Unter anderen Vorzeichen

Es hat sich so einiges geändert, seit ich vor ziemlich genau 4 Jahren in San Bernardino zu einer Wanderung gestartet bin, die beinahe meine Letzte mit der eben erst entdeckten Gruppe geworden wäre.

Grundlegende Änderung: Ich habe die gestrige Wanderung selber organisiert. Und dies – noch viel grundlegender – unter dem wachsamen Auge des Berglers, der das Val Vignun schon einmal durchwandert hat.

Nach angenehm kurzer Anreise (zumindest für den Bergler und mich) starten wir unter Voraussetzungen, die der Wetterbericht als “ideales Wanderwetter” bezeichnet hat.

20210821_110434

Über diese Aussage lässt sich trefflich streiten, vor allem, wenn man bei der Mittagsrast leicht schlotternd zu allerhand Textilien greift. Aber grundsätzlich ist das auf hohem Niveau gejammert.

20210821_115043

20210821_12522120210821_125536

In flottem Tempo erreicht unsere Gruppe den höchsten Punkt,

20210821_130738

um sich sogleich auf der anderen Seite an den etwas anspruchsvollen Abstieg zu wagen.

IMG_2738

20210821_133913

Durchs ursprüngliche Val Curcuisa fliesst ein wildes Gewässer mit dem unmöglichen Namen “Areuabach”.

20210821_141251

Auch auf den letzten Kilometern ist nochmals Konzentration gefragt.

20210821_14382420210821_145657

Nufenen in Sicht! Aber wie ich bestens weiss, führt der Weg nicht auf direktem Weg dorthin.

20210821_150207

San Bernardino – Val Vignun – Nufenen.
15 km Streckenlänge, je ca. 1’000 m ufe und abe.

Weitere Infos und Bilder gibt es HIER nachzugucken.

Der Traum einer Wanderung

Es war mehr zufällig, dass ich auf diese Wanderung aufmerksam wurde. Selbst in Zeiten von diversen Planungstools, mein Favorit übrigens Schweiz Mobil, entdeckt man ja gerade auf einer Wanderung eine neue Wanderung. Das war im Fall des Val Curciusa nicht anders.

Während andere Leute ihre Wander-Projekte sorgsam aufschreiben, habe ich meine “Liste” im Kopf. Und früher oder später kommen diese Projekte wieder ans Tageslicht. Über die Wanderung durchs Val Curciusa fand ich zu wenig verlässliche Angaben und beschloss daher, dass diese Tour eher ungeeignet sei, um sie alleine anzugehen.

Natürlich habe ich mich gefreut, dass der Leiter meiner neuen Wandertruppe meine arglos gestellte Frage so schnell in die Tat umsetzte, aber hinter meiner Erkundigung vor einer Woche lag also höchstens ein bisschen Absicht, gäll Beat.

Wie auch immer, am letzten Sommertag dieses Jahres, also gestern, startete unsere Wanderung in San Bernardino.

Der Anstieg zur Bocchetta de Curciusa war mitunter ziemlich direkt,

DSC08053

nicht selten auch etwas abschüssig

DSC08056

und von nicht mehr wirklich sommerlichem Wetter begleitet.

DSC08054

DSC08058

Auf der 2’388 m hohen Bocchetta de Curciusa verzogen sich die Nebelbänke allmählich.

DSC08059

Viel Gras wächst auf dieser Höhe wahrlich nicht. Nimmt mich bloss wunder, wovon diese eher scheuen Rinder leben.

DSC08060

Allmählich wird der Blick ins obere Val Curciusa frei,

DSC08064

und wir sehen den langen, aber nicht allzu steilen Abstieg vor uns.

DSC08066

An Wegzeichen fehlt es wahrlich nicht. Den Weg muss man sich zwischen den Felsblöcken oftmals selber suchen.

DSC08067

Ist das nicht ein Traum? Das Val Curciusa wird wohl nicht allzu häufig begangen. Im zeitigen Sommer oder nach Regenfällen dürfte die Überquerung der zahlreichen Wasserläufe mitunter etwas schwierig sein.

DSC08069

Das abgelegene Tal wird im Sommer von zahlreichen Tieren bewohnt. In der Fläche weiden Rinder und Pferde, an den steilen Hängen blökende Schafe.

DSC08071

DSC08073

DSC08074

DSC08075

Die Alp de Rog befindet sich relativ weit vorne im Tal. Hätten sich in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts Umweltschutz-Verbände nicht vehement dagegen gewehrt, wäre das Tal unter Wasser gesetzt worden und wohl auch diese Alp unter den Fluten verschwunden.

DSC08076

Auch unterhalb der Alp de Rog gibt es nur einen Fusspfad. Es ist somit eine der wenigen bewirtschafteten Alpen, die nicht mit einem Fahrzeug zu erreichen sind.

DSC08077

Es war eine wunderschöne Wanderung in landschaftlich einmaliger, ursprünglicher Umgebung. Leider war die Zusammensetzung der Gruppe diesmal nicht so harmonisch. Die Giftpfeile, die laufend abgeschossen wurden, taten dem Anlass Unrecht. Wäre dies meine erste Wanderung mit den FF gewesen, wäre meine Beurteilung dieser Wandertruppe wahrscheinlich nicht so euphorisch ausgefallen.

Für trittsichere, geübte Wanderer ist das Val Curciusa eine überaus lohnende Tour, die in sechs Stunden zu machen ist.

Vielen Dank fürs Organisieren, Beat!

Weitere Infos zur Tour gibt es hier.