Uneinig

Unsere Beziehung – sie dauert nun schon eine ganze Weile an – war von Beginn weg mit gewissen Makeln behaftet. Immer wieder stritten wir uns aus dem gleichen Grund: wir konnten uns nicht einigen in Bezug auf Gut und Böse. Letztlich jedoch lag es immer an mir, die Weltordnung wieder herzustellen.

Ich frage mich ernsthaft, aufgrund welcher Kriterien ein eingehendes Mail auf direktem Weg in den Spam-Ordner versenkt wird. Von Absendern notabende, denen ich schon mehrfach geschrieben hatte. Andererseits schaffen es mit grosser Regelmässigkeit immer wieder Mails mit irgendwelchen Gewinnversprechen, Dating Platformen und dergleichen in meinen Posteingang. Besonders hartnäckig ist “Leonie von exurbe cosmetics”. Ich befördere all diese unerwünschten Mails aus dem Posteingang ungelesen in den Spam-Ordner. Im guten Glauben, dass Sunrise, mein Mail-Provider, früher oder später irgendwelche Konsequenzen daraus zieht.

Leider muss ich berichten, dass sich meine Erwartung, meinem Mail-Provider würde irgend eine Art von künstlicher Intelligenz, um nicht zu sagen Verstand, zu Grunde liegen, jüngst total zerschlagen hat. Ich entdeckte nämlich selbst die neuste e-Rechnung von Sunrise im Spam-Ordner. Ein hoffnungsloser Fall, wie mir scheint.

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Auf zu neuen Galaxien! (2)

Da stand er also nun, der Mensch, der die technischen Probleme an unserer Telefonleitung beheben sollte.

… wer nicht weiss, wieso dieses rettende Wesen vor unserer Haustüre stand, findet hier die Vorgeschichte…

Er stellte sich vor mit einem Namen, den es hierzulande bestimmt hunderttausendfach gibt. Seine prall gefüllte Tasche voller futuristisch anmutender Werkzeuge und Messinstrumente platzierte er auf dem Boden und machte sich sogleich ans Werk. Im Treppenhaus mass er die Telefonleitung am Hauptverteiler aus. In unserer Wohnung begutachtete er die Telefon-Steckdose, den Wohnungsverteiler, stellte ein paar Fragen und sein Verdacht erhärtete sich. Da gab es noch eine zweite, unbenutzte Telefon-Steckdose im Schlafzimmer, die auch mit Signalen aus der Leitung versorgt wurde. Die Störungen rührten mit ziemlicher Sicherheit daher, dass die Daten sich in dieser Verzweigung – ähm – sinnlos verausgabten, statt sich einzig auf den Router zu stürzen. So jedenfalls versuchte ich als Laie mir das geschilderte Problem vorzustellen.

Mit viel Kompetenz und Routine hängte der Techniker die Leitung ab und begann mit weiteren Messungen am Router. Dazwischen hatte er auch Zeit, unsere Fragen zu beantworten. “Telematiker” heisse sein Beruf. Das sei mittlerweile eine Lehre, er habe aber noch als Fernsehtechniker angefangen und sich umgeschult. Und so kamen wir fast zwangsläufig auf die guten alten Zeiten zu sprechen. Und die ganze Entwicklung, die seither ins Land gezogen ist. Mein innig geliebter Mitbewohner steuerte die eine oder andere Episode aus seiner beruflichen Laufbahn bei. So wie diese: Als sie in den Neunziger Jahren, zu dritt in einem Büro arbeiteten, wurden sie gefragt, ob sie zusammen einen PC wollten. “Wozu brauchen wir so etwas?” war die einhellige Antwort.

Von Schreibmaschinen mit einzeiligem Display war die Rede, von Telex mit Lochstreifen, Wandtelefonen, Nadeldruckern und weiteren Gerätschaften, die mittlerweile bestenfalls noch im Museum zu begutachten sind. Der gut dreissigjährige Mann in unserem Wohnzimmer konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass es früher mal Kassenzettel gab, auf denen nur die einzelnen Beträge aufgelistet waren. Dass die Kassiererin noch mühsam nach dem Preisschild suchen musste, um die Zahlen dann in ihrer Registrierkasse einzutippen.

Während der Mitbewohner und ich den geistigen Ausflug in die Vergangenheit unternahmen, werkelte der Techniker weiter an seinen Geräten rum, las Werte ab und nickte zufrieden. Keine dreissig Minuten seit seinem Eintreffen verkündete er feierlich: “So, jetzt müsste es wieder gehen. Schalten Sie doch bitte mal den Fernseher ein.” Ganz nebenbei begutachtete er unser Telefon. “Sie wissen schon, dass Sie das Telefon nicht mehr in den Router einstecken müssen, sondern dass das drahtlos geht. Sie bräuchten nur noch den Stromanschluss und hätten somit grössere Flexibilität, wo Sie die Ladestation aufstellen wollen. Soll ich Ihnen….”

Das war gut gemeint, aber das Telefon hatte in den letzten zweieinhalb Jahren, seit wir die Umstellung auf digital vollzogen hatten, tadellos funktioniert. Nein, er sollte nicht.

Spätestens als ich mit ungelenken Fingern auf dem Tablet eine Unterschrift leisten musste (“es muss Haut sein, Fingernagel geht nicht”), wurde mir klar, dass sich der Menschheit neue Technologien eröffnet haben, die für mich so weit entfernt sind wie fremde Galaxien. Was würde der kompetente, routinierte und im übrigen auch sympathische Mensch in unserem Wohnzimmer sagen, wenn er wüsste, dass ich zwei Tage später diesen Blogbeitrag auf einem sieben Jahre alten PC schriebe?

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Nun wollt ihr sicher noch wissen, ob unser Fernseher wieder funktioniert. Nun, am Fernseh-Gerät hat es nie gelegen, sondern am Signal. Nach ersten Erkenntnissen hat die Umkablerei den gewünschten Erfolg gebracht. Den Vogel abgeschossen hat jedoch der technische Dienst von Sunrise, der sich, keine sechzig Minuten nachdem der kompetente, routinierte Techniker das Haus verlassen hatte, nach dem allgemeinen Wohlbefinden unseres TV-Pakets erkundigte. Wahrscheinlich hat Zeit in fernen Galaxien auch einen anderen Stellenwert.

Auf zu neuen Galaxien! (1)

Angefangen hatte alles mit einem verpixelten TV-Bildschirm. Mal waren es nur ein paar Chlötzli, immer häufiger aber war nicht nur das Bild nicht mehr zu erkennen, sondern auch der Ton kam abhanden. Abhilfe schaffen sollte – wie übrigens nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit diesem Produkt – die Helpline von Sunrise.

“Willkommen bei Sunrise. Für Deutsch drücken Sie eins.  …  Für Fragen zu Ihrer Rechnung drücken Sie   … Für alle übrigen Fragen…… Für Qualitätszwecke kann dieses Gespräch aufgezeichnet …” Man kennt das mittlerweile. Es nervt trotzdem.

Der nette Herr am anderen Ende des Telefons (eine wahrhaftige Stimme, ehrlich, und erst noch mit einem Namen, den man mit etwas sprachlichem Flair auf Anhieb versteht) versuchte, mit mir zusammen das Problem am Produkt “Digital-TV” zu lösen. Leider war die Linderung nicht von langer Dauer und ich wählte alsbald wieder die einschlägige Support-Nummer an. Diesmal meldete sich eine weibliche Stimme mit einem unaussprechlichen Namen. Ich verlangte, den netten Herrn mit dem einfachen Namen zu sprechen. “Wer soll das denn sein?” schnarrte es in Hochdeutsch vom anderen Ende der Leitung. Ich holte zu Erklärungen aus. Verständnisvolle Laute tönten aus dem Hörer. Diesen Herrn gab es wahrhaftig. Und er arbeitete in Zürich-Oerlikon. Ich erlaubte mir zwischendurch mal die Frage, wo die Dame, mit der ich gerade sprach, sich denn aufhielte. Bei der Antwort “Istanbul” wäre ich beinahe vom Stuhl gekippt. “Sie könnten aber ebenso gut im Kosovo oder in Berlin gelandet sein”, vervollständigte sie zu meiner immer grösser werdenden Verwirrung.

An dieser Stelle muss ich das Gespräch aus Gründen der Lesbarkeit dieses Blog etwas abkürzen. Nur noch so viel: Sie schickte dem netten Herrn in Oerlikon ein Mail, er möge sich bei mir melden. Das tat er auch noch gleichentags. Soviel zum Kundendienst von Sunrise. Ich bin mir zwar fast sicher, dass auch die Dame aus Istanbul mein Anliegen hätte entgegennehmen können. Schliesslich hatte ich Eins für Deutsch gedrückt. So nett der nette Herr aus Oerlikon auch war, er hatte mittlerweile seine technischen Möglichkeiten ausgeschöpft und sagte mir, er müsse das Problem weiterleiten. Die Firma Cablex werde sich mit mir in 24 bis 48 Stunden in Verbindung setzen.

Das tat sie schliesslich und wir vereinbarten für gestern einen Termin, an dem uns ein Techniker heimsuchen sollte. Zwischen 14.30 und 17.00 lautete die Vereinbarung. Kurz vor 17.00 erlaubte ich mir eine telefonische Rückfrage, ob mit dem Menschen noch zu rechnen sei. Doch, doch, beschied man mir am Telefon. Der Techniker sei noch bei einem anderen Kunden und werde dann als nächstes zu uns kommen. Mein innig geliebter Mitbewohner, seines Zeichens seit eh und je von kritischer Natur, wenn es um solche Aussagen geht, entspannte sich etwas. Kurz nach halb Sechs läutete es an der Türe. Ob unsere Rettung tatsächlich nahte…?

Fortsetzung folgt. HIER

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Nächtliche Morgenröte

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Lieber Sonnenaufgang

Im Allgemeinen bin ich mit deiner Performance ganz zufrieden. Du erscheinst zuverlässig, wenn man dich braucht. Bietest anständigen Service, angeblich das beste Netz für mobile Telefonie und bist bezahlbar.

Was du dir allerdings gestern Nacht geleistet hast, hat mich nicht einmal ansatzmässig begeistert. Verschickst du mir um 03.18 Uhr ein SMS, um mir eine Tarifänderung bekanntzugeben! Sag mal, spinnst du eigentlich???

Hast du noch nie was davon gehört, dass um diese Uhrzeit der Grossteil der Menschheit im Land der Träume weilt? Und dass ein beachtlicher Teil der Menschheit sein Handy auch als Wecker braucht und es folglich auf dem Nachttisch liegt?

Du hast heute morgen früh nicht nur mich, sondern auch meinen innig geliebten Mitbewohner aus dem Schlaf gerissen. Und Letzterer wollte dann unbedingt wissen, was es so Wichtiges gäbe, was man uns zu so hinterhältiger Zeit benachrichtigen müsse. Als ob das in einem Satz erklärt gewesen wäre!

Mit einem gewissen Ansatz von Hoffnung habe ich – nicht etwa mitten in der Nacht, sondern zu Bürozeiten – dein Callcenter angerufen. Dort konnte man mich beruhigen. Es sei nicht das erste Mal vorgekommen, dass Kunden noch vor dem Morgengrauen SMS erhalten hätten. Der Computer verschicke diese, da könne man halt nichts machen.

Zum Glück gibt’s Computer. So ist wenigstens jemand Schuld, den man nicht entlassen kann.

Ich allerdings, ich könnte mir überlegen, einen anderen Handy-Anbieter zu suchen. Für so etwas bräuchte ich keinen Computer und nicht mal eine faule Ausrede.

Mit verärgerten, unausgeschlafenen Grüssen

Frau Flohnmobil

Die lahme Depesche

Es war mir schon seit einigen Tagen aufgefallen, dass ich nicht immer alle Meldungen von WordPress über eingegangene Kommentare oder Likes erhalten hatte. Ich mass dem keine Bedeutung zu, konnte ich doch spätestens beim Einloggen ins Flohnmobil zweifelsfrei feststellen, wer mich kommentiert und mag.

Argwöhnisch wurde ich erst, als ich ein wichtiges Mail mit 24 Stunden Verspätung erhielt. Ich schob die Schuld meinem Smartphone in die Schuhe und suchte gar den Fehler bei den Einstellungen, die ich seinerzeit höchstpersönlich vorgenommen hatte.

Alarmstufe ROT rief ich erst aus, als ich mich ein noch wichtigeres Mail, in dem mich meine Freundin fragte, ob wir unser Sushi Date um eine halbe Stunde verschieben könnten, erst erhielt, als die Sushi schon längst verdaut waren. Nämlich sechs Tage später.

So nahm ich gestern Kontakt zu meinem Mailprovider auf, schilderte das Problem und zu meinem grossen Glück erkannte die Mitarbeiterin an der Strippe das Problem auch als solches, ohne an meiner technischen Intelligenz zu zweifeln. Einige Stunden später, also mitten in der Nacht, erhielt ich ein SMS, dass man sich meinem Problem unter der Nummer sowieso angenommen habe, und ich den Status jederzeit online mitverfolgen könne.

Und heute nun erhalte ich folgendes SMS (Zitat):

Guten Tag Frau Flohnmobil, das Profil von Ihrer Email ist in Ordnung.
Wir haben mehrere Kunde die die gleich verspätung melden, ist ein problem bei google, dass sich bald lösen wird. freundliche Grüsse Sunrise

Wenn ich ehrlich sein soll: So ganz beruhigt bin ich angesichts dieser Meldung noch nicht.

In der Endlosloslosloslosschlaufe

Es war der Tag, an dem ich eine ganz simple Frage zu meinem Mobil-Abo hatte. Deren Beantwortung hätte mit Sicherheit nicht länger als zwanzig Sekunden in Anspruch genommen.

 

Guten Tag. Herzlich willkommen bei Sunrise. Bitte wählen Sie nun Ihre Sprache.

Für Deutsch drücken Sie bitte die Taste eins. Pour le fr…

Ich drücke die Taste eins.

Mit Sunrise Freedom gibt es jetzt neue Mobil-Tarife für Sie. Falls Sie Fragen zur neuen Mobile-Freiheit haben, finden Sie weitere Informationen unter weh-weh-weh-sunreis-punkt-zeh-ha-släsch-freedom.

Bei Fragen zu Ihrer Rechnung oder Ihren aktuellen Konten wählen Sie bitte die Eins.

Sie haben technische Fragen oder möchten Ihr Handy sperren? Drücken Sie die Zwei.

Für alle anderen Anliegen die Drei.

Ich drücke die Drei.

Sie befinden sich nun im Menü für allgemeine Fragen.

Sie möchten Ihre neue SIM-Karte aktivieren? Wählen Sie die Eins.

Für die Bestellung eines Sunrise-Produktes die Zwei.

Für alle anderen Anliegen einfach die Null.

Mit der Sterntaste gelangen Sie zurück ins Hauptmenü.

Ich wähle die Null. Endlich bin ich dort, wo ich hinwollte.

Ihr Gespräch mit dem Sunrise-Kundenberater kann zur Qualitätssicherung und Trainingszwecken aufgenommen werden. Wir verbinden Sie jetzt mit einem Sunrise-Mitarbeiter.

Wird auch langsam Zeit. Bereits hänge ich zwei Minuten am Telefon.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns für jeden unserer Kunden genügend Zeit nehmen und dadurch gewisse Wartezeiten auftreten können.

Musik düdelt aus dem Telefon. Rüttelt an meinen Nerven.

Bitte haben Sie ein wenig Geduld. Wir sind gleich für Sie da.

Es düdelt weiter. In regelmässigen Abständen wird an meine Geduld apelliert.

Bitte haben Sie ein wenig Geduld. Wir sind gleich für Sie da.

Nach knapp acht Minuten beschliesst irgend etwas oder irgend jemand, mein Anliegen sei nicht so wichtig. Ich werde aus der Leitung gekippt. Und fluche.

 

Zweiter Versuch

Selbes Prozedere. Geduldig arbeite ich mich durchs Menü. Als dieses fertig abgespult ist, werde ich kurzerhand aus der Leitung geworfen. Und fluche wieder. Ohne Musik gehört zu haben.

 

Dritter Versuch

Selbes Prozedere. Ich versuche, den schnellen Weg zu wählen, denn mittlerweile weiss ich, welche Tasten ich drücken muss. Geht nur bedingt, die Werbung muss ich über mich ergehen lassen, schaffe es aber dennoch, mir insgesamt etwa 15 Sekunden kostbare Zeit zu sparen. Am Ende des Menüs werde ich zu meiner  allergrössten Verwunderung sofort mit einer Mitarbeiterin verbunden.

Warum denn nicht gleich!

Die Zeiten, als man noch dem Fräulein sein Anliegen vorbrachte und dann verbunden wurde, waren auch nicht sooo schlecht.

Und selbst das gute alte Wählscheiben-Telefon hatte seine Vorteile. Ganz bestimmt!