Der Blick zurück nach Montenegro

Es dürfte in der Zwischenzeit durchgesickert sein, dass sich Frau Flohnmobil in der vergangenen Woche einer Wandergruppe angeschlossen hat, die in Montenegro unterwegs war.

Wo liegt dieser kleine Staat überhaupt? Als Bewohnerin eines kleinen Landes steht es mir zu, Montenegro als “klein” zu bezeichnen, ist es doch keine 14’000 km2 gross. Montenegro liegt auf dem Balkan und grenzt südlich an Kroatien an. Das Land ist bergig und in weiten Teilen unwirtlich. Ich habe schon lange nicht mehr derart viele verlassene Häuser angetroffen.

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Wanderwege finden sich einige, jedoch ist deren Dichte in keinster Weise vergleichbar mit dem Wanderweg-Netz bei uns.

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Da wir mit einem einheimischen Führer unterwegs waren, brauchten wir uns weder um die unverständliche Sprache noch um die Wegfindung zu kümmern. Auch dem Schwingen mit einer Art Machete konnten wir nur zusehen, wenn es darum ging, den Weg zu roden.

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Begeisternd war die Blumen-Pracht. Derart viele Orchideen und andere bei uns äusserst seltene Blumen säumten den Weg, dass wir schon ab dem zweiten Tag nicht mehr bei jedem Pflänzchen stehen blieben.

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Die Wanderungen waren so gewählt, dass die Aussicht mit jedem Tag spektakulärer wurde.

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Schon der Anblick des riesigen, flachen Skadar-Sees haute einem beinahe aus den Socken.

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Ganz zu schweigen vom Panorama, das sich uns bot, als wir im Bereich der Küste wanderten.

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Es gäbe noch viel über Montenegro zu erzählen. Jedoch will ich hier keinem Reiseführer Konkurrenz machen. Geht selber hin und probiert es aus! Es gibt zahlreiche kommerzielle Anbieter (auf Anfrage gebe ich gerne bekannt, mit wem ich unterwegs war). Macht euch einfach keine zu euphorischen Vorstellungen in Bezug auf Essen und Unterkunft.

Glückliche VR-Hühner

Im Gewerbemuseum Winterthur läuft noch bis am 28.4.19 die Ausstellung Food Revolution 5.0.

Im ersten Stock zieht ein besonderes Stück Geflügel die Besucher in seinen Bann: ein Huhn mit aufgesetzter VR-Brille. Dem Vogel wird so vorgegaukelt, er gehe als glückliches Huhn durchs Leben, sei an der frischen Luft, finde Würmer zum ausscharren. All das macht die moderne Technik und eine Art “Huhn-Laufband” möglich.

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Angesichts solcher Utopie geriet meine Fantasie ins Wallen. Könnte so etwas auch mit Wanderern möglich sein? Wenn jedes Mitglied unserer Wandertruppe so ein Brille aufgesetzt hätte, unser Wanderleiter das richtige Programm geladen hätte und das Laufband seinen Dienst verrichtete, könnten wir alle bequem von zu Hause aus jedes erdenkliche Ausflugsziel dieses Landes gänzlich ohne Treibhausgas-Emissionen erreichen und wären so glücklich dabei wie das VR-Huhn. Wir könnten miteinander zufrieden gackern, pardon, sprechen. Wir würden uns gemeinsam ans gleiche Seeufer setzen und unser Picknick auspacken, das gleiche Panorama beobachten, zusammen wieder aufbrechen.

Nie mehr müssten wir uns über den Fahrplan der SBB und vollgestopfte Züge ärgern. Wir könnten ausschlafen und dennoch rechtzeitig am Ausgangspunkt sein. Und das Wetter würde uns nie mehr einen Strich durch unsere Pläne machen.

Der einzige Unterschied zum VR-Huhn wäre nur noch: Wir würden die gefundenen Würmer zuerst grillieren.

Magere Kilometerleistung

Heute mache ich die letzte Wanderung des Jahres. Ich blicke zurück auf ein äusserst sportliches Jahr. Viele, viele Wanderungen habe ich gemacht. Im In- und Ausland. In Begleitung von lieben Freunden, unterhaltsamen Kameraden, zuverlässigen Begleitern.

Die schönste Wanderung des Jahres? Keine Ahnung, bei über 80 Wanderungen, in denen sich häufig ein Höhepunkt an den Nächsten reihte, ist eine Wertung unmöglich.

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Die bewegendste Wanderung? Ganz bestimmt der Gang mit der Urne meines Mannes im Rucksack an den Ort, wo er seine Asche verstreut haben wollte.

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Die längste Wanderung? In den Abruzzen. 28 Kilometer.

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Die exotischste Wanderung? Wohl auf Madeira (wegen der Flora)

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oder La Palma (aufgrund des vulkanischen Untergrunds).

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Die nässeste Wanderung? Schwierig in diesem trockenen Jahr. Mehr als ein paar Minuten lang wurde ich nie verregnet.

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Und die blumenreichste Wanderung war angesichts der Fülle an Pflanzen, die ich immer wieder antraf, auch nicht so ohne weiteres zu bestimmen.

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Jede Wanderung war auf irgend eine Art einzigartig und lohnend.

Die diversen Aktivitäten haben meinen Wanderschuhen zugesetzt. Nach geschätzten 1’500 Kilometern, davon über 1’200 dieses Jahr, werde ich sie wohl bald ersetzen müssen. Ich werde mich nie mehr beklagen, wenn meine Autoreifen nach 20’000 Kilometern runtergeraffelt sind.

Einer ist immer der Walter

Eine Gruppe kann so gross oder klein sein wie sie will, irgend jemand ist immer der oder die Letzte. Und mit etwas Scharfsinn und Beobachtungsgabe findet man schnell heraus, auf wen man ständig warten muss.

Bei der Wanderwoche auf Madeira, wo ich im Mai mit dabei war, war es Walter. Alle konnten im Bus sitzen, bereit zur Abfahrt, da kam Walter daher und merkte erst vor dem Fahrzeug, dass er die falschen Schuhe an den Füssen trug. Alle hatten ihr Picknick nahezu gegessen, Walter seinerseits hatte erst gerade den richtigen Platz entdeckt, um sich fürs Essen niederzulassen. Alle hatten die feuchte Stelle unter einem kurzen Wasserfall bereits im Laufschritt passiert, Walter versuchte immer noch vergebens, seinen Schirm aufzuspannen.

Dabei hätte es mit dem kauzigen Walter noch viel schlimmer kommen können, wenn nicht seine Maria ständig eingegriffen und alles etwas abgefedert hätte. Was muss die Frau für eine Engelsgeduld haben!

Momentan bin ich mit einer neuen Wandergruppe unterwegs. Ich bin gespannt, wer hier durch Walter-Qualitäten hervorsticht.

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