Federleichter Alptraum

Herr F. fand es gerade ausgesprochen gemütlich, da wo er sich befand. Er räkelte sich und war im Begriff, erneut ins Land der Träume abzudriften. Wie schön war es doch, pensioniert zu sein und am Morgen fast nach Belieben ausschlafen zu können!

Da hatte er allerdings die Rechnung ohne seine Frau gemacht. Diese hatte ganz andere Pläne und scheuchte ihn ungesehen der Tageszeit aus dem Bett. Sparsam wie Frau F. nun mal ist, war sie nämlich wild entschlossen, aus dem günstigen Stromtarif Profit zu schlagen. Und diesen gab es leider nur in den Morgenstunden. Also musste Herr F. noch vor Tagesanbruch aufstehen und ihr helfen, die Bettwäsche abzuziehen, in der er eben noch so friedlich geschlafen hatte.

Frau F. eilte sodann in die Waschküche und entgegnete ihrem maulenden Angetrauten, er könne sich ja auch ohne Bettwäsche nochmals in die Heia legen. Was dieser auch tat. Allerdings nur so lange, bis seine Holde den nächsten guten Einfall hatte. Und dass dieser nicht lange auf sich warten würde, wusste Herr F. nach mehreren Jahrzehnten Ehe nur zu gut.

Sein nächster Auftrag bestand darin, kurz nach Sonnenaufgang den Wäscheständer im Freien aufzustellen und seiner Frau artig beim Wäsche aufhängen behilflich zu sein. Schliesslich drapiert sich derart grosses Tuch nicht von alleine sittsam an der Leine.

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Aus der Überlieferung ist nicht bekannt, ob Herr und Frau F. den ganzen frühmorgendlichen Akt im Schlafanzug vollführten oder ob sie sich eigens dafür anzogen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Herr F. spätestens beim Wäsche aufhängen hellwach war.

Ich wünsche den Beiden weiterhin viel Spass beim Bettwäsche waschen, auch wenn sie, wie ich inzwischen auf hartnäckiges Nachfragen hin erfahren habe, durchaus mehrere Garnituren Bettwäsche im Schrank haben…

… und wie ich aus persönlicher Erfahrung weiss, auch sämtliche Tassen.

Die Erleuchtung

Ihren Anfang nahm die Entwicklung in Frankreich. In dem Haus, das wir im September zusammen mit den drei Hunden gehütet hatten, waren überall Stromspar- oder LED-Lampen montiert. Wieder daheim sahen wir bei LIDL bezahlbare LED-Spots, die unsere Niedervolt-Halogenspots ersetzen würden. Nun begannen wir ernsthaft, unser Beleuchtungskonzept zu überdenken. Und sahen Handlungsbedarf.

Es dauerte nicht lange, da stand mein innig geliebter Mitbewohner wie ein Wetterfrosch auf der Leiter und schraubte an den Lampen rum. So förderten wir die Stromfresser zu Tage, die wir baldmöglichst ersetzen wollten. Da heutzutage bald nichts mehr in “alten” Wattzahlen angeben ist, machten wir uns schlau, mit wie viel Lumen wir uns erleuchten lassen wollten.

Und dann das grosse Suchen! Dank dem unübersichtlichen Leuchtmittel-Sortiment verbrachten wir einen halben Vormittag bei Obi, bis wir alle LED-Pfunzeln beisammen hatten. Und das Resultat: Wir haben unsere Beleuchtung um mehrere hundert Watt reduziert. Dennoch ist es beispielsweise in meiner Küche viel heller geworden. Allerdings haben sich damit auch meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet: Ich sehe nun nicht nur viel besser, wen was ich in die Pfanne haue, sondern auch gewisse hygienische Unzulänglichkeiten stehen plötzlich im grellerem Licht da.

Wenn ich nun noch im gleichen Stil meinen Backofen mit LEDs beheizen kann und die Waschmaschine mit diesen gelben Pünktchen funktioniert, werden wir zusammen mit der nächsten Stromrechnung einen Stromspar-Orden erhalten. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

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Gegen den Strom

Sie hat keinen Drucker, der Tag und Nacht läuft, kein Modem und erst recht keinen Computer.
Ihre Kaffeemaschine heizt nur gerade dann, wenn sie einen Kaffee will.
Der Kühlschrank ist stets kurz vor dem Abtauen.
In ihrer Wohnung brennt immer nur in einem Zimmer Licht.
Den einzigen Standby-Verbrauch verkocht ihr Fernseh-Gerät.
Am sechsarmigen Kronleuchter ist jede zweite Glühbirne rausgedreht.
Ihr Telefon kommt ohne Strom aus.
Der Backofen war seit Jahren nicht mehr in Betrieb.

Meine Grossmutter verbraucht im Monat Strom für 12 Franken. Eigentlich gehörte sie mit ihren 95 Jahren schon seit geraumer Zeit ins Altersheim. Dort würde sie keine Stromrechnung mehr bezahlen müssen.