Wenn du denkst, du bist schlauer als alle anderen

Ich dachte, ich mache das clever. Cleverer als die anderen, die sich vor dem Kassenhäuschen anstellten, um den Skipass zu kaufen. Ich kaufte ihn online. Der Wetterbericht war derart überzeugend gewesen, dass ich bereits am Vorabend meinen Skipass erstanden hatte. So würde mir der Gang an die Kasse erspart bleiben.

Am Morgen stieg ich aus dem Skibus und ging siegesgewiss die wenigen Schritte bis zur Bergbahn. Ich stieg in die Bindung, stiess mich mit den Stöcken ab und stand vor dem Drehkreuz. Beim ersten Mal am Morgen dauert es jeweils etwa fünf Sekunden, bis der Skipass auf dem Datenträger aktiviert ist. Am Vortag hatte es gut geklappt. Doch das war leider Schnee von gestern. Die Anzeige blieb beharrlich auf rot, das Drehkreuz machte keinen Wank. Ich probierte das zweite Drehkreuz aus – man weiss ja nie.

Nun hatte ich die Gewissheit, dass da etwas nicht geklappt hatte. Ich machte eine 180-Grad-Wende und stellte mich wohl oder übel in die Schlange der Wartenden. Mein ganzer Vorteil war dahin. Ich würde nicht vor allen anderen auf dem Sessellift sein, sondern im Gegenteil so ziemlich als Letzte hochfahren. Als ich endlich an der Reihe war, erklärte ich der netten Dame hinter dem Schalter mein Problem und hielt ihr das Bestätigungs-Mail auf dem Handy entgegen. Sie schaute kurz drauf, gab zwischendurch noch ihrer Kollegin, die den zweiten Schalter bediente, Auskunft, checkte meinen Datenträger, murmelte etwas von “Fehler bei Skidata”, gab nochmals quer durchs Kabäuschen hinweg Auskunft. Frauen können das – Multitasking!

Dann gab sie mir eine Mail-Adresse, an die ich mein Bestätigungs-Mail vom Ticket-Corner weiterleiten musste, es machte BLING bei ihr am PC und sie nickte zufrieden. Sie schob mir einen Wisch zum unterschreiben unter der Glasscheibe durch, stellte mir einen neuen Skipass aus und meinem Skitag stand endlich nichts mehr im Wege. Ausser vielleicht die Horde, die aus dem nächsten Skibus, der soeben angekommen war, entstieg.

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Da das Problem – ausnahmsweise! – mal nicht bei den Brigelser Bergbahnen lag, wagte ich am folgenden Tag nochmals, ein Ticket online zu kaufen. Die Rechnung ging auf und während andere noch am Frühstück sassen, war ich bereits auf der Skipiste. Der dritte perfekte Skitag in Serie war für mich der letzte dieses Jahres. Nun überlasse ich das Feld all denen, die nur an den Wochenenden, Ferien und Feiertagen Skifahren können. Das makellose Winterwetter ist aller Voraussicht nach für die restlichen Tage dieses Jahres ohnehin Geschichte.

Preispolitik

Ich habe mich vor ein paar Tagen über den horrenden Preis der Wallis Ski Card  beklagt. Doch es gibt aus dem Kanton der Raclette- und Käseschnittenfresser auch gute Nachrichten. Es gibt nämlich Skigebiete, die ihre Preise gesenkt haben.

Im Skigebiet Portes du Soleil hat der 10-Tages Skipass vor zwei Jahren noch 498 Franken gekostet. Dieses Jahr ganze 60 Franken weniger. Ich mache mir keine Illusionen, die Walliser mussten mit den Franzosen mithalten, mit denen sie eines der grössten Skigebiete der Alpen teilen. Eurokurs und so. Dennoch sind die Preise hier insgesamt moderat. Für einen Kaffee haben wir 3.10 Franken bezahlt – und wir mussten ihn noch nicht mal selber holen. Als Vergleich: im Bündnerischen Brigels bezahlen wir in der Selbstbedienung satte 4 Franken für eine Tasse des braunen Gesöffs.

Auch bei der Preisgestaltung ihrer Tagesskipässe haben sich die Walliser einiges einfallen lassen. Man muss nicht zwingend einen Skipass für das ganze Skigebiet kaufen. Und die stundenmässige Abstufung der Preise ist mehr als eine Alibiübung. Wenn man per Internet bucht, stehen einem an gewissen Tagen sämtliche 196 Anlagen und 650 Pistenkilometer statt für 57 zum Tarif von 43 Franken zur Verfügung.

Nun will ich euch aber nicht mehr länger mit Preisen von Skipässen langweilen. Hervorheben möchte ich lediglich noch den Skipass „Super Senior“. Skifahrer ab 75 bezahlen pro Tag 15 Franken. Mehrtagesskipässe gibt es nicht. Ob das etwas mit der Lebenserwartung zu tun hat?