Die nagende Entdeckung

„Komm, schau mal!“ Die Stimme meines innig geliebten Mitbewohners liess vermuten, dass da etwas Besonders im Gang sein musste. Er deutete auf die Wasseroberfläche. „Ein Biber.“ Sofort erinnerte ich mich, dass ich bei der Stellplatzbeschreibung im Wohnmobilforum gelesen hatte, dass es hier Viecher geben musste, die oft mit Bibern verwechselt werden. Nein, mein lieber Mitbewohner, einen Biber haben wir hier nicht vor uns. Bloss, wie heisst das Vieh hier?

Wir beobachteten ihr Treiben, sie zeigten keinerlei Scheu, wenn man an den Rand des Hüninger Kanals trat. Biber waren es schon deshalb nicht, weil Biber einen flachen Schwanz haben und üblicherweise nur nachtaktiv sind. Ausser, man hat die Gelegenheit, sie in Alaska zu beobachten, wo es im Sommer immer hell bleibt.

Später sahen wir so ein Vieh am Land. Es graste wie ein Kaninchen, sah aber aus wie eine zu gross geratene Ratte. Oder ein Murmeltier, das sich ins Flachland verirrt hat. Als „Flachlandmungg“ bezeichneten wir es fortan. Richtigerweise heisst das Tier aber Nutria oder Biberratte. Es ist eine aus Südamerika eingebürgerte Nagerart, wie in Wikipedia zu lesen ist.

Für uns bleibt es ein Flachlandmungg und damit basta!

Tierisch festen

Ostern entwickelt sich immer mehr vom religiösen hin zu einem tierischen Fest.

Hasen aus Schokolade, Nougat und Plüsch warten seit Wochen in den Läden auf Käufer. Federvieh aus Marzipan gehört genauso dazu wie Lämmer aus Butter oder Biskuit. Während die wahrhaftigen Hühner im Akkord Eier legen müssen, können die Zuckerbäcker ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Kalorienbomben aus Schoggi, Gelée, mit Trüffel- oder Schnapsfüllung lassen fast vergessen, dass das Ei ein Symbol der Fruchtbarkeit sein soll.

Im Zuge der allgemeinen Gefrässigkeit verirren sich plötzlich Tiere auf den eigenen Teller, von denen man sonst das ganze Jahr nie etwas wissen will: Fisch, Gitzi (Zicklein).

Leider hat sich im Verlauf der Jahre ein weiteres Tier zuoberst in der Hitliste der Ostertiere eingereiht. Die Schlange. Aus Blech, Gummi und Feinstaub, mit stänkernden Kindern auf dem Rücksitz und hupenden Staugenossen.

Während ich diesen Blog-Beitrag schreibe, werden gerade im Auto die Karfreitags-Staumeldungen durchgegeben. Vor dem Gotthard 9 Kilometer Stau, entspricht einer Wartezeit von 90 Minuten. In Anbetracht solcher Durchsagen vermag sich bei mir kein österliches Gefühl einstellen. An Ostern bleiben wir seit Jahren zu Hause und haben uns damit sicherlich vieles erspart.

Manneskraft durch Randensaft

Als mein innig geliebter Mitbewohner und ich wieder mal den Zoo besuchten, standen wir irgendwann auch vor dem Elefantenhaus. Unübersehbar wie die Grautiere sind, führt fast kein Weg an ihnen vorbei.

Mit einer beachtlichen Portion Ehrfurcht standen wir vor einem der grauen Kolosse. Er hiesse „Maxi“, trompetete uns der Riese ins Ohr. Die Namensgeber des grössten Tieres im Zoo mögen nicht besonders viel Fantasie an den Tag gelegt haben, zutreffend ist der Name aber unbedingt. Maxi trottete gelangweilt und alleine im Gehege herum. Seine Gedanken schienen bei den Elefantendamen auf der andern Seite der Anlage sein, denn sein Geschlechtsorgan liess er unübersehbar und ellenlang hin und her baumeln. Wir äusserten ein paar respektlose Bemerkungen, die ich an dieser Stelle lieber nicht wiederholen möchte.

Unser Vergnügen wurde abrupt unterbrochen von einem rötlich eingefärbten Sturzbach, der sich aus besagtem Organ ergoss. Oh jesses, das arme Tierchen wird doch nicht etwa krank sein? Aus unserer Heiterkeit wurde schlagartig Besorgnis für den grauen Riesen. Sollten wir einen Tierpfleger suchen und ihm das Gesehene berichten? Oder sollen wir das tun, was die meisten Anderen auch taten, nämlich so tun, als ob wir nichts gesehen hätten? Während wir noch darüber diskutierten, nahm Maxi uns die Entscheidung ab. Denn just als wir uns abwandten, sahen wir sie. Nicht eine, auch nicht zwei. Nein, gleich eine ganze Kiste voller Randen (rote Bete).

Auf dein Wohlergehen, du stolzer Familienvater!

Herzlichen Dank an unseren geschätzten Freund und Hobbyfotografen Herbert Müller, der extra für mich in den Zürcher Zoo gefahren ist, damit dieser Blog-Beitrag angemessen illustriert werden kann.

In Pelz gehüllt

Einen flüchtigen Augenblick lang nur sah ich es. Zwischen zwei Schlücken Kaffee am Frühstückstisch. Da, da war es wieder! Ich stand auf und ging zum Fenster, damit ich ihm etwas näher war.

Ich hatte richtig gesehen; da turnte ein Eichhörnchen in der kahlen Lärche herum. In Windeseile flitzte es von Ast zu Ast, rauf und runter. Schien keine Sekunde auf dem gleichen Zweiglein verharren zu wollen. Dann ein Satz – zack – und für einen kurzen Moment war es hinter dem dicken Ast der Föhre unsichtbar.

Ich war kaum mehr vom Fenster weg zu kriegen. Mein Kaffee drohte kalt zu werden. Ich wollte diesen wertvollen Moment auskosten, einem Wesen, das so völlig unbefangen umhertollte, zuzuschauen.

Meine Gedanken schweiften ab. Ich muss kleinlaut gestehen, dass ich – obschon in gewisser Weise mit Eichhörnchen-Genen ausgestattet – selbst in meiner frischesten Jugend nie in einer solchen Eleganz einen Baum hinauf geklettert bin. Ganz zu schweigen vom horrenden Tempo, das das Viechlein an den Tag legte. Ich bewunderte das kleine Tier für sein modisches Gespür. Auch etwas, das mir leider ziemlich abgeht. Zugegeben, in Pelz gehüllt würde ich mich nicht wohl fühlen, das Eichhörnchen aber liegt mit seinem Outfit in dieser Landesgegend voll im Trend.

Geradezu waghalsig schienen die Sprünge des niedlichen Tierchens. Gefährlich wiegten sich die Äste, während sich das Eichhörnchen bereits ein paar Zweige weiter befand. Zwischendurch verharrte das Fellknäuel längere Zeit auf dem gleichen Fleck und bearbeitete ein Lärchenzäpfchen. Es liess sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Auch nicht durch seinen Artgenossen, der plötzlich auf der Bildfläche erschien. Flugs stürmten sie zu zweit durchs Geäst.

Ich habe versucht, diesen Moment für die Ewigkeit zu bannen. Wer meine Fotos anschaut, kommt eher auf die Idee, hier habe jemand den Kaffeesatz samt Filterpapier in den Baum gehängt, als dass er in den zwei dunklen Flecken Eichhörnchen erkennt. Ich erspare euch deshalb den Anblick. Schliesslich hat jeder schon mal ein Eichhörnchen gesehen, wenn auch nicht unbedingt vom Frühstückstisch aus.

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