich mich daran gewöhnt habe, dass ich mit Abwaschen nicht pünktlich zum Beginn der Hauptausgabe der Tagesschau fertig sein muss, wird es wohl noch eine Weile dauern.