Elchtest

Man muss (wie Frau Flohnmobil…) nicht zwangsläufig für das WM-Spiel heute Abend zwischen der Schweiz und Schweden fanen, um an diesem Werk Gefallen zu finden.

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Einmal mehr eine super Interpretation des Karikaturisten Felix Schaad.

Wahre Liebe

Wir müssen diesen Sommer nicht über 1’000 Kilometer weit fahren, um uns am Anblick eines schnuckeligen Schwedischen Häuschens zu ergötzen. Ein Spaziergang ans andere Ende des Dorfes reicht vollauf, und schon sind wir in einer anderen Welt.

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Unser Freund Herbert hat für seine Frau, die auf alles abfährt, was mit Schweden zu tun hat, keinen Aufwand gescheut, um ihr rechtzeitig zum runden Geburtstag dieses Gartenhäuschen zu erstellen. Mit original falun-roter schwedischer Farbe, notabene!

Kära Ursula
Jättestort grattis på din födelsedag!
Önskar dig en toppenfin dag,
Bea och Max

Dramatische Momente

In meiner Küche bahnt sich eine Katastrophe an. Eine veritable Katastrophe. Und ich sehe absolut keine Möglichkeit, diese abzuwenden.

Meine Klarsichtfolie neigt sich dem Ende zu! Diese tolle Klarsichtfolie, die nie an sich selber kleben blieb. Die nie, gar nie, nicht abreissen wollte. Die mir nie den letzten Nerv ausriss. Die so ist, wie man sich Klarsichtfolie eben vorstellt.

Ich bin untröstlich! Wer jemals mit Klarsichtfolie hantieren musste, wird mir beipflichten, dass eine ungehorsame Klarsichtfolie einem das Leben in der Küche zur Hölle machen kann. Da wird selbst die friedliebendste Köchin zum fluchenden Monster.

Warum also die Panik, werdet ihr denken. Soll sich diese Frau Flohnmobil doch einfach eine neue Rolle Klarsichtfolie kaufen. Immerhin ist sie in der glücklichen Lage und weiss, welches Produkt ihren Vorstellungen entspricht.

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Wenn das so einfach wäre! Die kooperativste Klarsichtfolie, mit der ich mich jemals auseinandersetzen durfte, stammt aus Schweden.

Differenzen

Es duftet anders.

Die Geräuschkulisse? Kein Vergleich!

Man hat wieder Zeit, sich mit jeder Fliege einzeln auseinanderzusetzen.

Gemüse gibt’s nur noch im Supermarkt.

Unser altes Brot müssen wir wieder selber essen.

Die Aussicht auf Aussicht ist eher bescheiden.

Und auch wenn ich den beiden Gockeln mitunter am liebsten den Hals umgedreht hätte,
selbst die wünschte ich mir herbei.

Grosses Kino

Mein Lieblingsplatz ist unter der grossen Eiche. Von hier aus kann ich – gemütlich im Schatten der ausladenden Äste sitzend – durch einen noch nicht ganz perfekten Bogen in der Buchenhecke über den Rasen hinweg und durchs Gestrüpp den See sehen. Es gäbe noch viele schöne Plätze auf dem Areal, und von jedem aus hätte ich einen schöneren Ausblick als daheim. Doch nur von diesem Logenplatz aus komme ich in den Genuss eines einzigartigen Kinospektakels.

Zugegeben, so ein einzelnes Huhn ist noch nicht wirklich spektakulär. Auch nicht von hinten. Aber wer spricht denn hier von einem einzelnen Huhn? Wir haben ja gleich Dutzende!

Da kommt vielleicht mal die Hühner-Mutter mit ihrer frechen Jungschar daher. Vor gut drei Wochen waren die sieben Kleinen noch nie weiter als 30 Zentimeter von der Henne entfernt. Mittlerweile erkunden sie schon ziemlich ungeniert die Landschaft, wenngleich immer noch in Sichtweite der Mutter. Diese scharrt unermüdlich mit ihren starken Füssen den Boden auf, damit Insekten und allerlei Sämchen zum Vorschein kommen, die ihre Kleinen gross und stark machen sollen.

Dann erscheint der hässlichere der beiden Gockel im Bild. Obschon von der Hundeattacke noch immer gezeichnet, ist er sich seines Status bewusst und schreitet würdevoll mit seinem knappem Schwanzfedernbesatz über die frisch verschissene Wiese. Ohne zu jodeln. Doch das sieht das Drehbuch ohnehin nicht vor.

Im nächsten Akt des Schauspiels rast eine Henne quer über die Wiese. Sie verschwindet stillschweigend im Gebüsch. Ob sie selber weiss, weshalb sie es so eilig hatte?

Von unserem Logenplatz aus haben wir gelernt: Wenn ein Huhn Luftsprünge macht, so geschieht das nicht aus Freude über das schöne Wetter, sondern weil es einem Insekt hinterher jagt. Manchmal mit Erfolg.

Für die akustische Untermalung der Szenen sorgt das Gegacker in vielen Tonlagen. Mal laut klagend. Mal kurz und übermütig. Dann wieder sirenenmässig oder wie kurz vor dem Tod durch Ertrinken.

Die Viecher sind auch immer wieder gut für eine pornografische Einlage. Die zwei Güggel wollen schiesslich beschäftigt sein. Leider dauert so ein Begattungsakt nur wenige Sekunden, sodass mein Fotoapparat nicht mal das Objektiv ausgefahren hat, wenn der Hahn schon wieder auf dem Runterweg ist.

Herrlich zu beobachten die Einlage, wo ein Huhn dem Hahn (liebevoll turtelnd?) etwas in den Schnabel steckt. Mehrmals hintereinander. Wo bleibt die Emanzipation im Hühnerhof???

Der Lieblingsplatz aller Hühner befindet sich am Rande der Bildfläche. Unter der Buchenhecke verstecken sie sich gerne und scharren die dürren Zweige und Blätter hervor, die wir – mit genauso viel Beharrlichkeit wie sie, nur im umgekehrten Sinn – immer wieder unter die Hecke kehren.

Hahnenkämpfe hatten wir auch schon. Und wie im richtigen Leben ging es auch hier um…? Frauen!

Etwas gemächlicher geht es bei den älteren Damen zu und her, die in der Mauser sind. Ob so ein Huhn auf der nackten Haut auch einen Sonnenbrand bekommen kann? Nichts desto trotz kann auch eine alte Hühner-Tante eine ganz schöne Geschwindigkeit entwickeln. Und in Sachen Gegacker lässt sie sich von der aufmüpfigen Jugend nichts vormachen.

Die fünfköpfige Jungschar streift fast immer als Quintett durch die Szene. Die vier Monate alten Junghennen sind am resistentesten gegen sämtliche Versuche, sie von den Himbeeren fern zu halten. Doch diesen Nebenschauplatz kann ich von meinem Lieblingsplatz aus nicht überblicken.

Über alles gesehen sind so Hühner ein durchaus entspannender und vielseitiger Anblick. Jedenfalls wenn sie so viel Auslauf haben wie hier. Die Kinovorstellung findet jeden Tag von neuem statt. Aber nicht jeden Tag mit den gleichen Einlagen.

Von wegen „dumme Hühner“ – sie lassen sich jeden Tag etwas Neues einfallen. Und als Gage nehmen sie gerne altes Brot. Genügsam sind sie also auch noch.

Auch das noch…!

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Ich kann mich nicht sattsehen.

Mein Gott, sind die süüüüss!

Drei Bibeli, zwei Tage alt.

Gut beschützt von der Mami-Henne, die den Kleinen fortwährend den Boden aufscharrt, damit sie etwas zu picken finden.

Deshalb gar nicht so einfach zu fotografieren.

Die Qual der Wahl querbeet

Gemüse haben wir hier zuhauf. Dass im Garten mehr wächst, als wir essen können, liegt auf der Hand, soll der Garten doch eine fünfköpfige Familie ernähren. Wir futtern und futtern und futtern so schon viel mehr Gemüse als daheim. Und zum Frühstück kann ich nicht auch noch Salat essen, bin ja keine Kuh.

Wenn sich etwas einfrieren lässt, ist es kein Problem, Platz in der Gefriertruhe hat es genügend – neben den Schnecken. Was aber mache ich mit all den Gewächsen, die nicht gefriertauglich sind? Zucchini können nicht eingefroren werden, zu viel Wasser. Blattsalate auch nicht. Das habe ich zwar noch nie probiert, kann mir das Resultat aber leidlich vorstellen. Ich muss sie aufschiessen lassen (Salate) oder den Schweinen und Kaninchen füttern (Salate und Zucchini). Die Kaninchen finden übrigens so ein zartes Kopfsalätchen – auch wenn es aufgeschossen ist – sehr, sehr lecker.

Gewisse Sachen erledigt die Natur von selber. So haben wir heute einen Blumenkohl entsorgt, der zu faulen begonnen hatte, kaum hatte er sich als Blumenkohl zu erkennen gegeben.

Bleibt aber immer noch mehr als genügend Gemüse, um Abwechslung auf den Teller zu bringen. Bohnen, Kefen (Zuckerschoten), Randen (rote Bete), Tomaten, Gurken, Rüebli (Möhren), Broccoli, Fenchel, Zucchetti. Ich finde es total cool, gegen Abend in den Garten zu gehen und mir die Frage zu stellen: „Was koche ich denn heute eigentlich?“ Für Gartenbesitzer sicher nichts Neues, aber für mich, als Temporärgärtnerin ein Hochgenuss.

Ein gewisses Überangebot haben wir bei den Stachelbeeren angetroffen. Diese Beeren kaufe ich zu Hause nie, ich habe immer gedacht, sie seien sacksauer. Sind sie aber eigentlich gar nicht. Zumindest nicht, wenn sie ausgereift sind und in diesem Zustand könnte ich sie daheim nie kaufen. Ich habe sie auf alle möglichen Arten verwertet. Marmelade, Auflauf, Kuchen mit und ohne Baiser, Dessert. Mein persönlicher Hit ist ein Stachelbeer-Tiramisu. Das Rezept habe ich mir selber ausgedacht und weil ich hier exakt weiss, welches Huhn welches Ei gelegt hat und wie alt es ist, habe ich es auch wieder mal gewagt, rohe Eier zu verwenden.

Trotzdem habe ich zu diesem garstigen Gestrüpp ein ambivalentes Verhältnis. Und dieses gründet in meiner eigenen Sprache. Heissen diese Beeren auf Deutsch völlig zu Recht „Stachelbeeren“, nennen wir sie „Chruselbeeri“. Mit chrüsele, also kitzeln, hat das nun wirklich nichts zu tun. Eidgenoss, wo hast du bloss dieses Wort her?