Im Reich der wilden Tiere

Wenn man in einem Haus wohnt, das an den Wald grenzt und von Wiesen umgeben ist, ist man der Natur ziemlich nahe. Dass man die Tierwelt in einer solchen Umgebung nicht einfach aus dem Areal verbannen kann, liegt auf der Hand.

Fliegen, Wespen, Ameisen, Spinnen, Heuschrecken, Mücken, Nachtfalter – sie alle spazieren oder fliegen ungefragt ums und ins Haus. Zur fliegenden Truppe gehören auch die Krähen und weitere Vögel, die die bald reifen Kirschbäume heimsuchen und die Fasane, die wir schon mal an der Türschwelle hatten.

Weniger gefragt sind Mäuse. Harmlos Eidechsen. Nicht gerade niedlich anzusehen aber ebenso harmlos sind die Kröten, die wir laufend aus dem Filter des Pools fischen, und die offenbar schneller wieder im Wasser sind, als wir auf dem Absatz kehrt machen können.

Wildschweine gibt es hier auch. Wir haben ihre Spuren gesehen und sie letzte Nacht gehört. Vor einigen Tagen haben wir zu unserem grossen Erstaunen ein Reh gesehen. Das müssen die Jäger irgendwie übersehen haben.

Und zu meinem allergrössten Erstaunen gibt es hier auch Skorpione. Hatte ich nicht gewusst. Das schwarze Insekt war schon an der Türschwelle. Ich traute meinen noch nicht ganz wachen Augen nicht, als ich am Morgen das Goldschätzchen auf seine Schnupperrunde entliess. Ich fegte das gut 5 cm lange Tierchen von der Türe weg und versuchte mich mässigem Erfolg ein Bild zu machen. Zu schnell war das Ding, zu gross meine Bedenken, es könnte wieder in die falsche Richtung laufen.

Um diese Erfahrung bereichert wenden mein innig geliebter Mitbewohner und ich nun eine Taktik an, die uns von Australien her noch bestens vertraut ist: Immer zuerst die Schuhe umdrehen, bevor man reinschlüpft.

Auf Mäuse-Pirsch

Natürlich wollten wir auch so eine Maus sehen. Schliesslich spricht hierzulande jeder davon. Es gibt Maus-Safaris und Maus-Parks. Oder Maus-Pirscher wie beispielsweise mein innig geliebter Mitreisender und ich.

Wir begaben uns in den Halle-Hunneberg Ecopark, wo angeblich die grösste Mäusedichte ganz Schwedens sein soll. Schon beim Fahren in den Park schauten wir intensiv durch die Gegend. Ja schliesslich könnte hinter jedem Baum so eine Maus stehen, mit etwas Glück sogar mitten auf der Strasse! Wir tippelten eine Wanderung ab, unser Blick schweifte unablässig hin und her. Das ist ja schlimmer als beim Pilze sammeln, schoss es mir durch den Kopf. Wir kehrten unverrichteter Dinge zum Auto zurück. Die Mäuse waren wohl heute nicht in der Stimmung für eine Prozession.

Wenige Tage später entdeckten wir auf einer Wanderung eine Maus-Spur. Immerhin hatten wir nun den Beweis, dass es Mäuse gab in diesem Land. Wir fanden nicht nur ihre Spuren, sondern auch ihre Hinterlassenschaften. Doch dabei blieb es vorderhand.

Bis zu dem denkwürdigen Tag, als der Mitreisende vom Velo aus etwas stehen sah. War es ein Holzgerüst?

Oder etwa doch…? Bildeten wir es uns bloss ein, oder bewegte sich das Holzgerüst ein wenig? Ich holte das Äusserste aus meiner bescheidenen fotografischen Apparatur heraus und machte ein Bild. Erst im Womi am Notebook dann die freudige Überraschung: Wir hatten tatsächlich eine Maus gesehen! Nicht durch einen Teich schwimmend wie seinerzeit in Alaska. Nicht als Verkehrshindernis oder an einem Waldrand, wie wir es am ehesten erwartet hätten. Nein, einfach mitten in einer Wiese.

Muus – Maus – Moose – Älg – Elch

Ein männliches Tier mit noch kleinem Geweih.

… und sollten wir wider Erwarten nochmals so eine Maus zu Gesicht bekommen, werde ich das selbstverständlich in diesem Blog für die Nachwelt festhalten.

Tierisches Vergnügen

Wenn man mal ein paar Tage nacheinander auf den Skiern gestanden ist, und nicht mehr ständig drauf achten muss, dass man das rechte und das linke Bein nicht verwechselt, beginnt man plötzlich wieder, die Welt um sich herum wahrzunehmen. Und dann fällt einem auf, dass man von lauter Tieren umgeben ist.

Da sind beispielsweise die Schneehühner, die sich meist laut gackernd in Gruppen zusammenfinden. Das Pendant dazu, der Schneegockel, legt ein ganz anderes Verhalten an den Tag. Er ist in erster Linie darauf bedacht, dass sein Kamm, pardon seine Haarpracht, unversehrt bleibt. Er erlaubt sich deshalb allerhöchstens ein Stirnband, ganz egal, wie sehr ihm der Wind um die Ohren pfeifen mag. Für die Schneehühner hat seinesgleichen nur ein mitleidiges Lächeln übrig. Er macht Jagd auf Schneehäschen, die seine Qualitäten mehr zu schätzen wissen. Denn Schneehäschen gehen in erster Linie an die frische Luft, um ihr todschickes Outfit zu präsentieren, Skifahren ist für sie Nebensache.

Nebst den nervigen Trampeltieren, die einem beim Anstehen am Skilift immer auf den Skienden herumstehen, fällt am gleichen Ort ein anderes Tier auf: die Taubschleiche. Sie schlängelt sich hemmungslos zwischen den Wartenden durch und wenn man sie darauf anspricht, stellt sie sich ebenso taub wie dumm.

Sie sind auf diesen Breitengraden zwar nicht heimisch, aber die Giraffen haben ihren festen Platz am Pistenrand erobert. Im Idealfall stehen sie gemächlich auf Beobachtungsposten, wenn es aber dumm kommt, schneien sie aus allen Rohren und man erhält im Vorbeifahren eine weisse Glasur. Ebenso zu den Immigranten gehören die Alpenkängurus, die durch ihre unberechenbaren Sätze andere Skifahrer gefährden.

Es wurde schon lange gemunkelt, dass Wildschweine intelligente Tiere sind. Mittlerweile haben sie den Beweis erbracht und haben sogar gelernt, die Sessellifte zu benützen. Leider lässt ihr Verhalten auf den Pisten sehr zu wünschen übrig. Nicht nur das, sie scheinen sich in den Alpenregionen wohl zu fühlen und vermehren sich geradezu explosionsartig.

Von der eher harmlosen Sorte sind die Walrösser, die dank ihrer dicken Fettschicht selbst bei 20 Grad minus nur leicht beschürzt die Pisten stürmen. Doch wehe, wenn sich ein solcher Fleischberg neben dich auf den Sessellift plumpsen lässt, dann wird’s eng!

Vergessen wir nicht die Schafe, die ihrem Leithammel (je nach Gegend auch unter dem Begriff „Skilehrer“ bekannt) folgen und mit unterschiedlichem Erfolg versuchen, seine Schwünge nachzufahren.

Geradezu in prähistorische Zeiten zurückversetzt fühlt man sich, wenn ein Dinosaurier die Piste quert. Woran man ihn erkennt? An seinen mindestens 20 Jahre alten, ellenlangen Skis, die von vorne bis hinten gleich breit sind („Pommes Frites“), den Skischuhen mit Museumscharakter, einer ausgebleichten Jacke und einer SKA-Mütze auf dem baren Haupt. Für solche Kreaturen hat die Eule nur ein mildes Lächeln übrig. Aber meist begegnen sich die beiden Spezies ohnehin nicht, denn die Eule verlässt ihr Nest nach einer anstrengenden Nacht frühestens um die Mittagszeit und wenn sie nicht einen Wochenskipass im Sack hätte, würde sie erst nach der Pistenkontrolle das erste Mal frische Luft schnuppern.

Etwas untypisch für Skigebiete, aber dieses Jahr aufgrund der speziellen Schneesituation gehäuft anzutreffen sind Fische. Deren Mäuler haben sich in den vergangenen schneefreien Tagen immer mehr geöffnet und furchterregende Einblicke in die mächtige Schneedecke, Gletscherspalten gleich, freigegeben. (Der Begriff „Fischmaul“ ist übrigens keine Erfindung von mir, sondern die offizielle Bezeichnung für solche Risse in der Schneedecke.)

Die Vogelwelt ist auffallend gut vertreten. Nicht nur in Form von Schluckspechten, die erst nach dem Skitag an der Bar zur Hochform auflaufen, sondern auch als ganze Schwärme kreischender Vögel. Sind es Kraniche, Elstern oder doch nur Kanarienvögel? Ich konnte diese Gruppen von Jugendlichen zoologisch noch nicht richtig zuordnen.

Angesichts dieser doch stark übervertretenen Tierwelt mag ich es meinem innig geliebten Mitbewohner gönnen, dass er wenigstens einen richtigen Menschen auf der Piste angetroffen hat.