Doppelt genäht hält vielleicht besser

Ich habe euch im letzten Beitrag die – zugegeben kaum zu beantwortende – Frage gestellt, wo ich dieses Schild aufgenommen haben könnte.

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Eines vorneweg: Es ist keine Fotomontage, da standen wirklich und wahrhaftig zwei Tafeln übereinander. Die verbotene Fahrtrichtung war insofern angezeigt, als das Verkehrskonstrukt, an dessen Rande sich die Tafeln befanden, ein Kreisel war. Nicht in irgendeiner Grossstadt, sondern auf einem Aussichtsberg. Praktisch an einer Sackgasse.

Dem italienischen Automobilisten kann man dort offenbar nur klar machen, dass er rechtsrum fahre soll, wenn man gleich zwei einschlägige Tafeln aufstellt. Vielleicht für jedes Auge eine. Dieses seltene Zwillingspaar habe ich auf der Wanderung in Brunate oberhalb von Como fotografiert.

Beamtisch

Das Schreiben lag heute in unserem Briefkasten. Dezent der Aufdruck des Absenders. Tendenziell unerfreulich der Inhalt. Das Öffnen war einigermassen spannend wenn nicht sogar anspannend, schliesslich war die seinerzeitige Erleuchtung unübersehbar gewesen. Die Frage war nur noch: Wie viel würde es sein?

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Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr

Anlässlich einer Geschwindigkeitskontrolle stellten wir fest, dass der/die Lenker/Lenkerin des untenstehenden Fahrzeuges folgende Uebertretung/en gemäss Ordnungsbussenliste im Strassenverkehr (OBV) begangen hat.

—— Es folgt die Litanei wo, wann, wieviel und wieviel nach Abzug der Sicherheitsmarge. ——

Da Ihnen die Uebertretung nicht sofort eröffnet und der Bussenbetrag nicht direkt erhoben werden konnte, bitten wir Sie, den Betrag mittels untenstehenden (Achtung: Fehler!!!) Einzahlungsschein innerhalb von 30 Tagen zu überweisen. Wird diese Gelegenheit innerhalb der vorgeschriebenen Frist nicht benutzt, wird das ordentliche Verfahren eingeleitet, das heisst (Achtung: Fehler!!!) es erfolgt eine Verzeigung.

Mit freundlichen Grüssen
KANTONSPOLIZEI GLARUS
FD Verkehr / Radarverwaltung

Nette Worte für eine Geschwindigkeitsbusse, nicht wahr? Nicht ganz fehlerfrei zwar, nichts desto Trotz unmissverständlich. Das ganze Blabla lasen wir natürlich erst im Nachhinein, entscheidend war, dass die Busse nur sechzig Franken betrug, obschon der Mitbewohner im Achtziger-Bereich mit fast hundert gebrettert war. Und nun soll mir niemand mehr sagen, es sei nicht wichtig, ob man vom Beifahrersitz aus auf den Tacho sehen kann!

Habt ihr übrigens gewusst, dass die Bussen nicht überall in der Schweiz gleich hoch sind? Selbst auf Autobahnen nicht. Finde ich ehrlich gesagt etwas seltsam.

Verstehe einer diese Menschheit

Gewagte Überholmanöver.
Hupen.
Stinkefinger zeigen.
Mit PS-geschwängerten Boliden durch die Gegend rauschen.
Die Geschwindigkeits-Kontrolle der Polizei sicher ein einträgliches Geschäft.

Wieso hatten es heute alle so eilig?

Konnten sie sich nicht erfreuen am prächtigen Wetter dieses Sonn(en)tags? Ein Blick über die Nasenspitze hinaus hätte die Schönheit der Natur offenbart. Die saftig grünen Wiesen und die schneebedeckten Berge dahinter. Aber dafür hätte man vermutlich aus dem Auto steigen, hätte sein Motorrad am Strassenrand parken müssen. Manch einem würde dabei die Geräuschkulisse fehlen, um die Umgebung angemessen bewundern zu können. Und der Gestank nach Abgas.

Verstehe einer diese Menschheit.

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Beschildert geschildert (68)

Man darf sich wundern…

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… oder auch nicht.

Das Schild hängt über einer Kreuzung in Sudbury/Kanada. Anita, die es für mich fotografiert hat, hat es jedenfalls dort noch nie blinken sehen. Ob man anhalten, aussteigen, zufahren oder kondolieren soll, verschweigt die gelbe Tafel geflissentlich.

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Sicher ist, dass Anita, um diese makabere Tafel zu fotografieren, aussteigen musste und die Kreuzung zu Fuss überquerte. Danke für deinen Einsatz, Anita!

Habt ihr auch ein Schild gesehen, dass originell, absurd, witzig, von Fehlern behaftet oder sonstwie speziell ist? Schick es mir! Ich werde es hier im Blog veröffentlichen.

Hier geht es übrigens zum Blog von Anita, die als ausgewanderte Schweizerin über ihre Erlebnisse in Kanada berichtet.

Zweifel

Vorne Autos. Hinten Autos. Wieso tun wir uns das überhaupt an?

Hunderte von Kilometern weg von zu Hause. Ob es das Wert ist?

Einmal mehr eine Fahrt ins Ungewisse. Was wird uns erwarten?

Stau um Lyon. Eine lärmige Hotelübernachtung. Am Radio erzählen sie von den Flüchtlingen, die nur ihr nacktes Leben retten wollen; wir fahren einmal mehr nur zum Vergnügen weg.

Zweifel ob der Richtigkeit des eigenen Tuns und der Menschheit generell.

Einen halben Tag später die Aussicht aus dem vorübergehenden Domizil: Nicht von den schlechtesten Eltern.

Die Umstände vielleicht etwas umständlicher als angenommen. Aller Zweifel zum Trotz: Hier lässt es sich aushalten.

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Sooooo muss Autofahren!

Unterwegs auf der Autobahn. Das Radio läuft. Der Moderator leiert Verkehrsmeldungen runter. Endlos. Tagtäglich die gleichen. Darunter Angaben wie “A1, Gubristtunnel, Fahrtrichtung Bern. Verkehrsbehinderung wegen eines Unfalls. Rechnen Sie rund 30 Minuten länger als normal.”

Normal? Normal! Gibt es überhaupt noch so etwas wie “normal” auf unseren Strassen? Die neuralgischen Stellen sind doch konstant überlastet, Stau an der Tagesordnung. Ich finde Autofahren mittlerweile – sorry – ziemlich zum Kotzen! Ich fahre nicht mehr als nötig. Überlege mir, ob und wann ich wohin fahren soll.

Und doch, den Normalfall gibt es auch noch. Zum Beispiel, wenn man sich den Luxus erlauben kann, gegen den Strom zu fahren. Wir waren nämlich unterwegs nach Brigels. Während die Staumeldungen am Radio verlesen wurden, sah es auf der A3 so aus:

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So entspannt stelle ich mir Autofahren vor. So leer dürften meiner Meinung nach die Strassen immer sein.

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!

Die vertane Chance

Ja, ich hätte es in der Hand gehabt. Für einmal hätte ich so quasi einen Freipass für Narrenfreiheit am Steuer des fremden Fahrzeugs gehabt.

Niemand hätte die Hände verrührt, wenn ich erst in letzter Sekunde den Blinker gesetzt und abgebogen wäre. Alle hätten mich verständnisvoll durchgewinkt, wenn ich zuvorderst am Rotlicht stehend, in der falschen Spur gestanden wäre. Kein Velofahrer hätte sich dran gestört, dass ich auf seinem Territorium fahre. Selbst das herannahende Tram hätte zwar geklingelt, aber in dem schrillen Ton wäre viel Mitgefühl erklungen. Und der Zürcher Stadtpolizist – ach, der hätte mich sicher tröstend an die Brust genommen, wenn ich mich nicht mehr zurecht gefunden hätte.

Aber ich brachte es nicht übers Herz, den verkehrstechnischen Ruf gewisser Landsleute weiter zu zementieren und drum bin ich trotz Bündner Nummer gefahren…

… wie immer.

Allen, die sich über diesen Blog-Beitrag etwas wundern, sei folgendermassen auf die Sprünge geholfen: Die Bündner mögen gute Autofahrer sein, solange sie in ihren Bergen rumkurven können. Sobald die Strasse aber mehr als eine Fahrspur hat, wird es – so die Legende – für die Bergler etwas schwierig. Ganz zu schweigen, wenn sie in die Stadt reinfahren.

Ach ja, und: Ich bin vieles, aber bestimmt keine Bündnerin.