Die vertane Chance

Ja, ich hätte es in der Hand gehabt. Für einmal hätte ich so quasi einen Freipass für Narrenfreiheit am Steuer des fremden Fahrzeugs gehabt.

Niemand hätte die Hände verrührt, wenn ich erst in letzter Sekunde den Blinker gesetzt und abgebogen wäre. Alle hätten mich verständnisvoll durchgewinkt, wenn ich zuvorderst am Rotlicht stehend, in der falschen Spur gestanden wäre. Kein Velofahrer hätte sich dran gestört, dass ich auf seinem Territorium fahre. Selbst das herannahende Tram hätte zwar geklingelt, aber in dem schrillen Ton wäre viel Mitgefühl erklungen. Und der Zürcher Stadtpolizist – ach, der hätte mich sicher tröstend an die Brust genommen, wenn ich mich nicht mehr zurecht gefunden hätte.

Aber ich brachte es nicht übers Herz, den verkehrstechnischen Ruf gewisser Landsleute weiter zu zementieren und drum bin ich trotz Bündner Nummer gefahren…

… wie immer.

Allen, die sich über diesen Blog-Beitrag etwas wundern, sei folgendermassen auf die Sprünge geholfen: Die Bündner mögen gute Autofahrer sein, solange sie in ihren Bergen rumkurven können. Sobald die Strasse aber mehr als eine Fahrspur hat, wird es – so die Legende – für die Bergler etwas schwierig. Ganz zu schweigen, wenn sie in die Stadt reinfahren.

Ach ja, und: Ich bin vieles, aber bestimmt keine Bündnerin.

Vignetten aufkleben für Fortgeschrittene

Wohl wurde das Bussengeld für eine fehlende Autobahn-Vignette jüngst von 100 auf 200 Franken erhöht, aber wenigstens bleiben wir vorläufig von einer Tariferhöhung verschont.

Ich hatte mich in diesem Blogbeitrag über die ärgerliche Tatsache ausgelassen, dass man für jedes Fahrzeug eine Vignette braucht, auch wenn wegen der Wechselnummer immer nur eines auf der Strasse sein kann bzw. darf.

Heute nun hat mich ein Mail erreicht von meinem (neusten?) Leser Fredy. Er hält unter anderem diesen Tipp bereit für sparsame Eidgenossen, die die Vignette für mehrere Fahrzeuge brauchen wollen.

Am besten, und ab den 2012-er Vignetten lohnt es sich dann erst recht, die neue Vignette auf ein durchsichtiges Plastikmäppli (wie sie für die Aktenaufbewahrung beliebt sind) kleben, dann schön ausschneiden. Im Auto die Plastikseite etwas mit Spucke befeuchten und auf die saubere Innenscheibe pappen. Beim Wechseln der Wechsel-Nummern dann jeweils einfach dran denken nicht nur die Schilder sondern auch die Vignette zu zügeln. Im anderen Auto wieder etwas befeuchten, ranpappen etc. Habe das auch nicht recht glauben wollen, aber im Sommer, als wir uns Hals über Kopf ein Mobil kauften, hab ich das mit der 2011-er Vignette ausprobiert. Diese mühsam und mit viel Sorgfalt von der Scheibe gepellt, dann gewellt, anders gings nicht, auf das Mäppli geklebt …. und sogar so, nur ziemlich schlecht „plan“ funktioniert’s. Die Scheibe soll einfach sauber sein, dann hälts. Und das nicht nur Tage, das Ding bleibt, auch bei voller Sonnenbestrahlung und über Wochen am Ort.

Und wenn man sie zügeln will, muss man sogar etwas dranherumklauben …

Also, zur Nachahmung empfohlen, weil wir wollen ja unsere Budgetverwalter ganz oben nicht mit der Verschleuderung von noch mehr Steuergeldern plagen.

vignette
Bildquelle: Aargauerzeitung.ch

Für mich bleibt nur noch eine Frage offen: Muss ich zuerst ein Caramell-Zälti essen, damit das Vignettchen hält? Oder funktioniert das System auch nach einem Schluck saurem Veltliner?

 

Nachtrag, Juni 2015:

Das Bundesstrafgericht hat einen Autolenker wegen Fälschung amtlicher Wertzeichen zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 30 Franken sowie zu einer Busse von 200 Franken verurteilt. Der Mann hatte eine Autobahnvignette auf ein transparentes Klebeband geklebt und sie auf diese Weise verwendet. So konnte er die Vignette für verschiedene Fahrzeuge benutzen.

Der Vignettenbeschiss kommt den Autofahrer auch sonst teuer zu stehen. Nebst der Busse muss er die Verfahrenskosten von 800 Franken bezahlen. Statt 40 Franken für eine Vignette kostet ihn die illegale Aktion total 1’000 Franken.

Quelle: K-tipp (Bundesstrafgericht, Urteil SK.2015.13 vom 8.5.2015)

 

Unheilbar reisekrank

Wir haben in den vergangenen Tagen viel, viel Asphalt gesehen. Kilometerweise. Von sehr unterschiedlicher Qualität. Wir haben Grossstädte umfahren und extrem menschenleere Gegenden traversiert. Wir haben morgens geheizt und am Nachmittag die Klimaanlage laufen gelassen. Wir haben mitverfolgt, wie sich die Vegetation mehrmals von Grund auf verändert hat. Wir haben Maisfelder gesehen, Reben, Getreide, Oliven- und Zitrusplantagen. Wir haben Rinder und Schafe auf ausgetrockneten Weiden „grasen“ sehen. Und ich habe so viele Störche gesehen, dass ich davon beinahe schwanger geworden wäre.

Nun sind wir in unserem Ferienland angekommen. Nach 2’300 Kilometer quer durch halb Europa haben wir den Süden Portugals erreicht. Man kann sich natürlich fragen, ob es Sinn macht, an so vielen schönen Orten vorbeizufahren, um ein derart weit entferntes Ziel anzuvisieren. Diese Frage haben wir uns beim Kilometerfressen der vergangenen Tage auch gestellt. Aber das Reisefieber hat uns nun mal gepackt – schon vor Jahren. Wir sind infiziert. Unheilbar reisekrank.

Wo andere ins Flugzeug steigen für einen Ferienreise nach Zypern, Andalusien oder die Malediven sind wir lieber mit dem Wohnmobil unterwegs. Welche Art des Reisens mehr CO2 verursacht, sei dahingestellt. Aber immer nur daheim ums Haus rum schleichen ist ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei.

Eins ist jedenfalls klar: Autobahnen haben wir vorläufig genug gesehen.

Kleb dir eine!

Liebe Doris

Fristgerecht, oder ehrlicher gesagt, auf den letzten Drücker, habe ich heute an unserem Auto Hand angelegt. Die alljährliche Fidibus-Arbeit ist damit erledigt, die alte Autobahn-Vignette quadratmillimeterweise abgekratzt und die neue aufgeklebt.

Obschon ich seit Jahren nicht mehr in eine Polizeikontrolle geraten bin, will ich es nicht auf den Versuch abkommen lassen, ob ich 2011 ohne Vignette über die Runde kommen würde. Die 100 Stutz für das Bussgeld erspare ich mir und greife stattdessen 40 Franken tief ins Portemonnaie.

Vielleicht zum letzten Mal. Denn du hast mit Nachdruck angekündigt, dass es so nicht weitergehen könne. Die Vignette soll teurer werden, das Benzin und im gleichen Aufwisch die Tarife im ÖV.

Ich verstehe ja deine Argumente, schliesslich habe auch ich gerne Strassen ohne Löcher und einen bequemen Platz im Zug. Aber es geht halt um den eigenen Geldsack. Und der wird noch von ganz anderen Posten strapaziert.

Das mit dem Benzin kratzt mich nicht ganz so fest. Denn ich bin ja ein von Vernunft geprägter Mensch und sehe ein, dass du das Geld von irgendwoher nehmen musst. Und über den Benzinpreis bezahlt wenigstens der Automobilist am meisten, der am meisten fährt.

Aber vielleicht könntest du – ich meine, wenn du schon grad so am ändern bist – wenigstens etwas Nachsicht mit den Automobilisten mit einem Zweitauto, das auf Wechselnummer läuft, haben. Schliesslich darf nur ein Auto aufs Mal auf die Strasse. Wenn ich mir vorstelle, dass ich künftig zwei Vignetten à 100 Stutz oder mehr kaufen muss, graut mir ehrlich gesagt etwas.

A propos grau: Ich weiss schon, dass wir die Farbgebung der aktuellen Vignette nicht dir zu verdanken haben. Aber lass dir doch bitte für nächstes Jahr eine ansprechendere Farbe für die Autobahn-Vignette einfallen. Dann macht wenigstens das Aufkleben etwas Spass.

Herzlichst,
Deine Bea

Für Ahnungslose: Doris Leuthard ist die Schweizerische Verkehrsministerin. Und, natürlich, ich bin mit ihr nicht per du. Aber habe ich diesen Brief jemals abgeschickt?

Der Filmstar

Die Szene heute Nachmittag war absolut filmreif. Selbst nach vielen Proben hätte sie ein Starregisseur nicht besser in den Kasten gekriegt.

SIE steht auf dem Trottoir, blickt nach rechts, blickt nach links. Mit leichtem Zögern setzt SIE schliesslich einen Fuss in Richtung Strasse. Von der einen Seite fährt ein Auto heran, von der anderen ein Fahrrad. Beide bremsen, und das hat seinen guten Grund, denn SIE wartet vor dem Fussgängerstreifen. Mit einer Anmut, die ausser IHR kaum jemand an den Tag legen könnte, betritt SIE den Fussgängerstreifen und überquert die Strasse. Beide, der Autofahrer und die Velofahrerin, schenken IHR ein breites Lächeln.smilie_car_020.gif

Das hat SIE sich wahrlich verdient. Wie oft im Leben wird man schon Zeuge, wie eine Katze, eine schwarze, um genauer zu sein, gemächlich über den Fussgängerstreifen geht?

Bringet Ordnung in den Täfeli-Wald!

Was für eine freudige Nachricht! Im schweizerischen Verkehrsdschungel wird es sich lichten. Die Autofahrer sollen sich wieder mehr aufs Autofahren konzentrieren können. Diverse Signaltafeln fallen weg. Innerortstafeln werden gleichgesetzt mit: „Hey hallo Autofahrer, ab jetzt gilt im Fall Tempo 50!“ 

Genau genommen wird natürlich nicht dieser Satz stehen, denn der ist 1. zu lang und 2. nicht geschlechtsneutral. Korrekt also müsste es „Autofahrender“ heissen. Was den langen Satz noch länger machen würde. Aber wir werden trotzdem nicht drum herum kommen, uns auch an neue Schilder gewöhnen zu müssen. Geschlechtsneutrale Schilder. In Zukunft werde ich also am Fussgängerstreifen auch für Frauen anhalten müssen.

Die blauen Tafeln, auf denen die Zeiten der Gottesdienste angegeben sind, sollen ebenfalls verschwinden bzw. dürfen nach Ermessen der Gemeinden weiterhin stehen bleiben. Das ist mir eigentlich ziemlich wurscht. Doch ich wüsste haargenau, welche Tafel gerne aus meinem Blickfeld entschwinden darf. Die Tafel, die seit mehr als 14 Tagen an unserer Ortsausfahrt steht, mit der freudigen Botschaft: „Die SVP wünscht Ihnen frohe Festtage und alles Gute im Neuen Jahr.“