Wenn der Zucker zuckt

Ohne Zucker geht gar nichts. Es gäbe weder Kuchen noch Ketchup (obschon ich auf Letzteres problemlos verzichten könnte). Manchmal staunt man, wo und vor allem wie viel Zucker in den Lebensmitteln ist. Aber was wäre unsere gute Schweizer Schoggi ohne Zucker?

Zucker kennt auf diesem Planeten verschiedene Daseinsformen. Ganz konventionell in Ein-Kilo-Säcken. In den Varianten weiss, braun, Bio, gemahlen, pulverisiert. Oder gestampft. Ich kann mich zwar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Würfelzucker gesehen habe. Und in allen möglichen Formen mehr oder weniger adrett in Beutelchen verpackt. Nett portioniert, mit keiner anderen Bestimmung, als im Kaffee zu landen.

Es gibt Leute, die sammeln Zuckerbeutelchen. Mir ist dieses Los verwehrt, schmeisse ich doch auswärts etwas Zucker in meinen Kaffee. Das Beutelchen kann noch so originell bedruckt oder in einer fantasievollen Form daherkommen, es wird nie den Weg vom Café zu mir nach Hause finden.

Anders bei den Kafirähmli. Es gab mal eine Zeit, da sammelte ich diese bunt bedruckten Deckelchen. Und dies, obschon ich seit Jahrzehnten meinen Kaffee schwarz trinke. Man begeht ja so manche Dummheit in seinem Leben. Noch immer staune ich ab der Vielfalt der Kaffeerahm-Deckelchen und darüber, dass sich die Hersteller auch nach mehreren Jahrzehnten immer noch mehrmals pro Jahr Neues einfallen lassen.

Ich könnte mein Haushalts-Budget massiv aufpeppen, indem ich jeweils das Kafirähmli, das ich nie brauche, mit heim nehme. Seit mir mal so eines in der Handtasche ausgelaufen ist, bin ich von dieser Idee nicht mehr zu begeistern. Vielleicht sollte ich damit beginnen, Kafilöffeli zu sammeln. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sauber, pflegeleicht, kein Verfalldatum und auch sonst sehr robust.

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… und wie schmeckt Kaktus?

Wer hat sich diese Frage schon mal gestellt? Wahrscheinlich kaum jemand hierzulande. Sieht man mal ab von Frau Flohnmobil, die in Mexiko tatsächlich auf einem Markt Kaktusohren gekauft, gekocht und mit Genuss gegessen hatte.

Aber einen Kaktus getrunken, das hatte selbst Frau Flohnmobil noch nie. Ihr Gemütszustand darf demnach durchaus als kritisch-gespannt bezeichnet werden, als sie zum ersten Schluck ansetzte.

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Wie kommt man nur darauf, ein Getränk mit Kaktus-Aroma zu versetzen? Und was überhaupt ist Kaktus-Aroma? All meinen Kakteen mag ich jedenfalls keinen einzelnen Geschmack andichten.

Assoziieren die Tüftler dieses Gesöffs Kaktus-Aroma mit einer gewissen John-Wayne-Romantik? Vielleicht hatten sie folgendes Bild vor ihren Augen:

Der Protagonist – kurz vor dem Verdursten – stösst mit schleppendem Gang auf einen dicken, fetten Kaktus. Mit letzter, ach nein, mit allerletzter Kraft nimmt er seinen Schweizer Militärhegel aus dem Sack, verflucht einmal mehr den Entwickler dieses Präzisions-Werkzeugs, weil er mit seinen dicken Fingern kaum die Klinge öffnen kann. Dann machen die vor Schwäche zitternden Hände den lebensrettenden Schnitt. Der Kaktus ist halbiert, draus tropft das köstliche Nass. Unser Cowboy schlürft genüsslich. Das Kaktus-Wasser rinnt ihm aus den Mundwinkeln, versiegt auf dem staubigen Kragen seines Hemds. Es folgt ein längere Zeit anhaltender derben Flüche. Wie gut, dass die findigen Helvetier ihr Taschenmesser auch mit einer Pinzette versehen haben.

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Fazit :

a) Hätte es damals schon Vitamin Well Upgrade mit Kaktus-Geschmack gegeben, hätte der Cowboy nicht Stunden damit verbringen müssen, die Dornen aus seinen Fingern zu pfriemeln.

b) Hätte es in dem Getränk, das Frau Flohnmobil am Kiosk in Moutier kaufte, kein Kaktus-Aroma gehabt, sie hätte es wohl nicht bemerkt.

Wieder mal Getier auf dem Teller

Ob das etwas mit Telepathie zu tun gehabt hat – ich weiss es nicht. Sicher bin ich mir aber, dass der hier kürzlich erschienene Beitrag unschuldig dran ist. Denn…

… als das Telefon gestern klingelte, war der Fischerkollege meines verstorbenen Mannes dran. Ja, genau der, dem er sein Boot verkauft hatte. Und er fragte mich, ob ich Fisch wolle. Wie hätte ich da nein sagen können, weiss ich doch nur zu gut, wie gerne Fischer mitunter einen Teil ihres Fangs weitergeben. Besonders an Tagen wie gestern, wo man offenbar wieder mal problemlos “füllen”, also die Tages-Fangquote erreichen konnte.

So kam ich denn ganz unverhofft zu drei Felchen. Und dies erst noch ohne dreckige Küche, kamen die Fische doch anders als früher bereits als Filets daher. Vier der Filets fror ich ein, zwei landeten in der Bratpfanne. Nachdem ich über ein halbes Jahr keinen fangfrischen Fisch mehr gegessen hatte und ich früher öfters über die Felchen geschnödet hatte, schmeckten sie mir richtig, richtig gut.

Und weil ein Fisch bekanntlich schwimmen soll, holte ich eine Flasche Weisswein aus dem Keller. Ja, ihr braucht gar nicht so zu gucken, ganz für mich ganz alleine.

 

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PS: Die Flasche ist noch nicht leer.

Andere Länder – andere Sitten (7)

Man kann ja von den Amerikanern halten was man will. Selbst wenn sie jetzt einen neuen Präsidenten haben, dürfte sich an ihren kulinarischen Vorlieben nicht viel geändert haben.

Wenn man wie mein innig geliebter Mitbewohner und ich so lange dieses Land bereist hat, kommt man zwangsläufig ab und zu in den Sog absonderlicher US-amerikanischer Kulinaritäten. Eine davon ist ganz gewiss die Unsitte, selbst mitten im tiefsten Winter den ohnehin schon gekühlten Getränken noch Eiswürfel beizugeben. Und nicht etwa ein, zwei Würfelchen, sondern in der Regel mindestens einen halben Becher voll, bevor mit Softdrink aufgefüllt wird. Unser Standardsatz “without ice, please” wurde nicht gerne gehört und manchmal auch ignoriert. Merke: Eis ist billiger als Cola. Oder dieses widerlich süsse Gesöff, genannt Dr. Pepper, und was die Amis sonst noch in sich hineinschütten.

Vor Eiswürfeln bleiben im übrigen auch vergorene Rebensäfte nicht verschont! Was für ein tolles Erlebnis, wenn beim Anstossen die Eiswürfelchen im Weinglas herumdümpeln. Da der Amerikaner aber in der Regel weder “en Guete” wünscht, noch mit Wein anstösst (und wenn, dann guckt er garantiert nicht in deine Richtung), bleibt einem zumindest dies erspart.

Aber was soll man denn von diesem Hamburger-fressenden Volk schon erwarten? Wegen der kulinarischen Höhenflüge reist kein Europäer über den Atlantik. Dennoch, es geht noch schlimmer. Ich sag nur: Kaffee. Für mich ist Kaffee ein mehr oder weniger starkes Gebräu, das ich nur frisch zubereitet zu mir nehme. Kaffee, der stundenlang in der Thermos-Kanne oder auf einer Wärmeplatte warm gehalten wurde, finde ich absolut grässlich. Und wenn mir jemand zu einem Salatteller, Steak oder Pizza derartigen Kaffee anbieten will, rettet mich nur noch meine gute Kinderstube vor dem Kotzen. In den USA ist es gang und gäbe (und häufig gratis), zu sämtlichen Mahlzeiten Kaffee zu trinken und nicht nur zum Frühstück oder Dessert, wie wir uns das gewohnt sind.

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S o o o o   s o l l    K a f f e e !

Ja bin ich denn ein Fisch!!!

Beinahe könnte man meinen, Petrus hätte sich den Spruch

A   d e   P f i n g s t e   s c h i f f t s   a m   r i n g s t e .

zur Brust genommen. Jedenfalls wendet er ihn momentan sehr inbrünstig an. Und was macht der kultivierte Wohlstandsbürger in Zeiten, wo selbst Schnecken und Regenwürmer an einen trockenen Ort flüchten? Er hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten.

1. Er sucht sich einen trockenen Platz und ergibt sich seinem Schicksal.

2. Er flieht in den sonnigen Süden (was allerdings mit viel automobiler Geduld am Gotthard verbunden ist).

3. Er lässt sich nichts anmerken (das dürfte nur für hier mitlesende Fische und Amphibien zutreffen).

4. Er ergreift die Flucht nach vorne und begegnet der flüssigen Katastrophe mit flüssiger Gegenwehr (diese Methode – in der Light-Version – haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich gestern Abend angewandt und uns ein Glas Wein zum Essen gegönnt).

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Letzteres wird bei uns salopp als “d’Lampe fülle” (die Lampe füllen) bezeichnet. Dieses sinnlose Betrinken (Betrinken ist in meinen Augen immer sinnlos, es gibt keinen plausiblen Grund, sich volllaufen zu lassen) kennt bestimmt noch mehr lokal gefärbte Bezeichnungen.

Wie sagt ihr dazu?

Erkenntnisse aus dem Flaschenboden

Man kann von Alkohol halten was man will, er wird gerne und viel konsumiert. Und über die Festtage ganz besonders. Da darf es auch mal ein edlerer Tropfen sein. Oder eben auch nicht.

Wie schnell man vom Alkoholkonsum blau wird, hängt nicht nur von der eigenen Konstitution ab, sondern auch davon, was man in sich reinkippt. Und da habe ich am am 31. Dezember 2014 um 24.00 Uhr eine völlig neue, bahnbrechende Theorie entwickelt: Am meisten von einem Vollrausch hat man, wenn man sich ganz langsam mit schwachprozentigem Alkohol abfüllt. Am schnellsten geht es mit Schnaps. Am stilvollsten mit Champagner. Am teuersten, wenn man den Alk im Restaurant konsumiert. Am traurigsten, wenn man den Fusel alleine auf einer kalten Parkbank in sich rein schüttet. Am lautesten, wenn man an einem Kampfsaufen teilnimmt.

Meine bevorzugte Variante: ein gediegenes Glas Champagner auf dem heimischen Sofa zusammen mit meinem innig geliebten Mitbewohner und/oder lieben Freunden.

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Und es soll bitte niemand auf die Idee kommen, ich sei erst jetzt wieder nüchtern genug, einen Beitrag zu schreiben. Wir haben an der Flasche nämlich zwei Abende lang genuckelt.

Johannes der Säufer

Die Frage, die mich schon länger, und seit dem neuerlichen Ausflug ins Elsass erst recht beschäftigt, ist:
Wer säuft eigentlich den ganzen Wein, der da landauf, landab angebaut wird?

Elsass, bei Andlau

Kroatien

Weingut in der Provence

Im Douro-Tal, Portugal

Jurançon, bei Pau/Südwest-Frankreich

Anbauregion Chianti / Toskana

Er wird wohl nicht alles selber trinken, der Johannes der Säufer, oder?

Durst!

Durst hat im Moment nicht nur die Natur, Durst haben wir Alle täglich und immer wieder. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen zu löschen. Die einen schütten Bier in sich rein, Cola, Milch, isotonische Getränke, Tee oder Wasser. Die Tasse Kaffee, die gerade vor meinem Pult steht, trägt sicher nicht viel zum Durst löschen bei. Aber gut ist so eine Tasse Kaffee allemal.

Wasser ist der billigste Durstlöscher. Doch nur der kleinste Teil unseres Wasserverbrauchs landet in unseren Kehlen. Das Meiste spülen wir durch die Waschmaschine, das Klo, die Dusche, unsere Blumentöpfe, die Autowaschanlage.

Wer sich mal im Wasser sparen üben will (das ist bei uns in der Schweiz zwar alles andere als geläufig, aber wenn es so weitergeht, werden die ersten Rationierungsmassnahmen nicht mehr auf sich warten lassen), fahre mal mit dem Wohnmobil aus. Wenn man plötzlich nur noch mit dem Wasser auskommen muss, das der eingebaute Tank her gibt – in unserem Fall gut 100 Liter – kommt man früher oder später auf Ideen, wie man mit seinem Wasservorrat haushälterisch umgehen kann. Das Wasser vom Salat waschen dient zum Geschirr vorspülen, das Teigwaren-Wasser ebenso. Statt zu duschen wäscht man sich und für die Handwäsche der verschwitzten Velodresses müssen ein paar Liter genügen.

Letzte Woche wurde es in Frankreich trotz aller Sparmassnahmen wieder mal eng. Unser Wasservorrat ging langsam zur Neige und im Sundgau gab es weit und breit keine Brunnen oder öffentlichen Toiletten, wo man üblicherweise auch Wasserhähne anzapfen kann. Unsere Rettung war eine Tankstelle, wo wir nach Fragen in der Toilette unseren Kanister unter den Wasserhahn halten konnten.

Eigentlich müssten wir es längst wissen. Jede sich bietende Gelegenheit soll man nützen, um den Wasservorrat zu ergänzen. Jede, auch wenn der Tank noch fast voll ist. Wir hätten uns ein paar Tassen Kaffee aus etwas seltsamem Wasser ersparen können.

Pflicht-Mitglied im Soda-Club

Im Hause Flohnmobil war man von Anfang an begeistert gewesen von der Idee, Hahnenburger mit Kohlensäure zu versetzen, um so das eigene Sprudelwasser zu produzieren. „Soda Club“ hiess unser Schlüssel zum Glück. Hurra, nie mehr mussten wir Wasser schleppen, frohlockten mein innig geliebter Mitbewohner und ich unisono. Und tatsächlich, die Produktion funktioniert seit eh und je tadellos, nicht zuletzt, weil wir in der Schweiz allgemein über sehr gutes Leitungswasser verfügen. Wieso also sich Mineralwasser ins Haus holen, das quer durch halb Europa gekarrt wurde?

In den letzten 15 Jahren mussten wir für die Kohlensäurezylinder ständig Preisaufschläge hinnehmen. Eingestiegen sind wir mit Fr. 12.50 für eine Flasche. Dann erfolgte eine Preisanpassung auf 14.50, dann eine weitere, happige auf 17.50. Umgerechnet kostet so der Liter Sprudelwasser etwa 35 Rappen. Der Preisvorteil gegenüber abgefülltem Wasser ist in Zeiten von M-Budget Blööterliwasser längst dahin.

Trotzdem halten wir dem Soda-Club – mittlerweile warten wir jeden Tag darauf, zum Ehrenmitglied ernannt zu werden – die Treue. Ein erstes Gerät segnete die Zeit, das Zweite benutzen wir im Wohnmobil und das Dritte bereichert in seiner roten Eleganz unsere Küche.

Eine kleine Schlechtwetterfront zog am Soda-Club-Himmel auf, als innert kürzester Zeit zwei Flaschendeckel kaputt gingen. Die Spezialflaschen sind ja nicht ganz billig, und abgesehen davon waren sie noch längst nicht jenseits ihres Verfalldatums. In meiner Not wandte ich mich per Mail an den Kundendienst von Soda Club. Dieser teilte mir innert Tagesfrist telefonisch mit, ich würde zwei neue Deckel erhalten. Nicht nur kostenlos, sondern auch noch mit einer gebührenden Entschuldigung für die Umstände. Damit war ich mehr als zufrieden, vor allem, als ich das Postpaket öffnete, und nebst drei (farblich nicht passenden) Deckeln zwei nigel-nagel-neue Wasserflaschen zum Vorschein kamen.

Heute beim Einkaufen – hatte ich mich verhört? – nein, die Kassiererin verlangte tatsächlich 17.90. Schon wieder teurer! Seit Einführung des Systems haben die Gaszylinder um satte 43 % aufgeschlagen. Das dürfte einiges mehr sein, als mit der allgemeinen Teuerung zu erklären ist. Aus dem Club austreten mag ich trotzdem nicht, denn die Alternative ist wenig attraktiv: Wasser schleppen. Was mutet uns der Monopolist als nächstes zu?