Kulinarisches Unkraut

Es war ein Experiment. Ich wusste, und das seit Jahren, dass man sie essen kann. Hatte es aber noch nie getan. Angesichts eines gewissen Überangebots und der Gewissheit, dass hier kein Hund hingepinkelt hatte, begann ich – mit entsprechendem Werkzeug – die Ernte.

Ich erntete nur die Spitzen und selbst diesen schnitt ich in der Küche – noch immer mit dem entsprechenden Werkzeug – die dicken Stängel ab. Ich wollte nichts, gar nichts (an)brennen lassen an diesem kulinarischen Experiment. Und so schaute ich, das Unkraut war längst in der Pfanne, noch kurz im Internet nach, wie aus diesem Grünzeug denn etwas Schmackhaftes herzustellen sei.

Ich stellte fest, dass ich auf dem richtigen Weg war, hatte ich doch zuerst eine Schalotte im Olivenöl angedämpft, bevor ich das Kraut in die Pfanne warf, es dünstete, etwas Bouillon beigab und nach zehn Minuten die wohl matchentscheidenden zwei Esslöffel Doppelrahm unterrührte.

Moll-moll, so kann man Brennnesseln essen. Wir können uns sogar vorstellen, beim entsprechenden Überangebot mal wieder aus diesem gratis Wildkraut Spinat herzustellen.

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Resteverwertung in Etappen

Das war mal wieder so eine Idee in mehren Etappen von mir, die sich nie mehr 1:1 wiederholen lässt. Aber für das, was daraus geworden ist, kann ich mir durchaus anerkennend auf die Schultern klopfen.

Es begann mit 500 Gramm frischem Spinat, den ich en bloc verkochte, obschon ich wusste, dass wir nicht alles aufs Mal essen würden. Das gedämpfte Grünzeug dümpelte samt etwas Kochsaft, Zwiebeln und Knoblauch einige Tage im Kühlschrank, bis ich es kurzerhand pürierte und einem Omeletten-Teig beigab. So kam der Spinat zusammen mit einer pikanten Füllung zu seinem zweiten Auftritt. Dass Omeletten übrig bleiben würden, zeichnete sich schon während des Backens ab.

Sogleich begann eine neue Idee zu gären. Hatten wir nicht Besuch am Wochenende? Und war es nicht ein spezieller Anlass, den man mit speziellen Apéro-Häppchen würdigen durfte? Ich durchsuchte meine Kochbücher. Schon bald wurde ich fündig. Es ging mir mehr um die einigermassen richtige Menge als um die Zutaten. Die Hülle hatte ich schon. Fehlte also noch eine Füllung. Und diese sollte bestehen aus Quark, Roquefort und Birnenwürfeli. Während die Letztgenannten in einem Sud aus Weisswein, Zucker und gemahlener Vanille knackig gegart wurden, entwickelte das Rezept eine neue Dynamik und ich beschloss, den Sud mitzuverwenden. Kurzerhand weichte ich ein Blatt Gelatine ein und mischte es unter die Birnen. Diese – so dachte ich mir dann kurz darauf – nahm ich besser aus der Flüssigkeit, damit sie nicht verkochten.

Ich war sehr gespannt, ob meine Neukreation kulinarisch und optisch funktionieren würde. Den Saft mischte ich unter die Roquefort-Quark-Mischung, strich sie auf die Omeletten, gab die Birnenwürfeli drauf und rollte alles mehr oder weniger satt ein. Dann stellte ich die grünen Rugel bis zum Servieren kühl. Das Aufschneiden ging leidlich gut. Profis würden wohl nach jedem Schnitt das Messer abputzen, damit die Rölleli immer schön makellos sind.

Und was sagten meine Gäste dazu? Als Erstes: “Was häsch da dine?” Ich wollte das Geheimnis noch nicht lüften und liess sie noch eine Weile zappeln bzw. rätseln. Zumindest so lange, bis ich mir sicher sein konnte, dass niemand mein kulinarisches Puzzle verschmähte.

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Für Alle, die Gefallen an meinen Omeletten-Roquefort-Rölleli gefunden haben, hier die ungefähren Mengenangaben:

Für drei Omeletten habe ich folgende Füllung gemacht:

ca. 150 Gramm Quark, gut abgetropft
ca. 75 Gramm Roquefort, mit einer Gabel fein zerstossen
1 Birne in kleinen Würfeli, gekocht in 0,8 dl Weisswein, 30 Gramm Zucker und etwas gemahlener Vanille
1 Blatt Gelatine (zwei wären vermutlich besser)
KEIN zusätzliches Salz, mit dem Roquefort erhält die Füllung genau die richtige Schärfe

Diese Zutaten reichen als Apéro für vier Personen. Sollte jemand herausfinden, wie man runde Omeletten schön gleichmässig füllt, damit die Rölleli überall gleich dick sind, bitte ich um sofortige Mitteilung!!! Ansonsten ist es auch ganz neckisch, wenn man am Tag danach noch die optisch nicht ganz einwandfreien Anschnitte essen kann. Köstlich sind sie alleweil.

Igel im Grünen

Ungläubiges Staunen in meiner Küche. Es gibt Rezepte, die sind so einfach und dennoch so wirkungsvoll, dass es selbst mir gelingt, sie einigermassen effektvoll auf dem Teller anzurichten. Wer würde denken, dass sich unter diesen Kugeln eine Masse aus Fisch und Rahm verbirgt? Dass ich dieses Rezept ausprobiert habe, hat verschiedene Gründe.

  1. Ich bin grundsätzlich neugierig (was sich in der Küche häufig, aber nicht immer auszahlt)
  2. Ich musste unbedingt wissen, ob der Igeli-Effekt funktioniert.
  3. Ich mag sehr gern Reis (was bekanntlich nicht für alle Mitglieder unseres überschaubaren Haushalts in gleichem Masse zutrifft).
  4. An Fisch mangelt es in unserem Haushalt nie (wofür vorwiegend die andere Hälfte unseres Haushalts verantwortlich zeichnet)
  5. Unser Dampfgarer wollte mal wieder beschäftigt sein.

Dass es funktioniert hat, seht ihr auf dem Bild oben. Wenn ihr wissen wollt, wie ein professioneller Fotograf das gleiche Menu ins Bild rückt, könnt ihr hier das Rezept nachschauen. Und für alle Reis-Liebhaber habe ich hier eine Seite aufgestöbert, wo es weitere Reis-Rezepte gibt. Ich werde mich leider etwas zurückhalten müssen (die Gründe gibt es hier nachzulesen).

Aber dieses Geköch hier werde ich trotzdem bald mal machen. Das würde dann vielleicht bald mal unter dem Titel „Stachelschwein trifft caramellisierte Zwiebeln“ im Blog rangieren.