Ver-zipperleint

Es ist eine Frage des Alters aber zweifellos auch der eigenen Einstellung, ob und gegenüber wem man über seine Gebresten und Krankheiten spricht. Ich bilde mir ein, dass dieser Blog überwiegend von Leuten gelesen wird, die – wie ich auch – schon in ihrer zweiten Lebenshälfte stehen. Und deshalb bilde ich mir auch ein, dass nicht nur ich, sondern auch viele meiner Leserinnen und Leser so ihre Zipperlein haben. Aber darüber sprechen? Und wenn möglich hier? Nein, dieser Blog ist nicht als Klagemauer für Gebresten gedacht.

Sich jemandem anzuvertrauen, kann für das Gegenüber belastend sein. Das Mitteilungsbedürfnis über die eigenen Befindlichkeiten ist nicht bei jedem gleich gross. Dieses Mitteilungsbedürfnis ist meiner Meinung nach auch nicht jedem gegenüber gleich angebracht. Wie reagieren? Mitgefühl zeigen? Hilfe anbieten? Ignorieren? Es ist eine Sache, wenn eine Freundin mir anvertraut, der Leidensdruck sei nun so gross, dass sie sich für die Hüftgelenks-Operation entschieden habe. Oder wenn mir die Nachbarin, der ich mehrmals pro Woche begegne, erzählt, sie habe soeben eine schlimme Erkältung überstanden.

Aber wenn mir jemand, den ich erst vor wenigen Tagen aus geschäftlichen Gründen kennengelernt habe, brühwarm seinen neusten Besuch beim Arzt herunterbetet, habe ich meine liebe Mühe. Auf die Details jener Darmspiegelung hat hier niemand Bock, oder?

DSC05430