Ein weitgereistes Teil

Es ist eins dieser Teile, über die ich schon lange mal schreiben wollte. Es ist bemerkenswert klein, bemerkenswert weitgereist und in erster Linie bemerkenswert zäh.

Während andere Kunststoff-Verpackungen gerade mal den Weg vom Laden heim in die gute Stube finden und dann im Abfall landen, begleitet mich dieses Teil schon über 20 Jahre. Ich kann mich genau erinnern, wo ich es gekauft habe: Beim allerersten Grosseinkauf, den mein Mann und ich tätigten, als wir im März 1999 endlich unseren Camper einigermassen fertig eingerichtet hatten und den Molloch Los Angeles hinter uns lassen konnten.

Das Teilchen gefiel mir wegen seiner Grösse, nichts desto trotz war ich auf seinen Inhalt erpicht. Während dieser einer gewissen Vergänglichkeit unterworfen war, avancierte seine Verpackung zum nachfüllbaren Dauerbrenner. Sie begleitet mich seither auf jeder einzelnen meiner Reisen, egal wie lang oder kurz. Die Wattestäbchen stecken immer in einem Fach meines Necessaires (zu deutsch: Kulturbeutel). Vor kurzem besorgte ich mir ein neues Necessaire (welch Wunder, nach über 15 Jahren führte Jack Wolfskin das gleiche Modell noch immer im Sortiment). Die Kunststoff-Verpackung musste sich also nicht gross umgewöhnen. Ich mich im übrigen auch nicht.

Keine Ahnung, wie oft ich schon Wattestäbchen nachgefüllt habe. Es dürften über die Jahre bestimmt über hundert Mal gewesen sein. Zugegeben, die Verpackung hat etwas gelitten, der Deckel schliesst aber noch immer. Ich wäre untröstlich, würde das Teilchen sich dereinst in seine Bestandteile auflösen. Vermutlich würde ich sogar versuchen, es zu flicken. Ich müsste dann einfach schauen, dass das Flickzeug mich nicht teurer zu stehen kommt, als 24 neue Wattestäbchen samt Verpackung.

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Der Beginn meines Flohnerlebens

Endlich ist es soweit! Wir sitzen an Bord einer MD 11 der Swissair. Flug SR 106 bringt uns von Zürich in rund 12 Stunden nach Los Angeles. Im Frachtraum fliegt unser Gepäck, bestehend aus 3 Kartonschachteln, einer Reisetasche und 2 Bikes, mit.

Wir erwischen tolles Flugwetter, praktisch auf dem ganzen Weg sehen wir auf den Boden, obschon wir auf über 10’000 Meter Höhe fliegen. Insbesondere die Sicht auf Grönland, Neufundland und Kanada mit den endlosen Gletschern und zugefrorenen Meeren über tausende von Kilometern haben uns beeindruckt. Aus der Luft sind auch die Städt Salt Lake City und Las Vegas bestens zu erkennen.

Der Anflug auf Los Angeles führt im Tiefflug über die Stadt. Wir erhalten einen ersten Eindruck von der Grösse dieser 14-Mio.-Stadt.

Der Immigration Officer erteilt uns – ohne auch nur ein Wort zu sagen, geschweige denn unsere Papiere sehen zu wollen – eine Aufenthaltsbewilligung für 6 Monate. Die erste Hürde wäre geschafft. Auch beim Zoll haben wir mit unserem Gepäck keine Probleme.

So begann es, mein Flohnerleben. Genau heute vor 20 Jahren. Die obigen Zeilen stammen aus unserem Reise-Tagebuch.

Mein Mann war schon ein gutes Jahr zuvor frühzeitig in Rente gegangen und ich hatte bis wenige Tage davor gearbeitet. Für unsere Wohnung hatten wir eine Mieterin gesucht, uns bei der Gemeinde abgemeldet. Wir hatten im Internet (vor 20 Jahren noch eine eher kühne Angelegenheit!) in Los Angeles einen Camper gekauft bei einem Deutschen Ehepaar, das dort seit einigen Jahren Handel mit ehemaligen Mietfahrzeugen von namhaften Vermietungsstationen betrieb. Wir hatten keine Ahnung, wie lange wir unterwegs sein würden. Wie lange wir es gemeinsam auf so engem Raum aushalten würden. Unseren Rückflug hatten wir nur aus Kostengründen gebucht und weil er uns die Einreise erleichterte.  Allem voran konnte ich es mir nicht richtig vorstellen, dass es einem den ganzen Tag nicht langweilig werden kann, wenn man nicht zur Arbeit kann!

Längst weiss ich, dass ich bestens ohne Arbeit auskomme. Die Reiserei hat mich nicht nur gelernt, mit wenig auszukommen, sondern auch die vermeintlichen Selbstverständlichkeiten meines Daseins zu hinterfragen und neu einzusortieren.

Aus den anfänglich als Mindestvariante vorgesehenen sechs Monaten wurde wesentlich mehr. Unsere Reise durch USA, Kanada, Mexiko und Guatemala dauerte vom 10. März 1999 bis 5. Juni 2001. Dazwischen waren wir drei Monate daheim um Ski zu fahren. Eine unvergessliche Zeit mit vielen Eindrücken, die langsam schwinden. Es ist höchste Zeit, mal wieder das Tagebuch von damals hervor zu nehmen und die Erinnerung an diese Zeit etwas aufzufrischen.

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Im White Sands Monument

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Joshuha Tree National Park

Mounment Valley

Monument Valley – kennt ja jeder, aber wir waren dort

Tischlein deck dick

Hier wieder mal eine Anekdote aus der guten alten Zeit, die nie mehr wieder kommen wird. Wir schreiben das Jahr 1999. Mein Mann und ich haben soeben in Los Angeles einen Camper gekauft und sind dran, diesen einzurichten. Die Einkaufsliste ist beträchtlich, immerhin beabsichtigen wir, zumindest für die kommenden sechs Monate im Camper herumzureisen. Wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, werden aus den angedachten sechs Monaten mehr als zwei Jahre.

Als wir dieses grässliche Los Angeles endlich hinter uns lassen können und unsere Siebensachen eingermassen beisammen haben, finden wir schnell heraus, dass es nie schwierig ist, einen geeigneten Picknickplatz zu finden. Übers ganze Land verteilt gibt es gut eingerichtete solcher Rest Areas. Zum Standard gehört zumindest ein mehr oder weniger grosser Parkplatz, Picknicktische mit Bänken, häufig Feuerstellen, ganz sicher ein überdimensional grosser Abfalleimer. Da wir – im Gegensatz zu den meisten Amerikanern – Tischmanieren haben und weder im Stehen noch aus Papiertüten essen, ist es uns ein Anliegen, auf die häufig nicht sehr sauber wirkenden Tische ein Tischtuch zu drapieren. Schliesslich weckt ein nett gedeckter Tisch die Vorfreude auf das Essen. Und zeugt ausserdem von Stil.

Wir machen uns auf die Suche nach einer Tischdecke. Pflegeleicht soll sie sein. Abwaschbar selbstverständlich. Und gefallen sollte sie uns auch noch. Letzteres stellt sich als relativ einfach heraus. Die Sache mit der Abwaschbarkeit auch noch einigermassen. Aber wieso müssen all diese Tischtücher einen Flaum auf der Rückseite haben? Wir ärgern uns über diese Unart, verfängt sich dieses flaumige Zeugs doch häufig an den derben Planken der Tische. In jedem erdenklichen Laden halten wir Ausschau nach einem Tischtuch, wie sie es bei uns an jeder Ecke entweder fixfertig oder ab der Rolle gibt. Vergebens! Alle amerikanischen Plastik-Tischtücher scheinen rückseitig beflaumt zu sein.

Wir erweitern unseren Horizont. Was könnte noch als Tischdecke dienen? In unserer Not hätten wir selbst zu einem Duschvorhang gegriffen! Die Rettung naht in Form meines Patenkindes, das zusammen mit ihrem Bruder für vier Wochen mitreist. Unsere Bestellung in die Heimat: Eine Tischdecke aus solidem Kunststoff. Oder besser gleich zwei, eine in Reserve.

Ein knappes halbes Jahr später werden wir selber für drei Monate heim fliegen um die Skisaison nicht zu verpassen. Jedem, der es ausgehalten hat, diesen Beitrag bis hierhin zu lesen, wird klar sein, dass wir auf Flug zurück nach Florida, wo unser Fahrzeug eingestellt war, einige Quadratmeter Plastik-Tischtuch ab der Rolle im Gepäck hatten.

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Wie man sieht, kann die Tischdecke mitunter auch mal entartet werden. Hier an einem Fluss in Alaska. Ich nehme an, mein Mann war dort mit Angeln beschäftigt, während ich hier mutmasslich Spanisch büffle für den bevorstehenden Winter in Mexiko.

Andere Länder – andere Sitten (7)

Man kann ja von den Amerikanern halten was man will. Selbst wenn sie jetzt einen neuen Präsidenten haben, dürfte sich an ihren kulinarischen Vorlieben nicht viel geändert haben.

Wenn man wie mein innig geliebter Mitbewohner und ich so lange dieses Land bereist hat, kommt man zwangsläufig ab und zu in den Sog absonderlicher US-amerikanischer Kulinaritäten. Eine davon ist ganz gewiss die Unsitte, selbst mitten im tiefsten Winter den ohnehin schon gekühlten Getränken noch Eiswürfel beizugeben. Und nicht etwa ein, zwei Würfelchen, sondern in der Regel mindestens einen halben Becher voll, bevor mit Softdrink aufgefüllt wird. Unser Standardsatz “without ice, please” wurde nicht gerne gehört und manchmal auch ignoriert. Merke: Eis ist billiger als Cola. Oder dieses widerlich süsse Gesöff, genannt Dr. Pepper, und was die Amis sonst noch in sich hineinschütten.

Vor Eiswürfeln bleiben im übrigen auch vergorene Rebensäfte nicht verschont! Was für ein tolles Erlebnis, wenn beim Anstossen die Eiswürfelchen im Weinglas herumdümpeln. Da der Amerikaner aber in der Regel weder “en Guete” wünscht, noch mit Wein anstösst (und wenn, dann guckt er garantiert nicht in deine Richtung), bleibt einem zumindest dies erspart.

Aber was soll man denn von diesem Hamburger-fressenden Volk schon erwarten? Wegen der kulinarischen Höhenflüge reist kein Europäer über den Atlantik. Dennoch, es geht noch schlimmer. Ich sag nur: Kaffee. Für mich ist Kaffee ein mehr oder weniger starkes Gebräu, das ich nur frisch zubereitet zu mir nehme. Kaffee, der stundenlang in der Thermos-Kanne oder auf einer Wärmeplatte warm gehalten wurde, finde ich absolut grässlich. Und wenn mir jemand zu einem Salatteller, Steak oder Pizza derartigen Kaffee anbieten will, rettet mich nur noch meine gute Kinderstube vor dem Kotzen. In den USA ist es gang und gäbe (und häufig gratis), zu sämtlichen Mahlzeiten Kaffee zu trinken und nicht nur zum Frühstück oder Dessert, wie wir uns das gewohnt sind.

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S o o o o   s o l l    K a f f e e !

Andere Länder – andere Sitten (4)

Bei uns wird der Christbaum erst an Weihnachten aufgestellt. Das Bäumchen wird vielleicht schon Tage oder Wochen zuvor gekauft, aber in die gute Stube kommt es erst an Weihnachten.

In den USA haben wir das anders erlebt. Dort waren wir in Florida bei Leuten zu Besuch, die hatten ihren Baum schon seit Ende November im Wohnzimmer. Vom Baum sah man zwar nicht mehr wirklich viel, derart überladen mit Kugeln und Kitsch war er. Selbstredend, dass der Baum aus Kunststoff war. Aber das hat angesichts der opulenten Verunstaltung nicht weiter gestört.

Dass es in Florida nie weisse Weihnachten gibt, ist dort so selbstverständlich, wie der Plastikbaum, der die ganze Adventszeit über schon im Wohnzimmer steht. Das heisst jedoch nicht, dass dort nie Schnee fällt. Die Leute, bei denen wir damals zu Gast waren, hatten uns voller Vorfreude erzählt, dass sie mit ihren Enkelkindern in ein Städtchen fahren würden, wo es zu bestimmten Zeiten in einem bestimmten Gässchen schneie. Das muss ein Bild sein, wenn man im T-Shirt unter dem Flöckchenreigen aus der Kanone steht und sich beschneestöbern lässt! Hätte mich nicht gewundert, wenn die ganze Pracht noch Eintritt gekostet hätte…

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Wie handhabt ihr das an Weihnachten?

Echter Tannenbaum?
Ein Tannenbaum, den man nach den Festtagen wieder in die Kartonschachtel verräumt?
Oder die Variante Flohnmobil (das Baum aufstellen und schmücken den Anderen überlassen und über Weihnachts-Dekorationen schnöden)?

Andere Länder – andere Sitten (1)

Es gibt Sitten und Bräuche, die halten sich hartnäckig nur in einer bestimmten Ecke auf diesem Planeten, andere werden gnadenlos exportiert und kommerziell ausgeschlachtet. Eine derartige Sitte, dass sich für mich regelrecht zur UN-Sitte mutiert ist, ist Halloween. Mögen die Amerikaner ihren Spass dran haben – ich habe ihn garantiert nicht.

Dennoch möchte ich den heutigen Tag zum Anlass nehmen, hier eine neue Serie zu lancieren über Sitten und Gebräuche in anderen Ländern. Und zwar vorwiegend solche, mit denen ich auf unseren Reisen selber konfrontiert war. Solche, die man in keinem Reiseführer nachlesen kann. Erheiternd, vielleicht auch mal nachdenklich stimmend, mitunter absurd oder einfach nur Kopfschütteln verursachend.

Den Anfang macht Halloween. Eindeutig kein Mitteleuropäischer Brauch, dennoch hierzulande zelebriert. Allerdings köcheln die Halloween-Aktivitäten hier auf Sparflamme. Ganz im Gegensatz zu den USA. Was wir dort erlebt haben, stand im Flohnmobil vor Jahren schon zu lesen. Und ist noch immer lesenswert. Seid mutig und klickt auf diesen Link.

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Gedankenflug über den Atlantik

Bevor wir unsere erste grosse Reise antreten konnten, gab es ganz schön viel zu erledigen, zu bedenken, zu organisieren.

Wie reisen?
Was geschieht mit der Wohnung?
Wer erledigt unsere administrativen Sachen?
Wo anfangen?
….?

Nur eine Frage stellte sich uns nicht:

Wie lange?

Wir hielten uns zwar eine Hintertüre offen, um jederzeit wieder nach Hause kommen zu können, aber das Letzte, das wir wollten, war ein fixes Rückflugdatum. So buchten wir zwar einen Flug nach Los Angeles mit Rückflug, diesen liessen wir aber bewusst verfallen (ein einfaches Ticket wäre ausserdem teurer gekommen). Das Rückflugticket war unsere Eintrittskarte in die USA. Langzeitreisen waren 1999 in den USA noch einigermassen gut möglich.

All diese Sachen kommen wieder hoch, während ich im Geiste mit Lena und ihrer Familie deren bevorstehenden Reise entgegenfiebere. Ihre Planung wurde gehörig über den Haufen geworfen, doch sie liessen sich nicht entmutigen, haben kurzfristig umgestellt und sind nun kurz davor, als vierköpfige Familie mit dem Auto elf Monate lang Europa zu bereisen. Ihre Reisevorbereitungen sind hier unterhaltsam beschrieben, auch der Tiefschlag, den sie verkraften mussten.

Kurzum: Den Flohnmobil-Lesern kann ich den Blog wärmstens ans Herz legen und dem vierblättrigen Kleeblatt wünsche ich die nötige Neugierde, das vielzitierte Quäntchen Glück und selbstverständlich gute Gesundheit bei der Umsetzung ihres Projekts.

Gute Reise!

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Wann genau Annette Weber im Canyon de Chelly in Arizona/USA herumgekurvt ist, weiss ich nicht.

Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sie angesichts der steinigen Pampa gedacht haben muss, dass das einsame Warnschild am ehesten noch die Hinterlassenschaft eines 1.-April-Scherzes ist.

Leute, lasst euch nicht narren heute!

Herzlichen Dank, Annette, für dieses Bild, das meinen Erinnerungen an Arizona frischen Schub verliehen hat.

Öfters mal Panne (31)

… oder: Was rumpelt denn da?

Ich behaupte: Jede Panne kommt aus hellheiterem Himmel. Denn hätte sie sich angekündigt, hätte man ja rechtzeitig etwas gegen das drohende Unheil unternehmen können. Oder nicht?

Mein innig geliebter Mitreisender war schon immer ein Sensibelchen, wenn es um seinen fahrbaren Untersatz ging. Dass er jeglichen Ärger mit einem darniederliegenden Auto vermeiden wollte, liegt auf der Hand. Sobald er nämlich irgendetwas feststellte, das nicht war wie sonst, war es um sein Seelenheil geschehen. Das war umso schlimmer, als dass unser Camper nicht nur Auto, sondern auch Schlafzimmer, Küche, Bad und Esszimmer war.

Um nochmals zum Seelenheil des Mitreisenden zurückzukommen, darum war es auch geschehen, als wir über den Blue Ridge Parkway im Osten der USA tuckerten. Kurz nach unserem Mittagshalt stellte er beim fahren nämlich abnormale Geräusche und leichte Vibrationen fest. Meinen technisch unbelasteten Ohren wäre das Rumoren nicht aufgefallen, der Mitreisende dagegen legte sich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit unter den Camper. Die Obduktion ergab: Kreuzgelenke an der Kardan-Welle ausgeschlagen.

Ich wusste mit dieser Diagnose nichts anzufangen und stellte einmal mehr die Frage, die dem Mitreisenden im besten Fall ein verständnisloses Lächeln entlockte, im schlimmsten Fall einen längeren Vortrag: „Wie weit kommen wir noch damit?“ In Anbetracht der ihm bevorstehenden schlaflosen Nacht entschied sich der Mitreisende, sofort Massnahmen zu ergreifen. Wir fuhren in den nächstgelegenen grösseren Ort. Trotz Ladenschluss erkannte der freundliche Verkäufer bei NAPA unsere missliche Lage, verkaufte uns die passenden Ersatzteile und empfahl uns eine Werkstätte.

Diese lag gleich um die Ecke. Dort beschied man uns, es würde binnen einer halben Stunde ein Mechaniker seinen Dienst antreten, der sich hier ein Zubrot verdiene. Um Schlag 17.30 Uhr traf dieser ein und begann an unserem Dodge zu hantieren. Was dann geschah, brach dem Mitreisenden beinahe das Herz, musste er doch mit ansehen, wie die Kugellager, die bei uns mit einer Presse an den richtigen Ort gedrückt worden wären, durch ein paar gezielte und einige weniger gezielte Schläge mit dem Hammer traktiert wurden. Nichts desto trotz war eine knappe Stunde später alles wieder montiert und funktionsfähig.

Nun stelle man sich eine ähnliche Situation bei uns vor. Die Misere bestünde schon mal darin, dass man erst in ein paar Tagen einen Termin in der Werkstatt erhielte. Dann könnte man ganz, aber gaaanz sicher kein Ersatzteil mitbringen, das montiert würde. Und schliesslich würde die Rechnung etwas grösser ausfallen. Uns dagegen hatte die Reparatur der Kardan-Welle gerade mal 55 US$ gekostet. Samt Trinkgeld, dafür ohne Bürokratie. Und binnen weniger als einem halben Tag war unser Auto wieder flott.

Hatte ich beim Aufwachen noch nicht mal gewusst, dass unser Fahrzeug eine Kardan-Welle hatte, wusste ich beim Einschlafen nicht nur, wie so etwas aussah, sondern auch noch, wie die diversen Teile drum herum auf Englisch hiessen. So etwas nennt man wohl „technischer Fortschritt“!