Die japanische Koch-Show

“Ach schau mal, da kommen unsere Japaner wieder”, sagte meine Freundin Gabi. Das Entzücken, das in ihrer Stimme mitschwang, liess uns aufhorchen, und wir drehten alle Drei den Kopf. Ein japanisches Paar steuerte auf einen freien Tisch im Tuxerfernerhaus zu. Beide waren irgendwo zwischen 50 und 60. Gabi erzählte uns ausgesprochen detailgetreu, was sich bald abspielen würde, denn sie wurde offenbar schon mehrmals Zeugin des Spektakels. Und sie hatte nicht übertrieben.

Die zwei Japaner setzten sich und sie begann, aus dem Rucksack allerlei Plastikdöschen, Schälchen und Beutelchen hervorzuzaubern. Als letztes folgte eine Thermosflasche mit heissem Wasser. Dieses schüttete die Frau in zwei Schälchen, in denen sich irgend ein quellbares Trockenfutter befand. Dann stand sie auf und steuerte mit den beiden Schälchen die Mikrowelle an. Das Gerät ist grundsätzlich dafür gedacht, im Lokal gekaufte Speisen aufzuwärmen. Man kennt das ja von Kantinen und anderen Selbstbedienungs-Lokalen. Die Japanerin setzte die Mikrowelle mit ihren beiden Schälchen in Gang und kehrte danach wieder an den Tisch zurück.

Das Schauspiel ging weiter. Wir starrten alle mehr oder weniger diskret gebannt in die Richtung des Tisches. Dort wanderte der Inhalt diverser Döschen und Beutelchen in die zwei Schalen. Und angerichtet war’s. Der Japaner hatte in der Zwischenzeit keinen Finger gekrümmt, ausser den, den er pausenlos über sein Handy hatte streichen lassen. Die gemeinsame Mahlzeit begann. Beide schaufelten mit Stäbchen den Inhalt ihrer Schalen in den Kopf rein. Zwischendurch pickten sie mit ihren Stäbchen etwas aus den Beutelchen.

Keiner sprach ein Wort dabei. Als das japanische Festmahl offenbar beendet war, verräumte die Frau alles wieder in ihren Rucksack. Nun nahm auch sie ihr Handy hervor und schaute gebannt auf das Bildschirmchen. Gemeinsam sassen die Zwei noch eine Weile am Tisch und beschäftigten sich mit ihren Handys. Ob die Frau ihrem Gegenüber ein SMS schrieb, ob er genug gegessen habe oder ob sie sich anderweitig beschäftigte, werden wir nie erfahren. Aber der Betreiber des Lokals hätte es sicher geschätzt, wenn sie sich den Tee nicht auch noch selber gekocht hätten.

Wohlgefälliges Motzen

Den Inhalt meines Blogbeitrags mit dem Titel „Schlendrian zum Volltarif“ habe ich nicht nur hier veröffentlicht, sondern auch den Verantwortlichen vor Ort geschickt. Von dort ist mittlerweile folgende Antwort eingetroffen:

Sehr geehrte Familie Flohnmobil,

Herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen uns zu schreiben. Gerne möchten wir hierzu Stellung nehmen.

Wir verstehen Ihren Unmut und möchten Ihnen mitteilen, dass der Baustart des Tuxer Fernerhaus seit Beginn der Planungsphase mit 13. Mai 2013 festgelegt wurde. Die Schneelage und die warmen Temperaturen haben nun kurzfristig einen früheren Baustart mit 5. Mai 2013 zugelassen und durch das kurze Zeitfenster der Bauarbeiten von Mai bis September/Oktober wurde dieses genützt. Lieber würden wir unseren Gästen auch ein gemütliches Speiselokal für Ihre Einkehr bieten als nur den Containerimbiss, jedoch ist dies während der Bauarbeiten nicht möglich. Das neue Tuxer Fernerhaus wird ab Herbst 2013 das kulinarische Niveau am Hintertuxer Gletscher heben sowie den Komfort für unsere Gäste verbessern.

Als langjährige Tuxer Stammgäste sehen wir es als Selbstverständlichkeit an, Sie mit 2 Gutscheinen für einen Tagesskipass für Ihren nächsten Urlaub zu entschädigen. Die Gutscheine erhalten Sie in den nächsten Tagen per Post.

Wir freuen uns schon Sie nächstes Jahr im neuen Tuxer Fernerhaus begrüßen zu können!

Liebe Grüße aus Hintertux
Sarah Moser, Leitung Marketing
Zillertaler Gletscherbahn GmbH & CO KG

Na also, geht doch!

Das Tuxerfernerhaus – oder was noch davon übrig ist – am 9. Mai 2013.
Man beachte: Hier wurde am Auffahrts-Tag gearbeitet.

Schlendrian zum Volltarif

Der Spruch „alles zu seiner Zeit“ mag seine Berechtigung haben. Es ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen, dass Skifahren jetzt nicht mehr so das eigentlich Richtige ist. Dennoch lässt sich der Sport noch ausüben und es gibt Leute, die Freude daran haben, und andere, die an der Freude der Anderen ihr Geld verdienen.

So liegt es in der Natur derer, die Geld verdienen, dass sie durchaus auch mehr nehmen würden. Während die, die für eine Leistung bezahlen, stets finden, es dürfte durchaus etwas weniger kosten.

Hier am Hintertuxer Gletscher wird momentan der Gast geschröpft, während das Angebot bereits massiv heruntergefahren wurde. Es verkehrt weder der kostenlose Skibus noch werden die Pisten ansprechend präpariert. Die Gipfelbahn ist bereits in Revision und die Pistenbully-Fahrer scheinen vollauf damit beschäftigt, den verbleibenden Schnee zu horten, zusammenzuschieben und an bestimmten Stellen mit weissen Tüchern abzudecken. (Merke: Am Hintertuxergletscher kann man 365 Tage im Jahr Ski fahren.)

Dafür wird das Tuxerfernerhaus gerade abgerissen, was den Aufenthalt bzw. die Verpflegung im Skigebiet massiv beeinträchtigt, muss doch mit der Bahn zur tiefer gelegenen Sommerbergalm heruntergefahren werden, wenn man ein Hüngerchen oder Dürstchen verspürt und nicht in einem Baucontainer essen will. Wir waren in früheren Jahren immer in der 2. Maiwoche in Hintertux und nahmen in Kauf, dass die Gipfelbahn bereits in Revision war. Doch dieses Jahr wird für den Liftpass noch bis am 10. Mai der Volltarif verlangt trotz sämtlicher eingangs erwähnter Einschränkungen. Vermutlich rechnet man sich aus, dass wegen dem Auffahrts-Tag etliche zusätzliche Gäste anreisen werden.

Wir finden: Schweinerei!!!