Prioritäten festlegen

Ich stand am Bahnhof, der Rucksack hing schwer an meinen Schultern. Im Geiste scannte ich seinen Inhalt. War irgend etwas daheim geblieben?

Eiskalt lief es mir den Rücken runter. Das Handykabel!!!!!!

Ich überlegte fieberhaft. Wie konnte ich morgens um Sechs ein Ladekabel beschaffen? Ich hatte es doch beim Umsteigen gemütlich angehen und einen Kaffee trinken wollen.

Ich stand vor der schwerwiegenden Entscheidung: auf eine lebenserhaltende Tasse Kaffee verzichten…..

…. oder die kommenden Tage von der digitalen Welt abgenabelt zu sein.

Wie hättet ihr entschieden?

Guter Rat ist teuer

Wenn ich sagen müsste, wie viele Male ich schon Koffer gepackt habe, müsste ich kläglich eingestehen, dass ich es nicht annähernd sagen könnte. Allein schon die Wochenenden in meinen jüngeren Jahren, an denen ich in die Berge fuhr um zu klettern, Ski fahren, Skitouren zu unternehmen. Dann sämtliche Ferien. Und innerhalb der Ferien auch wieder packen. Nein, ich habe nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung, wie oft ich gepackt habe.

Was ich dagegen sehr genau weiss: Ich habe immer mal wieder etwas vergessen. Mal die passenden Socken. Dann den eigens für den Anlass eingekauften Wein. Einmal auch die Gore-Tex-Jacke. Letzteres merkte ich erst kurz unter dem Gipfel des 4’017 m hohen Weissmies und ich kann euch sagen: Es war reichlich frisch dort oben.

Jüngster Streich: Wir fuhren Richtung Bündnerland zu meiner Mutter. Im Geiste ging ich meine Reisetasche durch. Viel hatte ich nicht mitnehmen müssen, war es doch noch Sommer und wir blieben nur drei, vier Tage. Dann – boing – traf mich die Erkenntnis: Ich hatte wieder mal was Wichtiges vergessen. Die Details hätte ich euch gerne erspart, aber sie sind wichtig für den weiteren Verlauf dieses Texts. Ich hatte nämlich keine Unterhosen dabei. Nicht ein einziges Paar. Jawohl. So eine bin ich, die einfach ohne frische Unterwäsche das Haus verlässt. Zum Glück war es unter der Woche und ich konnte mich auf dem Weg nach Brigels mit einschlägigen Textilien eindecken. Für den Spott musste ich an diesem Tag natürlich nicht mehr sorgen.

Meine Mutter hatte mir als Kind immer eingebläut, ich solle jeden Tag saubere Unterwäsche anziehen, man wisse ja nie, wenn ich plötzlich ins Spital müsse, und ich wolle mich doch sicher nicht wegen dreckiger Unterhosen schämen. Aber sie warnte mich nie davor, mit zu wenig oder sogar gänzlich ohne frische Unterwäsche fort zu fahren. Irgend ein Modul der Erziehung haben wir damals offenbar übersprungen.