Schulterklopfen

Es klopfte sich anerkennend auf die Schulter. Was es sah, stimmte positiv. Und es sah viel, sehr viel.

Konfitüren und Gelées aus Kirschen, Aprikosen, Holunderblüten, Stachelbeeren, schwarzen Johannisbeeren, Quitten und Schlehdorn.

Eingelegte Bärlauchknospen als Kapern-Ersatz.

Honig aus Tannenspitzen.

Pfifferlinge in Essig. Steinpilze als Trockenfutter.

Baumnüsse

Pfirsiche und Kirschen im Einmachglas.

Essig mit Holunderblüten.

Quittenlikör.

All das hatte das Eichhörnchen während des vergangenen Sommers herangeschafft. Für den Winter war vorgesorgt.

In seinem Revier fiel gerade der erste Schnee.

 

Vorgesorgt

Das Eichhörnchen war den ganzen Sommer über fleissig gewesen. Es hatte Beeren gesammelt, Nüsse, Pilze. Keine Aktion in der Migros hatte es ausgelassen, Kürbisstände hatten es geradezu magisch angezogen. Sein Männchen war auch nicht untätig geblieben und hatte allerhand Getier aus dem nahen See herangeschleppt. Währenddessen hatte sich das Weibchen Einmachmethoden angeeignet, die seinesgleichen sonst nicht anwendete, aber was sollte man denn machen, wenn das Angebot derart üppig war und der Bau so weit entfernt lag? Da musste man doch etwas kreativ sein!

Im Grunde genommen war das Eichhörnchen leidlich zufrieden mit dem Resultat seiner in halb Europa erfolgten Sammelaktionen. Wäre da nicht noch das eine oder andere Etwas in seinem üppig gefüllten Speicher, das dort schon Geburtstag feierte. Man konnte sie vergraben wie und wo man wollte, aus Johannisbeer-Gelée, eingelegten Kürbisstückchen oder Trockenpilzen wuchsen beim besten Willen keine Bäume heran.

Das Eichhörnchen in mir

Kann es sein, dass es in meinem Stammbaum Eichhörnchen gibt? Vieles deutet darauf hin, gewisse Indizien widersprechen allerdings dieser Vermutung, denn mir gehen diese niedliche Kulleraugen und der dazu passende Augenaufschlag gänzlich ab. Auch zeige ich wenig Talent, wenn es darum geht, auf einem Baum rum zu turnen. Aber was die Vorratshaltung angeht, da könnten selbst die Eichhörnchen noch etwas von mir lernen!

Ich kann es nämlich nicht verputzen, wenn mir etwas ausgeht und kein Nachschub im Haus ist. Ich ärgere mich tödlich, wenn trotzdem mal was fehlt und ich notfallmässig einkaufen muss. Drum wird wenn immer möglich vorsorglich eingekauft, und sicher immer dann, wenn etwas gerade Aktion ist.

Unser Toilettenpapier wird deshalb locker für die nächsten zwei Monate reichen. Selbst wenn eine Durchfall-Epidemie grasieren sollte, bin ich gewappnet.

Putzen ist ja nun wirklich nicht mein liebstes Hobby. Aber selbst wenn ich diese Tätigkeit etwas öfters praktizieren würde, käme ich vorderhand nicht in Verlegenheit, was die diversen Putzmittelchen und Staubsaugersäcke betrifft. 

Dank meinem Kerzenvorrat würden wir auch dann nicht im Dunkeln sitzen, wenn vierzehn Tage lang der Strom ausfiele.

Verknappung an der Tampon-Front? Ich könnte aushelfen, denn mein Lager reicht wahrscheinlich über meine Menopause hinaus.

Es käme einem kleinen Desaster gleich, wenn die Kaffeebohnen ausgingen. Aber auch hier kann ich Entwarnung geben, selbst die durstigsten Kaffeetanten brächten mich nicht aus dem Konzept.

Die Kalorienzufuhr ist auch in Form von Glückshormonen stets gesichert. Der Alarmbestand von fünf Tafeln Schokolade wird in meinem Haushalt nie unterschritten.

Egal, ob es um Waschmittel, Kehrrichtsäcke oder Duschgel geht: Bei mir hat’s stets genügend davon.

Reis, Mehl, Zucker, Teigwaren, Öl? Wenn die Migros mal Lieferengpässe hat, kann sie sich getrost an mich wenden.

Vor kurzem habe ich 10 Gläser Konfitüre eingemacht. Davon kann man ja nie genug haben. Sie ergänzen die geschätzten 20 Gläser auf diesem Bild. Und sechs proppenvolle Schubladen im  Tiefkühlschrank. Und weitere, gut gehütete Verstecke.

Solch üppige Vorräte lassen nur einen Schluss zu: Es wird ein strenger Winter werden. Dieser Tatsache kann mein Eichhörnchen getrost entgegen sehen.

Es gibt übrigens nochmals ein sicheres Indiz, dass meine Vorfahren keine Eichhörnchen waren. Denn im Gegensatz zu den niedlichen Pelztieren, wachsen aus meinen Vorräten, sollte ich sie mal nicht mehr rechtzeitig auffinden, in der Regel keine Bäumchen heran.