Buntes für die Rübe

“Musst du das jetzt jeden Tag zuerst lesen?” Die Stirn meines innig geliebten Mitbewohners hatte sich sorgenvoll in Falten gelegt angesichts des beinahe einen halben Quadratmeter grossen Papierfetzens, den ich im Begriff war zu entfalten. In den Händen hielt ich ein “Benutzerhandbuch für Skihelm”. Handbuch war zwar etwas hoch gegriffen, vielmehr war es ein doppelseitig bedruckter, dünner Wisch. In 19 Sprachen – darunter verdankenswerterweise auch Deutsch – wurde erklärt, was unter einem Skihelm zu verstehen ist, wie man in anzieht, was man damit tun soll und was besser nicht.

Ich verzichtete nicht nur auf der Stelle sondern auch für alle Zukunft auf das Studium des Benutzerhandbuches, immerhin war es bereits mein dritter Skihelm und ich traute mir durchaus zu, dieses birnenschützende Instrumentarium ohne weitere Instruktionen sach- und fachgemäss aufzusetzen.

Der Neuanschaffung war ein zweitägiges Auswahlprozedere, unterbrochen von einer 23-stündigen Pause, vorangegangen. Ich hatte sämtliche in Frage kommende Helme in sämtlichen Sportgeschäften des Ortes anprobiert. Der Mitbewohner hatte ausgiebig Gelegenheit, das übrige Sortiment der Geschäfte zu studieren, bis ich mich ENDLICH zu einem Entschluss durchringen konnte.

Mein neuer Helm ist rundlich, bequem, sicher, warm und schön. Welchen habe ich gewählt?

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Ganz in Weiss

Es stand in der Zeitung zu lesen: In der Schweiz tragen 90 % der Schneesportler einen Helm. Ich weiss zwar nicht, wie die Statistiker zu dieser Zahl gekommen sind, denn die Skisaison 2014/15 ist ja noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Dennoch, die eigene Wahrnehmung scheint diese Zahl zu bestätigen.

Im schweizerisch/österreichischen Skigebiet von Samnaun/Ischgl verhält es sich etwas anders. Hier gurken nebst strammen Eidgenossen Deutsche, Österreicher, Polen, Russen, Kroaten, Holländer, Tschechen und viele Weiss-der-Kuckuck-wo-sie-überall-noch-herstammen auf den Pisten herum. Das korrigiert die Helmträger-Statistik nach unten.

Für mich eigentlich unverständlich, gibt es doch nichts Angenehmeres beim Skifahren, als so einen kuschelig-warmen Helm, der die Birne und vor allem die Öhrchen warm hält.

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Wie gefällt euch mein neustes Stück? Ich habe meinen alten Helm nach neun Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geschickt.

Mein genialstes Stück

Er ist für vieles zu gebrauchen. Für sehr vieles sogar.

Er brilliert als Notsitz oder Blumentopf. Er behauptet sich als Suppenschüssel und wenn es sein muss auch als Nachttopf. Er schützt vor Sonneneinstrahlung, harten Schlägen und dummen Sprüchen.

Und die neuste Anwendung habe ich heute erfahren. Wenn man ihn lange genug an der Sonne vorwärmt, entwickelt ein Skihelm sogar Eigenschaften eines Dampfkochtopfs.