Klapprige Wanderung

Heute stand eine Wanderung auf dem Programm. Es gibt in der Natur bei uns zwar noch nicht wirklich viel zu sehen, wie wir bald feststellten. An schattigen Waldrändern liegt noch Schnee, ausser Guggublüemli und Krokussen in den Gärten sahen wir keine Blumen. Dennoch war es angenehm, sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen und die ansatzweise frühlingshaften Temperaturen zu geniessen.

Grosses Entzücken machte sich breit, als ich zwei Störche im Ried beim Lützelsee erblickte. Sie schienen von uns keine Notiz zu nehmen und stocherten munter im trockenen Gras weiter, bevor sie sich fliegenderweise vom Acker machten.

Am nächsten Waldrand wurde mir klar, dass ich keine Rarität erblickt hatte. Wie ich bald erfahren durfte, brüten seit dem Wiederansiedlungsversuch 1987 regelmässig Störche im Hasel. Das veranschaulichen auch die Nester, die über die Jahre ziemlich in die Höhe geschossen sind.

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War das ein Geklapper aus dem dichtbesiedelten Baum!

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Mein innig geliebter Mitbewohner und ich setzten uns eine Weile auf ein Bänkli und schauten dem emsigen Flugbetrieb zu.  Wir freuten uns beide am Anblick der zahlreichen Störche und konnten sogar für einen Moment ausblenden, dass es um uns herum bestialisch nach Gülle stank.

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Die mit der grossen Klappe

„Ich glaub doch nicht an den Storch“, ist eine gängige Redewendung, wenn man jemandem sagen will, dass man nicht alles für bare Münze nimmt, was er gerade von sich gegeben hat.

Ob es eine ähnlich storchige Redewendung auf Portugiesisch gibt, weiss ich nicht. Was ich aber mit Sicherheit weiss: In Portugal hat es m-a-s-s-e-n-h-a-f-t Störche. Massenhaft. Ich habe hier in den vergangenen drei Wochen so viele Störche gesehen, dass ich diesbezüglich für den Rest meines Lebens eingedeckt bin. Meister Adebar nistet auf Fabrikkaminen. Auf Vorsprüngen von Kirchtürmen. In Bäumen. Ungeniert auch auf altehrwürdigen Gebäuden. Auf Hausdächern, Ruinen, Fabrikhallen. Zuoberst auf Hochspannungsmasten, gerne gleich in ganzen Trupps und in mehreren Etagen. Die etwas weniger Schwindelfreien haben im untersten Drittel des Masts ihr Nest gebaut. Ich hab sie auf der Strasse dahinschreiten sehen. An Flussufern und in Reisfeldern stochern. Auf Wiesen und Feldern. Zwischen Korkeichen und Eukalyptus-Bäumen.

Nur auf dem Wohnmobil-Dach waren sie meines Wissens noch nie. Sonst wäre selbst ich noch geneigt, an den Storch zu glauben.