Der totale Wahnsinn

Ich schreite durch das Eingangstor des Baucenters. Dort heisst es “Fai da te”, da ennet dem Gotthard. Aber das Sortiment bleibt mehr oder weniger das gleiche wie bei uns zu Hause. Deshalb kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass auch der Schwach- und Wahnsinn der gleiche ist.

Ich sehe diese adrett hergerichteten Gestelle.

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Aufwändig gemacht, denke ich mir, und schaue etwas genauer hin. Das ist alles

… genau ….

V O G E L F U T T E R !

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Das darf doch nicht wahr sein! Meisenknödel im 6er-Pack, im 20-erPack,  im 10-Kilo-Eimer. Wer frisst denn das alles?

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Vogelfutter für Singvögel. Für Finken. Für schräge Vögel, Galgenvögel. Weichfutter, Insektenfutter (mit 3,6 % Insekten…), Mischungen, die Müesli verheerend ähnlich sehen, gehackte Nüsse, Sonnenblumenkerne.

Irgendwie scheint die Sache mit dem Vögel füttern, noch bevor sie richtig begonnen hat, total aus dem Ruder zu laufen. Und die Redewendung “der hat doch eine Meise” erklärt sich plötzlich wie von selbst.

Ohne Meise keine Meise

“Ich mach öppis zum Vögeli fuettere”, sagte es und verschwand mit einem arbeitslosen Blumenuntersetzer im Keller. Mein innig geliebter Mitbewohner hatte eine Idee. Drei Löcher und ein Stück geflochtene Schnur später war diese umgesetzt und baumelte kurz darauf von der Decke auf der Terrasse. Ob sich tatsächlich Vögel dorthin verirren würden?

Aus Erfahrung wissen wir, dass in unserem Quartier im Winter so viele Vogelhäuschen aufgestellt sind, dass die Piepmatze wählerisch sein können. Und so ein frei baumelnder, nackter Teller mit nix darum, darüber, daneben wirkte auf mich – wenn ich denn ein Vögelchen wäre – eigentlich nicht gerade einladend.

Darum optimierten wir unser Projekt (ich nenne es fortan “unser” Projekt, weil grösstenteils ich für den weiteren Teil unserer Konstruktion verantwortlich zeige, zumindest was die Idee betrifft). Ich opferte einen zweiten Blumenuntersetzer und wir bauten die Konstruktion, kaum war sie erstellt, um. Im Wald holten wir einen langen Ast, der nicht nur dekorativ, sondern auch vogelgerecht sein sollte. Der Mitbewohner schnitt zusätzlich ein Zweiglein, das er – der arme Untersetzer wurde um zwei weitere Löcher malträtiert – als Landeplatz deklarierte.

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Nun bestaunen wir unser gemeinsames Werk, das die Vögel zu unserer grossen Freude bereits entdeckt haben und zahlreich aufsuchen. Wenn mich nicht alles täuscht, muss ich nächstes Jahr mein Garten-Budget um zwei Untersetzer aufstocken.

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Das wäre also die Lösung zu meinem Rätsel im letzten Blog. Eure Antworten waren originell und haben meine Fantasie beflügelt, aber nur Erika hatte auf Anhieb den richtigen Riecher. Sag, Erika, hast du auch so etwas daheim?