Baustelle aus heiterem Himmel

Es gibt Baustellen, die werden von langer Hand geplant und mit der entsprechenden Vorlaufzeit von Seiten der Bauherrschaft wie Bauunternehmer angegangen. Es gibt aber auch Baustellen, die aus einem Notfall heraus entstehen. Da ist zielgerichtetes, schnelles Handeln gefragt. Gewisse ästhetische Belange und individuelle Ansprüche bleiben auf der Strecke. So oder so, die Komfortzone lässt man erst mal hinter sich, wenn in der Wohnung umgebaut wird.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Mit nur wenig Fremdeinwirkung hatten sich an der Wand im Bad ein paar Plättli (Fliesen) gelöst. Dass da eine Zeitbombe tickte, hatten wir schon lange gewusst. Aber musste es gerade jetzt…? Handlungsbedarf war angesagt. Und Handwerker, die innert kürzester Zeit auf dem Plan waren. Die Ereignisse im Zeitraffer:

Dienstag: Die Plättli lösen sich von der Wand. Keine halbe Stunde später steht der Bauführer einer lokalen Bauunternehmung vor dem grauen Fleck, begutachtet den Schaden, misst aus und verkündet, wenn wir uns sofort entscheiden würden, hätten sie diese Woche noch Zeit, um mit den Arbeiten anzufangen.

Mittwoch: Armaturen und Einrichtung werden demontiert, einzig die Badewanne bleibt drin. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich wählen im Express-Verfahren neue Plättli aus. Die Auswahl ist relativ beschränkt, da wir auf Lagermaterial zurückgreifen müssen.

Donnerstag: Die Plättli werden herausgespitzt. Was als eintägige Aktion eingeplant war, ist innert zwei Stunden erledigt, da die Plättli mehr oder weniger von selbst runter purzeln. Schon am Nachmittag wird der Boden verlegt.

Freitag: Die Plättliarbeiten gehen weiter. Der gröbste Dreck und Staub ist bereits vorbei. Der Staubvorhang wird demontiert und unsere Wohnung sieht schon beinahe wieder etwas wohnlich aus.

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Samstag/Sonntag: Der Mitbewohner hütet die Baustelle. Frau Flohnmobil ist im Kochkurs in Scuol. Zweifelsohne, ich hätte mir kein besseres Datum dafür aussuchen können!

Montag: Die restlichen Plättli werden verlegt.

Dienstag: Heute wird gefugt was das Zeug hält. Ich kann mich schon mal mit dem Gedanken anfreunden, nicht nur das neue Bad, sondern die gesamte Wohnung gründlich zu putzen.

Mittwoch: Armaturen, Lavabo und Toilette werden montiert. Anschliessend legt der Mitbewohner selber Hand an und bohrt die erforderlichen Löcher für Handtuchhalter, Seifenschale etc. Es sieht schon beinahe wieder wie ein Bad aus.

Donnerstag: Der Plättlileger kommt ein letztes Mal vorbei, um die Silikon-Fugen um Lavabo und WC zu legen.

Freitag: Wir sind endlich wieder unter uns. Keine Handwerker, die ständig ein und aus gehen. Erleichterung macht sich breit.

Fazit: Es ist alles flott über die Bühne gegangen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, sähe unser Bad nach dem Umbau nicht wesentlich anders aus. Dass wir nur aus ca. zehn verschiedenen Wandplättli auswählen konnten, ist im Nachhinein betrachtet nicht schlimm.  Mit Sicherheit hätte uns die enorme Auswahl an Wand- und Bodenplättli, die eine Lieferfrist von 3 Wochen gehabt hätten, an den Rand der Verzweiflung getrieben. So jedoch sind wir auch nach dem gelungenen Turbo-Umbau noch immer klar bei Sinnen.

Staubig, aber wa(h)r

Es gibt mit Sicherheit dringlichere Angelegenheiten, wenn man aus seinen Ferien heim kommt (in unserem Fall von 5 Wochen Housesitting), als sich sofort mit Staubsauger und Putzlappen zu bewaffnen. Diese Binsenwahrheit gilt zumindest für meinen innig geliebten Mitbewohner und mich. Insbesondere, weil wir vor unserer Abreise jeweils noch Staubwedel & Co. durch die hehren Hallen schwingen. Es mag eine Macke von mir sein, alles aufgeräumt und sauber zu hinterlassen. Aber mir ist wohl dabei und mittlerweile weiss ich aus zuverlässiger Quelle , dass ich mit dieser Macke nicht allein in der Prärie stehe. Zumindest die moralische Unterstützung in dieser Angelegenheit ist mir vor den nächsten Ferien schon mal auf sicher.

Früher oder später drängt sich aber der grössten Putzlappen-Resistenz zum Trotz der Griff zum farbigen Tüchlein auf. Und man fragt sich verwundert, wie sich so viel Staub ansammeln konnte, wo die Wohnung doch fünf Wochen lang unbewohnt war. Die Erkenntnis daraus ist zwar altbekannt, aber deswegen nicht weniger erschütternd:

 S t a u b   m a c h t   k e i n e   F e r i e n .