Die Qual der Wahl

Der Frühling – oder das was sich der moderne Mensch gemeinhin darunter vorstellt – bietet mannigfaltige Möglichkeiten, sich im Freien zu betätigen, ohne Frostbeulen einzufangen. Man kann wandern, zwar eher nur im Flachland, aber das hat unbedingt auch seinen Reiz. Man kann sich aufs Rad schwingen. Man kann im Garten buddeln. Für alles braucht es schönes Wetter und alles macht unheimlich Spass.

Im Hause Flohnmobil sieht man sich jedes Jahr im Frühling mit Interessenskonflikten konfrontiert, kommt doch zu den oben erwähnten, durchaus reizvollen Tätigkeiten, noch mehr dazu, das nach schönem Wetter ruft und Spass bereitet. Im Falle von Herrn Flohnmobil ist es das Angeln. Im Falles des Ehepaars Flohnmobil ist es etwas, dem nicht alle Leser und schon gar nicht zu dieser Jahreszeit, etwas abgewinnen können.

Aber nun mal ehrlich, wenn ihr dieses Bild seht, geht euch da nicht auch das Herz auf? Kaffee und Kuchen auf einem sonnigen Balkon mit Blick auf die Skipiste, die man noch vor wenigen Minuten befahren hat. Für uns das Nonplusultra!

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Damit angesichts der leeren Skipiste niemand denkt, das Skigebiet werde extra für uns offen gehalten, noch Folgendes: In der Samnaun fand über dieses Wochenende der Silvretta Schüler-Cup statt. Über 800 Kids mitsamt Gefolge haben sich an drei Renntagen in verschiedenen Disziplinen gemessen. Gut die Hälfte kam aus der Schweiz, doch es hatte auch Teilnehmer aus halb Europa, u.a. Österreich, Deutschland, Tschechien, Littauen, Holland (!!!), Norwegen, Italien und Liechtenstein dabei.  Der jüngste Teilnehmer hatte übrigens Jahrgang 2012. Dass es an Material nicht fehlte, konnten wir uns bei der Überfahrt des Zielgeländes vom Sessellift aus vergewissern. Die Teilnehmer konnten Skis  aller gängigen Marken testen. Als Vorfahrer amtierten u.a. die Weltcup-Siegerinnen Tina Maze und Fränzi Aufdenblatten.

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Mein innig geliebter Mitbewohner und ich hielten uns von dem ganzen Rummel so fern wie möglich. Denn sind die Kids erst mal im Rennmodus, machen sie keinen grossen Unterschied zwischen der abgesperrten Rennstrecke und den übrigen Pisten. Und von einem übermotivierten Dreikäsehoch über den Haufen fahren lassen wollten wir uns am Ende der Saison ganz bestimmt nicht.

Der Steinbock und die Weltcup-Rennen

Das Spektakel war vorüber. Die Helikopterflüge hatten deutlich abgenommen, die Menschenmassen waren wieder verduftet. Zaghaft lugte er um den Felsvorsprung herum. Was er sah, stimmte ihn nachdenklich. Noch immer hatte es viele Zweibeiner in seinem Revier, aber kein Teil mehr so arg wie noch bis vor kurzem. Der Steinbock wunderte sich einmal mehr, weshalb man für ein paar bunt gekleidete Wahnwitzige einen derartigen Aufwand betreiben musste. Und noch weniger, weshalb ihnen grölende Horden dabei zujubelten

Aus diesen Zweibeinern wurde er nicht klug. Vor kurzem noch hatten sie gejammert, sie hätten zu wenig Salz für die Strassen. Aber hier am Lauberhorn verteilten sie das angeblich so rare Zeugs gleich eimerweise. Je nach Situation kam grobkörniges oder feines Salz zur Anwendung. Dem Steinbock war das völlig schnuppe. Obschon – Salz war eine Delikatesse, an die er nur in Ausnahmefällen herankam. Vielleicht würde ja irgendwo auf einem Häufchen etwas für ihn übrig bleiben.

Sie waren komische Vögel, diese Zweibeiner. Noch komischer waren die, die sich in der Rolle der Organisatoren dieser Skirennen sahen. Denen konnte es wirklich niemand recht machen. Hatte es viel Schnee, jammerten sie. Schneite es, jammerten sie erst recht. Hatte es Nebel und er, der Steinbock, konnte sich inkognito etwas umsehen, jammerten sie am lautesten. Dieses Jahr jammerten sie, weil es zu wenig Schnee hatte und zu warm war. Was nun also? Sie hatten ja ihre fauchenden Schneekanonen, die selbst die grünste Landschaft in eine Skipiste verschandeln konnten. Dieses Jahr war es wieder besonders krass. Der Steinbock konnte bereits die ersten Krokusse riechen rechts und links von diesem salzgeschwängerten Schneeband.

Noch waren die Zweibeiner damit beschäftigt, Kilometer von Sicherheitsnetzen und Abschrankungen zu entfernen. Ein paar weitere Tage voller Emsigkeit und Helikopterlärm und dann würde der Steinbock endlich wieder seine Ruhe haben. So viel Ruhe halt, wie man als Steinbock hatte, wenn man in einem weltberühmten Skigebiet zu Hause war.