Auf dem alpinen Rummelplatz

“Der Kronplatz ist unser High-Tech-Berg.” Aus der Stimme unseres Skiguides, der vorne im Bus sass, konnte ich nicht erkennen, ob mehr Bewunderung oder Abscheu mitschwang.

Es folgten weitere Infos. “Der Kronplatz ist von vier Seiten her erschlossen. 32 Lifte führen hinauf, über 100 Pistenkilometer erwarten den Skifahrer. Die Lifte haben eine Beförderungskapazität von 71’000 Personen pro Stunde. An Spitzentagen tummeln sich hier über 25’000 Wintersportler.”

Das fuhr ein. 25’000 Wintersportler! Und ich Eine davon? Nie und nimmer! Nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass sich selbst eine derartige Menschenmenge über ein so grosses Skigebiet gut verteilt. Dennoch bin ich ganz froh, dass es wesentlich weniger Skifahrer gewesen sein dürften, die heute den angeblich beliebtesten Skiberg Südtirols heim suchten.

Der Superlative aber noch nicht genug. Einhundert Prozent der Pisten sind technisch beschneibar. Und wenn die Verhältnisse stimmen, braucht es lediglich 6 Tage, bis der High-Tech-Berg für den Wintersport bereit ist.

Was für ein alpiner Rummelplatz! Für mich übrigens ganz klar nicht der Favorit im Gebiet.

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Aber im Gegensatz zum vorigen Jahr, als die Sicht den grösseren Teil des Tages nahe bei Null war, haben wir diesmal ganz ordentlich etwas vom überwältigenden Panorama mitbekommen.

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Kann man so feige sein?

Der Tag begann, wie ein Skitag beginnen sollte. Blauer Himmel, kalt aber nicht arschkalt, Pulverschnee, windstill. Also etwa so:

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Leider verwandelte sich unser aller Euphorie innert Sekunden in ein beklemmendes Gefühl. Das Gefühl, dass es jeden von uns hätte erwischen können. Aber es erwischte nur Therese.

Sie wurde während dem Fahren seitlich gerammt, stiess einen Schrei aus, blieb liegen. Er, sie oder was immer es war, der/die sie umgenietet hatte, fuhr unbekümmert weiter!

Unsere Kollegin dagegen, sie musste zuerst mit dem Rettungsschlitten, danach mit dem Heli abtransportiert werden. Mittlerweile wissen wir: schwere Verletzungen an beiden Beinen. Therese wird in den nächsten 24 Stunden in ein Spital in die Schweiz verlegt werden. Wann sie wieder ein halbwegs normales Leben führen wird, steht in den Sternen.


Auch wenn du das nie lesen wirst:

Liebe Theres
Die ganze Gruppe ist zutiefst betrübt über das, was vorgefallen ist. Wir wünschen dir von Herzen eine möglichst schnelle, vollständige Genesung und hoffen, dass du nächstes Jahr trotz allem wieder mit dabei sein wirst.


Ich selber habe zwar nicht gesehen, wie es passiert ist, weil ich vorausgefahren bin. Aber ich habe eine Stinkwut auf diesen Typen, der eine Frau, die korrekt und nicht unbeherrscht gefahren ist, umgenietet und sich danach einfach aus dem Staub gemacht hat.

Beinahe erfroren

Es war saukalt die letzten drei Tage beim Skifahren in Brigels. Aber 13 Grad minus sind ja auch kein Pappenstil, selbst wenn man andernorts für diese “Kälte” nur ein müdes Lächeln übrig hat.

Am schlimmsten erschien es mir gestern, da hätte ich beinahe kapituliert. Trotz Skischuh-Heizung und vielen, vielen Schichten an einschlägigen Textilien war ich nach jeder Fahrt auf dem ungeschützten Sessellift total durchgefroren und die folgende Abfahrt vermochte mich in keinster Weise zu erwärmen. Ein etwas weniger rasanter Fahrstil hätte womöglich Abhilfe geschafft. Aber ich hatte meinen Skipass ja nicht gelöst, um auf der Piste rumzueiern. 

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Mittlerweile bin ich wieder daheim. Und ich kann euch sagen, die minus zwei Grad, die wir vor der Haustüre haben, fühlen sich geradezu frühlingshaft mild an.

Uuu ghoga ghalt

Das waren die Worte des Mannes hinter der Glasscheibe, als ich meinen Skipass löste.

Tatsächlich, es war schweinekalt heute Morgen. Minus 10 Grad morgens um Neun. Immerhin windstill und vor allem:

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Und genauso stahlblau blieb es auch den ganzen Tag.

Wohl sind die Skipisten in Brigels sehr breit, aber auf den Liftanlagen ist man den Elementen ausgesetzt. Wenn ihr da keinen Zusammenhang erkennen könnt, habe ich vollstes Verständnis. Für mich bedeutet es einfach: Auf dem Sessellift schlottern und dann auf den breiten Pisten runterdonnern. Keine Chance, warm zu werden. Da half nur ein halbstündiger Aufenthalt im neu umgebauten Restaurant Burleun.

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Schön war es aber trotzdem, denn ich weiss durchaus um mein Privileg, bei solchen Verhältnissen unter der Woche Skifahren zu dürfen.

Am wärmsten (ums Herz) wurde mir beim Betrachten des überwältigenden Panoramas. Dies nicht nur in Anbetracht der majestätischen Berge, sondern weil die Sonne auch auf 2’400 m tatsächlich zu wärmen vermochte – so man denn gewillt war, bockstill zu verharren und mit klammen Fingern und sich schnell leerendem Handy-Akku die Peak-Finder-App zu aktivieren.

Ansonsten war es eben wirklich einfach nur uuu ghoga ghalt.

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Früh aufstehen

… hat sich gelohnt.

Es war ein perfekter Wintertag, an dem vieles möglich gewesen wäre – ausser abseits gesicherter Pisten unterwegs zu sein. Die Lawinengefahr nach den massiven Schneefällen der vergangenen Tage war immer noch auf Stufe “erheblich”.

Ich habe mich fürs Skifahren am Pizol entschieden.

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Die letzte Chance gepackt

… um im alten Jahr nochmals einige geruhsame Schwünge zu ziehen.

Erfahrungsgemäss hat es am Weihnachtstag nicht viele Leute auf der Skipiste. Das war heute – trotz des Prachtwetters – nicht anders.

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In den kommenden Tagen, und sei der Himmel noch so wolkenlos, werden mich keine zehn Pferde mehr auf eine Skipiste bringen. Da hat es mir zu viel Volk.