Unbefleckt

„Aber nei, Marlene, mit däne schöne Chleider tuesch du choche. Leg doch wenigstens e Schooss a!“ Meine Mutter und ich haben uns immer nur angeschaut und die Augen verdreht, wenn meine Grossmutter ihre eigene Tochter mit diesem so oft gehörten Satz zurecht wies. Als Folge davon haben sowohl meine Mutter als auch ich unter den Fittichen der älteren Generation eine regelrechte Schürzen-Allergie entwickelt. So etwas ist brandgefährlich, kann ich euch sagen. Denn man riskiert auf Schritt und Tritt, sich mit Tomatensauce bekleckern, unter einer Mehlwolke zu verschwinden oder von einer Rande attackiert zu werden. Schlimmer noch, es kann sogar sein, dass man sein T-Shirt notfallmässig in die Wäsche geben muss und dabei glattweg das Essen kalt wird in der Zwischenzeit.

Im Zeitalter von Miele & Co. kommt es auf ein zusätzliches Wäschestück mehr oder weniger nicht an. Man gibt ja ohnehin die Kleider viel, viel häufiger in die Wäsche als früher. Und meistens sind die Kleider noch nicht mal dreckig, sondern muffeln lediglich ein wenig.

Meine Grossmutter aber, geboren 1917 und auch 94 Jahre später immer noch im eigenen Haushalt lebend (und seit eh und je keine Köchin aus Leidenschaft), musste noch von Hand Wäsche waschen. Unter solchen Umständen wäre ich vielleicht auch geneigt gewesen, mir jeweils eine Schürze umzubinden, bevor ich mich in der Küche betätige. Ich würde wahrscheinlich die Unterwäsche auch länger als einen Tag lang tragen und hätte – allein schon, weil die Wäscherei so viel Zeit verschlingt – viel weniger Zeit, um Sport zu treiben, was wiederum weniger dreckige Wäsche verursachen würde. Kurzum: Ich würde mich nicht über jemanden lustig machen, der es eigentlich nur gut meint.

In meinem Haushalt hat es nie eine Schürze gegeben (auch nicht für Abwaschmittel Gütterli!!!) und wird es nie eine geben.

Und weil das so ist, endet dieser Blogbeitrag sec.
Ohne Bild.
Ja woher denn auch?