Beinahe erfroren

Es war saukalt die letzten drei Tage beim Skifahren in Brigels. Aber 13 Grad minus sind ja auch kein Pappenstil, selbst wenn man andernorts für diese “Kälte” nur ein müdes Lächeln übrig hat.

Am schlimmsten erschien es mir gestern, da hätte ich beinahe kapituliert. Trotz Skischuh-Heizung und vielen, vielen Schichten an einschlägigen Textilien war ich nach jeder Fahrt auf dem ungeschützten Sessellift total durchgefroren und die folgende Abfahrt vermochte mich in keinster Weise zu erwärmen. Ein etwas weniger rasanter Fahrstil hätte womöglich Abhilfe geschafft. Aber ich hatte meinen Skipass ja nicht gelöst, um auf der Piste rumzueiern. 

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Mittlerweile bin ich wieder daheim. Und ich kann euch sagen, die minus zwei Grad, die wir vor der Haustüre haben, fühlen sich geradezu frühlingshaft mild an.

Uuu ghoga ghalt

Das waren die Worte des Mannes hinter der Glasscheibe, als ich meinen Skipass löste.

Tatsächlich, es war schweinekalt heute Morgen. Minus 10 Grad morgens um Neun. Immerhin windstill und vor allem:

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Und genauso stahlblau blieb es auch den ganzen Tag.

Wohl sind die Skipisten in Brigels sehr breit, aber auf den Liftanlagen ist man den Elementen ausgesetzt. Wenn ihr da keinen Zusammenhang erkennen könnt, habe ich vollstes Verständnis. Für mich bedeutet es einfach: Auf dem Sessellift schlottern und dann auf den breiten Pisten runterdonnern. Keine Chance, warm zu werden. Da half nur ein halbstündiger Aufenthalt im neu umgebauten Restaurant Burleun.

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Schön war es aber trotzdem, denn ich weiss durchaus um mein Privileg, bei solchen Verhältnissen unter der Woche Skifahren zu dürfen.

Am wärmsten (ums Herz) wurde mir beim Betrachten des überwältigenden Panoramas. Dies nicht nur in Anbetracht der majestätischen Berge, sondern weil die Sonne auch auf 2’400 m tatsächlich zu wärmen vermochte – so man denn gewillt war, bockstill zu verharren und mit klammen Fingern und sich schnell leerendem Handy-Akku die Peak-Finder-App zu aktivieren.

Ansonsten war es eben wirklich einfach nur uuu ghoga ghalt.

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So ganz nebenbei mal auf der Skipiste

Man trifft ja immer wieder Hunde auf der Skipiste an. Sauhunde. Wilde Hunde. Aber einen richtigen Vierbeiner (sieht man mal von ausgebildeten Lawinenhunden ab), habe ich noch nie gesehen. Bis gestern.

Da stand ich am Sessellift, neben mir ein Mann. Und ein Hund. Eigentlich nichts Aussergewöhnliches, wenn man mal davon absieht, dass der Mann Skis anhatte. Ob er das könne, fragte ich den Skifahrer. Klar, dass damit der Hund gemeint war. Und ebenso klar bezog sich meine Frage darauf, ob der Hund Sessellift fahren könne. “Das hat sie schon viel gemacht”, war die Antwort. Eine Hündin also. Hm. Der Sessellift kam, der Hund sprang auf, wir setzten uns, zogen den Bügel runter und aufwärts ging es.

Im Gespräch auf dem Lift fand ich heraus, dass der Mann öfters mit seinem Hund auf die Skipiste geht, aber immer nur, wenn es nicht viele Leute hat. Insofern hatten wir da etwas gemeinsam. Er habe den Hund – demonstrierte es fuchtelnd mit beiden Händen – an einer elastischen Leine. Das funktioniere hervorragend, es mache dem Vierbeiner Spass. Wie lange er es aushalte? So gute zweieinhalb Stunden schon. Wenn der Untergrund hart gefroren sei, dann habe er Hundeschüeli. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einzig, wenn es zu viele Leute auf der Piste habe, sei es nicht so gäbig, denn wecke sich im Hund der Jagdtrieb.

Einen Hund am Hosenbein, dachte ich mit Sorge um meine teuren Skihosen, das wäre wahrscheinlich so ziemlich das Letzte, was ich auf einer Skipiste erwarten würde.

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Nein, dieser berühmte Blog-Hund war es nicht (der Ski-Hund war eine andere Rasse, etwas grösser).
Und sein Besitzer verabscheut Schnee aus tiefstem, allertiefstem Herzen.

Pampers aus der Spraydose

Schnee hat die Angewohnheit, sich bei entsprechenden Temperaturen anzusammeln. Das kann im Zusammenhang mit Skipisten ganz nützlich und ebenso gewollt sein. Auf Strassen und Gehwegen ist die weisse Pracht weniger gefragt.

Ebenso unwillkommen ist das feuchte Weiss auf den Sitzflächen von Sesselliften. Zwar bemühen sich die Mannen an den Liften mehr oder weniger ernsthaft (wer ein Beispiel der Variante „weniger“ lesen will, klicke HIER), die Sessel vom Schnee zu befreien, können aber nicht verhindern, dass es trotzdem feucht bleibt bzw. ständig von neuem feucht wird, denn den Schnee auf den Bügeln über den Sesseln und auf den Masten räumt natürlich keiner weg. Wenn man Pech hat sitzt man genau am richtigen Ort und kommt während der Bergfahrt in den Genuss einer Dusche. Nichts Schöneres, als wenn es einem den Hals runter tropft, ehrlich!

Abhilfe könnte ein Schirm schaffen, doch wäre dieser beim Skifahren ein ganz klein wenig hinderlich. Vor allem, wenn man ihn nicht zuklappen würde. Ausserdem wirkt so ein Schirm etwas – na ja – übervorsichtig und deplatziert. Um ganz ehrlich zu sein, ist mir auf der Skipiste noch nie jemand mit einem Schirm begegnet. Was wirklich hilft, ist vorausschauendes Absitzen auf dem Sessellift und sich den trockensten Sitzplatz ergattern. Dennoch lässt sich ein feuchtes Hinterteil bei oder nach Neuschneefällen nicht verhindern. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich haben uns schon überlegt, dass XXL-Pampers ganz praktisch wären. Man müsste sie nur verkehrt rum tragen, also mit der Feuchtigkeit aufnehmenden Seite nach aussen und schon bliebe man den ganzen Tag angenehm trocken und wäre bei einem allfälligen Aufsetzer auf der Piste angenehm gepolstert. Dagegen spricht, dass wir dann grundsätzlich unsere Skihosen eine bis zwei Nummern grösser kaufen müssten. Deshalb haben wir uns für die Variante light entschieden:

Pampers aus der Spraydose.

Kennt ihr nicht? Also wir finden so einen Imprägnierungs-Spray ganz praktisch. Und er trägt auch überhaupt nicht auf.

Die Kirche von Morgins mit dem Glockenturm, der trotz Schnee schön bimmelt.

Oberengadiner Geschäftstüchtigkeit

Es ist zwar angesichts der herrschenden Gefrierschrank-Temperaturen pure Energie-Verschwendung, aber ich muss mal etwas Dampf ablassen. Wir sind nun schon eine ganze Woche im Engadin, genauer gesagt in Silvaplana, in den Ferien. Mit dem gewählten Standort sind wir zwar nicht bei den Oberbonzen, aber die Champagnerluft weht trotzdem bis hierher. Oder besser gesagt die Abluft, bzw. die Auswüchse.

Wo andere Skiorte um diese Jahreszeit Vorsaison-Tarife anbieten, rupft man bei den Oberengadiner Bergbahnen die Skifahrer nach allen Regeln der Kunst. 72 Franken sind bestimmt kein bescheidener Preis für eine Tageskarte. Wenn man bedenkt, dass erst 50 % der Anlagen und kaum ein Drittel aller Pisten in Betrieb sind, wäre hier ein gewisser Preisnachlass durchaus angebracht.

Heute Nachmittag waren wir auf der Corvatsch-Seite am Skifahren. Bei der Plattform zum Einstieg der linkel Gondel war es derart vereist, dass eine Frau geradewegs in die Gondel rein gestürzt ist. Erst nachdem innert Minutenfrist eine zweite Person am gleichen Ort hingefallen ist, hielt man es für nötig, Auftausalz zu organisieren.

Im Skigebiet Corvatsch-Furtschellas lief gerade mal die untere Sektion Luftseilbahn und ein einziger Skilift. Für so etwas werden dem Skifahrer 59 Franken abgeknöpft (Halbtages-Karte), also gleich viel, wie wenn sämtliche 15 Anlagen des Gebiets in Betrieb wären! Zugeben, für die Witterungsverhältnisse können die Bahnbetreiber nichts und bei 100 km/h Wind möchte ich gewiss nicht auf den 3’303 m hohen Gipfel schweben. Aber das Gebotene und der Tarif klaffen weit auseinander. Den Bündnern wird bekanntlich eine gewisse Sturheit zugesprochen, doch in dieser Preispolitik schlägt sich nicht Sturheit, sondern totale Unflexibilität nieder.

Wenn ich es recht bedenke, sind sie zwar so unflexibel auch wieder nicht. Gestern nach 15.00 scheuchten sie nämlich am Munt San Murezzan, dem einzigen noch laufenden Sessellift links der Corviglia-Bahn, die Skifahrer buchstäblich vom Berg runter und machten früher dicht.

Es ist eine leidige Tatsache, dass die Bergbahn-Betreiber immer Gründe finden, um ihre Preise anzuheben. Sei es wegen einem neuen Sessellift oder der Erweiterung der Beschneiungs-Anlage. Die nächsten Preisaufschläge sind durch die Liberalisierung des Strommarktes vorprogrammiert.

Und wenn ich schon am wettern bin, kann ich gleich noch etwas Unprofessionelles anfügen. Am vergangenen Sonntag sind wir auf der Piste auf einen Skiunfall gestossen. Nachdem die Begleiter des Verunglückten vergebens versucht hatten, per Handy den Rettungsdienst zu alarmieren, fuhren wir an die Talstation von Salastrains und wollten über den Unfall informieren. Dass man dort nur italienisch sprach, zog die Sache unnötig in die Länge. Wir fuhren anschliessend wieder hoch und sahen vom Sessellift aus, dass noch kein Rettungsschlitten vor Ort war. Eine geschlagene halbe Stunde musste der Verunglückte auf Rettung warten. Angesichts der tiefen Temperaturen wäre dies auch für einen Unverletzten eine Tortur gewesen.

Auf den Engadiner Skipisten möchte ICH nicht verunfallen. Das gilt allerdings auch für andere Skigebiete.