Kein Saus ohne Braus

Etwas blauäugig war es schon, ausgerechnet an einem Silvester-Abend in den Bus einzusteigen und aufs Geratewohl loszufahren. Geplant hatten wir vieles. Eine mehrtägige Skitour mit der entsprechend umfangreichen Ausrüstung. Aber keine Übernachtung am Ausgangsort. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Als wir in Adelboden den Bus verliessen, war es bereits dunkel. Die Tourenskischuhe an den Füssen, einen schweren Rucksack am Rücken und die Skis geschultert machten wir uns auf, im Touristendorf ein Hotelzimmer zu finden. Wo immer wir auch anklopften, alles war besetzt bzw. man wollte uns nicht für eine einzelne Nacht beherbergen. Ich weiss nicht mehr, wie viele Hotels wir abklapperten. Aber wie das in solchen Situationen so ist, schraubten wir unsere Ansprühe laufend runter. Am Schluss hätten wir wohl sogar auf einer Kirchenbank übernachtet. Doch soweit sollte es nicht kommen, denn mein damaliger Freund und ich beschlossen, dass wohl aus der geplanten Skitour nichts werden würde.

Missmutig, enttäuscht und voller Zweifel setzten wir uns in den letzten Autobus und fuhren von Adelboden zurück nach Frutigen und mit dem Zug nach Spiez. Dort hatten wir unser Auto stehen. Das grosse Loch in unseren Mägen ignorierten wir geflissentlich und machten uns zuerst daran, noch eine Bleibe zu finden.

Es wirkte reichlich schäbig, das Hotel, das wir schliesslich gleich neben dem Bahnhof fanden. Aber wie war das mit dem Teufel, der Not und den Fliegen? Auf ein opulentes Silvestermenü mussten wir ebenso verzichten wie auf ein anständiges Bett. Die Küche war nämlich nach 22.00 Uhr geschlossen. Alles, was der Wirt uns noch anbieten konnte, war ein Teller voll Kartoffeln und Käse. Auch unter dem Namen “Raclette” bekannt. Und was die Betten betrifft, da waren wir wohl so ziemlich die letzten Gäste, bevor das Hotel Bahnhof Terminus abgebrochen wurde.

Am Neujahrstag gab es dann doch noch eine Skitour, wenn auch nicht die vorhergesehene mehrtägige.

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Um mein leibliches Wohl muss ich mir heute Abend keine Sorgen machen. Auch mein Bett steht, wann immer ich auch rein sinken werde, bereit. Ich hoffe, dass es euch auch so ergeht.

Hebed en guete Rutsch!

Alptraum in den Alpen

Seine Vorfahren hatten dem jungen Steinbock überliefert, dass früher die Hornlosen immer erst ihre Wintersport Aktivitäten aufnehmen konnten, wenn Frau Holle ihnen den dazu nötigen Schnee vor die Füsse geschüttelt hatte.

Diese Zeiten schienen endgültig der Vergangenheit anzugehören. Die einen Hornlosen konnten es kaum erwarten, bis es endlich schneite, koste es, was es wolle. Sie installierten Beschneiungs-Anlagen auf Teufel komm raus und setzten die Anlagen in Betrieb, sobald es die Temperaturen zuliessen. Selbst Gletscher bestäubten sie mittlerweile mit Kunstschnee. Dass die Hornlosen sich in seinem Revier rücksichtslos breit machten, damit hatte er sich zwangsläufig abgefunden, aber für diese fauchenden, spuckenden Stangen hatte der Steinbock kein Verständnis.

Aus sicherer Entfernung beobachtete er das Treiben auf dem, was die Hornlosen „Skipiste“ nannten. Dort schlidderten sie über den beinharten Kunstschnee. Das sollte wohl auch noch Spass machen? Aber es gab auch solche, die bewegten sich gegen den Strom, mussten stets Obacht geben, dass sie auf ihrem Weg nach oben nicht umgehobelt wurden. Für was hatten denn die Hornlosen mit viel Kohle die ganze Landschaft verschandelt und Seilbahnen errichtet? Das war definitiv zu viel für den Steinbock. Er wandte sich wieder ein paar trockenen Grasbüscheln zu. Wenigstens die würden ihm die Hornlosen nicht auch noch streitig machen.

Als ich noch auf Skitouren ging, war es nicht nur verpönt, einer Piste entlang hochzusteigen. Es wäre mir auch nie in den Sinn gekommen, auf Kunstschnee eine Skitour zu unternehmen. Vorher hätte ich mich zu einer Wanderung herabgelassen. Eine Skitour auf Kunstschnee – was für ein Alptraum!