Jäten, jäten, jäten

Letztes Jahr hatte ich die vage Vermutung geäussert, ich könnte mich über kurz oder lang arbeitslos jäten. Nun weiss ich: Davon bin ich noch weit entfernt.

Im dritten Jahr schon rupfe ich mit einer Hartnäckigkeit, die ich mir selber nie zugetraut hätte, mehrmals pro Jahr in unserem Garten alle  Berufskräuter, die mir begegnen, aus. Dieses Jahr scheint es mir trotz aller Bemühungen mehr von diesem lästigen Neopyhten zu haben denn je. Von weitem schaut die Blumenwiese durchaus schön aus.

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Aus der Nähe jedoch offenbart sich die ganze Misere:

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Die hartnäckige Pflanze verdrängt länger je mehr alles, was eine schöne Blumenwiese ausmachen könnte. Deshalb musste ich einmal mehr zu radikalen Massnahmen greifen und die Wiese sah nach meiner zwei Tage dauernden Aktion aus, als hätte eine Rotte Wildschweine ihr Unwesen getrieben.

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Das war wohl vorher mal satt grün, aber nicht mit der gewünschten Sorte bewachsen.

Seit ich gelesen habe, dass Samen bis 5 Jahre lang im Boden keimfähig bleiben und man demzufolge sechs Jahre lang konsequent jäten muss, bis das Berufskraut verschwunden ist, sind auch meine Illusionen verschwunden, demnächst von diesem lästigen Einwanderer befreit zu werden.

Wer mehr über die Bekämpfung des einjährigen Berufskrauts (das leider alles andere als einjährig ist…) wissen will, wird HIER fündig.

Berufung Berufskraut

“Buon Giorno.” Ich blicke von meiner Arbeit auf, sehe die alte Frau auf dem Balkon stehen und sage ebenfalls: “Buon Giorno.” “Was machen Sie?” fragt mich die Frau nun auf Deutsch, mit deutlichem Akzent. Ja, was mache ich eigentlich? Das habe ich mich in den vergangenen Stunden oftmals gefragt. Da ich nicht weiss, wie gut die Frau Deutsch spricht, lange ich in den Kübel, der seit den Morgenstunden mein Begleiter ist und halte ein Kraut in die Höhe. “Ausreissen.”

Ich weiss nicht, ob die Frau das versteht. Weder in Worten, noch wie man es sich antun konnte, stundenlang mit einem Stechgerät diese Sisyphus-Arbeit zu verrichten. Mal auf den Knien im Gras, mal mit gebeugtem Rücken, mal seitwärts, dann wieder sitzend, mal ganz in der Nähe, mal total ausgestreckt. Mit wenig System und doch zielführend.

Eineinhalb Tage lang war ich damit beschäftigt, diesem Kraut mit dem harmlos klingenden Namen “einjähriges Berufskraut” habhaft zu werden. Die ganze Wiese war übersät davon. Früher hiess es noch, dieser Neophyt liesse sich durch regelmässiges Mähen vor der Blüte in Schach halten. Tatsache ist aber, dass er so lediglich ganz tief liegende Verzweigungen ausbildet und aus einer Pflanze mindestens deren zwei werden. Und ausserdem wird das lästige Gestrüpp so mehrjährig!

Die einzig wahre Gegenmassnahme, wenn man nicht gleich den ganzen Rasen neu machen will, ist jäten. Das Kraut muss mitsamt der Wurzel ausgerissen werden. Und das habe ich wie erwähnt eineinhalb Tage lang getan. Mein Rücken schmerzt. An meinen Beinen und Armen spüre ich Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt, meine Hände tun selbst jetzt beim Schreiben weh. Nach diesen ungewohnten Strapazen erscheint mir die bevorstehende Mehrtageswanderung als regelrechter Kindergeburtstag.

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