Du Fress-Sack, du!

Ich glaube, von mir behaupten zu dürfen, dass ich über ein gewisses Mass an Kreativität verfüge. Allerdings kommt diese Kreativität überwiegend in der Küche oder an der PC-Tastatur zum Tragen.

Beim Nähen dagegen, da hält sie sich in engen Grenzen, diese Kreativität. Wenn sie ausnahmsweise mal aufflackert, gilt es, sie sofort umzusetzen. Oder zu warten, bis der Anfall sich von alleine wieder legt.

Kürzlich hätte ich mich beinahe selber übertroffen. Aus einem alten Chuchitüechli nähte ich einen Fress-Sack. Und nicht nur das, ich hatte sogar die Musse, ihn zu “besticken”.

IMG_6196

Seine Feuertaufe wird der Fress-Sack über Ostern haben. Er ist aus einem Tüechli gefertigt, das noch aus den Beständen meiner Grossmutter stammt. Da ich die Liebe zu den Bergen von ihr geerbt habe, schliesst sich der Kreis auf wundersame Weise.

Verwandtschaft unbestimmten Grades

Es ist doch schön, wenn man in dieser schnelllebigen Zeit auf Altbewährtes zurückgreifen kann.

Jedenfalls bin ich schüüüli froh, dass ich ohne grosse Umstände und Anprobieren zu einem neuen Paar Trekking-Schuhe gekommen bin. Gleiches Modell. Gleiche Grösse. Gleiche Freude. Und das nach geschätzt etwa 5 Jahren.

IMG_6057

Zugegeben, der nahe Verwandtschaftsgrad offenbart sich angesichts der Ausgelatschtheit und des damit einhergehenden veränderten Teints erst auf den zweiten Blick.

Die Ballenberg-Wanderung

Als uns das Postauto beim Altersheim in Kühlewil ausspuckt (hier möchten wir aller Beschaulichkeit zum Trotz aus verschiedenen Gründen nicht leben), ist es ganz schön frisch. Wer hat, zieht Mütze und Handschuhe an.

IMG_6135

Mit dem leichten Nebel verbreitet sich eine mystische Stimmung.

IMG_6136

P1150042IMG_6138

Als zum ersten Mal der Blick auf die Berner Alpen frei wird, entfährt wohl Jedem von uns ein “boah!”.

IMG_6139

Wir wandern durch die beschauliche Landschaft und erfreuen uns an den zahlreichen schönen Anblicken, die die Natur für uns bereit hält.

IMG_6142

Aber nicht nur, denn auch der Mensch hat hier seit Jahrhunderten Hand angelegt und entstanden sind prächtige Gehöfte, die für die Gegend so typisch sind.

P1150123

Ganz besonders erfreut uns der Anblick derartiger Gebäude. Wer würde sich angesichts dieses Stöcklis nicht gleich ins Freilichtmuseum Ballenberg versetzt fühlen?

IMG_6148IMG_6153

Das überwältigende Panorama rückt immer näher und der Himmel hält so manche Überraschung für uns bereit.

IMG_6151IMG_6154IMG_6157

Allerdings ist auch der Weg nicht gänzlich überraschungsfrei. Wegen eines Felssturzes wird der Original Gürbetaler Höhenweg grossräumig umgeleitet. Die Alternative führt etwas weniger attraktiv und und heute reichlich matschig durch den Wald.

IMG_6156

Unverhofft stossen wir auf ein Restaurant und entschliessen uns spontan, dort etwas Kleines zu essen.

P1150151

Der Weg führt buchstäblich von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt.

IMG_6158IMG_6162

Eine Holunder-Plantage? Haben wir noch nie gesehen. Aber wer hat’s erfunden…?

IMG_6163

Wir nehmen hier zwar nur den Schrott zur Kenntnis, nicht aber Platz, finden dennoch die Idee ganz sympathisch.

IMG_6165

Wir nähern uns unserem Ziel in Riggisberg.

IMG_6168

Dort steht die Kirche nicht im Dorf, sondern erhaben darüber.

IMG_6169

Und der Beck hat nicht nur eine sonnige Terrasse, sondern auch leckere Sachen, die uns die Wartezeit aufs Postauto in angenehmster Weise verkürzen.

P1150197

Mein Dank gebührt Beat, der einen lange gehegten Wandertraum von mir umgesetzt hat und allen Mitwanderern für die tolle Kameradschaft.

Weitere Infos und Fotos zum (nicht ganz im Original gewanderten) Gürbetaler Höhenweg gibt es HIER.

Karte


Frühlingserwachen im Tessin

Unser strammes Frauen-Wandergrüppchen, das sich einmal im Monat trifft, war gestern im Tessin unterwegs.

Ich will hier nicht die Wanderung im Detail weitergeben, sondern meine Eindrücke, die da nämlich waren:

Der anfängliche Dunst über dem Lago di Lugano.

IMG_5792

Der tiefblaue Himmel.

IMG_5800

Ganz, ganz, ganz viele Krokusse in den dürren Wiesen und mitten im Wald.

IMG_5812

Ein von Märzenbechern übersäter Waldboden.

IMG_5822
IMG_5843

Blausternchen als weitere Farbtupfer.

IMG_5840

Diese farbige Ansammlung irgendwelcher Wanzen.

Die blühenden Magnolienbäume vor dem Kurhaus Cademario.

IMG_5855

Und natürlich die heitere Runde, mit der ich unterwegs war.

IMG_5786

Immer wieder gerne, liebe Wanderfrauen!

Darf es eine Mehr- oder Weniger-Schnee-Wanderung sein?

Noch auf der Anreise Richtung Thunersee war nicht ganz klar, wohin die Wanderung führen würde. Das schöne Wetter, das den Blick vom Zug aus aufs Niederhorn ohne jegliches Nebelchen Preis gab, überzeugte unseren Wanderleiter Beat jedoch augenblicklich.

Wir verlassen das Postauto bei Beatenberg-Waldegg und montieren nach den ersten rutschigen Schritten unsere Schuhspikes. Für Frau Flohnmobil, ausgerüstet mit einem “Stadt-Modell”, eine gänzlich neue Erfahrung.

IMG_5718

Zugegeben, auf derart besonnten Wegen hätte es nicht dringend der Spikes bedürft. Allerdings erweisen sie sich auch nicht als hinderlich.

IMG_5719
IMG_5721

Den ganzen Tag werden wir von diesem bombastischen Panorama über die Berner Alpen regelrecht verfolgt.

IMG_5724

Der Weg ist angenehm zu begehen. Schneeschuhe wären überflüssig.

IMG_5728

Der “Hundschopf”, die einzige etwas längere steile Passage.

P1130509

Kurz vor dem Gipfel lassen wir uns nicht zweimal bitten, hier Platz zu nehmen.

P1130538

Das 1’950 m hohe Niederhorn ist mit seinem Sendemast sicher keine Augenweide. Aber ein Aussichtspunkt erster Güteklasse.

IMG_5732

Und ausserdem bequem ab Beatenberg mit diesem ulkigen Bähnli zu erreichen.

IMG_5738

Weil bis anhin alles so flott gelaufen ist, nehmen wir den Abstieg unter die Füsse und lassen das Bähnli links liegen. Eine Entscheidung, die niemand bereuen wird.

IMG_5740

Die verschiedenen Wege bzw. Pisten für Schlittler, Wanderer und Skifahrer sind gut getrennt. Man kommt sich nicht in die Quere.

IMG_5741

Der Schlittelweg scheint beleuchtet zu sein. Es erschliesst sich uns jedoch nicht, wie diese Beleuchtung funktioniert. Da wird doch nicht jeden Abend einer bei allen gut 80 Pfünzeli den Schalter umwerfen?

IMG_5747

Beim Anblick dieses Skilifts fühle ich mich grad wieder jung…

IMG_5748

Immer wieder der Blick über den Thunersee. In den unteren Luftschichten ist die Luft etwas feuchter geworden.

IMG_5752

Unten in Beatenberg erwischen wir mit einer Präzision, die wir gewollt nie hätten erreichen können, die Standseilbahn runter in die Beatenbucht. Dort gönnen wir uns einen Kaffeestop, bevor wir mit dem Bus nach Thun fahren.

IMG_5757

Die Wartezeit auf dem Perron verkürzt uns dieser Pianist. Unserer Aufforderung, Louenesee zu spielen, kommt er leider nicht nach. Unser Sing-Gegröle wär ihm gewiss gewesen!

IMG_5758

Eine perfekte Schneewanderung! Von Winter kann man momentan nicht mehr sprechen, erinnert die Schneekonsistenz doch eindeutig mehr an Frühling.

Herzlichen Dank an Beat für diese super Wanderung und allen Mitwanderern für die wertvolle Kameradschaft.

Mehr Bilder und Infos zur Wanderung gibt es HIER.

Karte

Heimvorteil mit Glatteis

Für einmal war der Anfahrtsweg für mich erquickend kurz. Und das erst noch zu einer sehr christlichen Tageszeit. Daraus resultierte eine verhältnismässig kurze, dreistündige Wanderung, aber das war ja auch erst der Anfang.

Bei unserem Start in Turbenthal sind die Temperaturen zwar schon deutlich im Plusbereich, doch am Eingang zum Hutzikertobel liegt nicht nur Schatten, sondern auch Eis. Dieser lässt die Einen wie auf rohen Eiern gehen, die Anderen ihre Schuhkrallen montieren.

IMG_5631
IMG_5632
IMG_5633

Am Ende des schattigen Tobels wird es schlagartig besser. Wohl liegt noch Schnee, aber diesen haben die Temperaturen bereits so weit aufgeweicht, dass es keine Rutschpartie mehr gibt.

IMG_5634
IMG_5637
IMG_5638

Was, schon der Gipfel in Sicht?

IMG_5641

Aber es ist doch noch viel zu früh für den Mittagshalt! Gefuttert wird trotzdem.

IMG_5647

Was für ein beeindruckendes Panorama von diesem verhältnismässig tief gelegenen Hoger. Merke: Der Schauenberg – Ausflugsziel vieler Schulreisen im Sommer aber auch im Winter gut besucht – liegt auf 890 m.

IMG_5646
P1130196

Im Abstieg auf der Nordseite ist der Schnee noch pulvrig – zumindest dort, wo ihn nicht hunderte von Schuhsohlen über die vergangenen Tage poliert haben.

IMG_5649
IMG_5650

Je tiefer wir kommen, desto grösser werden die aperen Flecken.

IMG_5651

Beat wird plötzlich von Heimatgefühlen gepackt. Wir überschreiten in einem feierlichen Moment die Grenze zum Kanton Thurgau.

IMG_5654

In diesem Kanton allerdings erleben wir gar Seltsames. In der anvisierten Kneipe in Ettenhausen wird geraucht! Nach einer kurzen Kaffee- und Pippi-Runde flüchten wir wieder an die frische Luft.

Unser Tagesziel, das Areal des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters in Tänikon, erreichen wir nach wenigen Minuten.

IMG_5656

Dort erwarten uns nicht nur prächtige Gebäude sondern ein Museum, in dem ich eine Führung organisiert habe.

IMG_5661

In höchst unterhaltsamer Art und Weise werden wir von unserem Führer durch die Sammlung alter landwirtschaftlicher Gerätschaften und Maschinen begleitet.

IMG_5667
IMG_5688
IMG_5676

Wer sich für den Arbeitsalltag unserer oft bäuerlichen Vorfahren interessiert oder generell der Landwirtschaft etwas abgewinnen kann, dem sei eine solche Führung im Agrotechnorama im thurgauischen Tänikon wärmstens ans Herz gelegt. Das Museum ist nicht öffentlich zugänglich und kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Mein Dank gilt Herrn Stadler, der uns 90 Minuten lang durchs Museum begleitet hat, Beat, der die passende Wanderung herausgesucht hat und Allen, die einmal mehr durch ihre Anwesenheit zu einem unvergesslichen Tag beigetragen haben.

Mehr Infos und Bilder zu diesem Anlass gibt es HIER.

Karte

Fünf Hühner im Tessin

Ich habe nie behauptet, dass ich mich im Tessin sonderlich gut auskenne. Immerhin, seit gestern gibt es für mich einen weissen Fleck auf der Landkarte weniger.

Unsere Wanderung startet in Gentilino. Dort besuchen wir zuerst den Friedhof mit dem Grab von Hermann Hesse und umrunden auf der gegenüberliegenden Strassenseite die Kirche, die unter Hochzeitspaaren sehr beliebt ist.

IMG_5475IMG_5476

Und alles unter strahlend blauem Himmel. Doch der Schein trügt! Am Morgen ist es auch im Tessin frisch und wir ziehen uns warm an, inklusive Röckli in vier Varianten.

IMG_5477

Wir sind ganz angetan von der Freundlichkeit der Bewohner. Obschon wir nicht selten laut schnädernd an ihnen vorbeigehen, grüssen sie allesamt.

IMG_5478

P1120275

Als wir auf dem Gelände des riesigen, verlassen wirkenden Resort Collina d’Oro Mittagspause machen, ist es merklich wärmer geworden. Handschuhe und Mützen werden verstaut.

WhatsApp Image 2019-01-29 at 17.33.03IMG_5482

Auf der Westseite des Monte Croce liegen die kläglichen, zum Teil vereisten Überreste des Schneefalls vom Sonntag.

IMG_5484IMG_5487IMG_5491IMG_5492

Ein prächtiger Aussichtpunkt 350 m über dem komplizierten Lago di Lugano.

IMG_5497

IMG_5500

Frühlingsboten.

IMG_5502

Was für ein unerwartetes Idyll: Lago di Muzzano.

IMG_5508

Trinkpause am Ufer des Lago di Lugano bevor es in den Schlussspurt geht.

IMG_5512

IMG_5518IMG_5520IMG_5521

Pflanzliche Bielmann-Pirouette

IMG_5522

Erinnerungen werden wach. Hier war ich in der 3. Sek im Klassenlager. Und die Hütte steht trotzdem noch.

IMG_5524

Die letzten Meter sind schnurgerade und stinklangweilig. Und das alles ohne Kaffee im Bauch!!!

IMG_5529

Die SBB hält für uns noch eine besondere Überraschung bereit. Und als gratis Zugabe wird der Zug über Boswil bei Bünzen umgeleitet.

IMG_5532

Trotzdem: Der Ausflug in den Süden hat sich gelohnt.

Danke an Beat für die Wanderleitung und die endlose Geduld mit den fünf Hühnern.

Mehr Infos und Bilder zur Wanderung gibt es HIER.

Karte

359 Grad Burgdorf

Ausnahmsweise führte uns eine Wanderung wieder an den Ausgangspunkt zurück. Dazwischen: viel Auf und Ab, Zickzack, jede Menge ignorierter Wegweiser und immer wieder der Blick auf Burgdorf, wo alles begann.

IMG_5405

Es liegt ein Hauch von Schnee, die Temperaturen sind noch deutlich im Minus.

IMG_5406

Wir wandern querfeldein.

IMG_5407

Schon wieder Burgdorf. Diesen Kirchturm werden wir heute noch öfters fotografieren.

IMG_5409IMG_5412

Kunst am Wegesrand. Erkennt ihr all die Tierli? Ich habe sie extra für euch etwas abgestaubt.

IMG_5414
Eule, Specht, Eichhörnli, Reh, Dachs. Und ein paar Steinpilze.

Der Weg ist häufig mit einem feinen Flaum bedeckt. An abschüssigen Stellen ist Vorsicht angesagt.

IMG_5417

Und schon wieder Burgdorf.

IMG_5418

IMG_5419

Wenn das – wie ich vermute – Haareis ist, ist es das erste, wenn auch ziemlich dreckige Haareis, das ich in Natura sehe.

IMG_5422

Immer noch Burgdorf…

IMG_5424

Fürs beste Fotosujet muss man sich etwas vor wagen.

IMG_5426

IMG_5427

IMG_5429

Überraschende Sandstein-Formationen.

IMG_5430

Noch viel überraschender: Diese Höhlen im Sandstein in der Nähe des Ufers der Emme.

IMG_5431IMG_5434IMG_5435IMG_5436IMG_5437

IMG_5440IMG_5441

Wir sind nun viiiiiel weiter weg von Burgdorf…

IMG_5442

… und wandern unserer Mittagsrast entgegen.

IMG_5444IMG_5445

Keiner zu klein, ein Wanderer zu sein.

IMG_5447

Es bestätigt sich einmal mehr: Auch vermeintlich banale Wanderungen haben landschaftliche und architektonische Perlen zu bieten.

IMG_5448IMG_5449

Wir stampfen durch den Wald, der – den Spuren nach zu schliessen – auch von kälteresistenten Bikern benutzt wird.

P1110972IMG_5451

IMG_5458

Irgendwie habe ich den Eindruck, diese Kirche schon mehrmals gesehen zu haben. Einziger Unterschied: So nahe kamen wir ihr noch nie.

IMG_5459

Schlussaufstieg zur Rothöhe

IMG_5462

mit gleichnamigem Restaurant, wo es einen Kafi gibt.

IMG_5464

Nun kennen wir dieses Burgdorf bald von allen Seiten.

IMG_5465

Aussicht Richtung Schrattenflue und Berner Alpen.

IMG_5466

Die letzten Meter in der freien Natur im Licht der untergehenden Sonne.

IMG_5468

Am Bahnhof schliesst sich der Kreis wieder.

IMG_5469

Wir haben die vorgesehene Route ganz leicht abgekürzt. Dennoch: Wir haben dieses Städtchen am Eingang zum Emmental grossräumig und in gut 5 Stunden umwandert.

Vielen Dank an Beat für die Pfadfinder-Leistung und allen Mitwanderern für die gute Kameradschaft.

Mehr Infos und Bilder gibt es HIER abzuholen.

Wenn ich mir die rot eingezeichnete Route genauer anschaue, muss ich zugeben, dass gewisse Ähnlichkeiten mit einem amerikanisches Grossmaul nicht von der Hand zu weisen sind.

Karte

Glückliche VR-Hühner

Im Gewerbemuseum Winterthur läuft noch bis am 28.4.19 die Ausstellung Food Revolution 5.0.

Im ersten Stock zieht ein besonderes Stück Geflügel die Besucher in seinen Bann: ein Huhn mit aufgesetzter VR-Brille. Dem Vogel wird so vorgegaukelt, er gehe als glückliches Huhn durchs Leben, sei an der frischen Luft, finde Würmer zum ausscharren. All das macht die moderne Technik und eine Art “Huhn-Laufband” möglich.

20190105_145458_thumb2

Angesichts solcher Utopie geriet meine Fantasie ins Wallen. Könnte so etwas auch mit Wanderern möglich sein? Wenn jedes Mitglied unserer Wandertruppe so ein Brille aufgesetzt hätte, unser Wanderleiter das richtige Programm geladen hätte und das Laufband seinen Dienst verrichtete, könnten wir alle bequem von zu Hause aus jedes erdenkliche Ausflugsziel dieses Landes gänzlich ohne Treibhausgas-Emissionen erreichen und wären so glücklich dabei wie das VR-Huhn. Wir könnten miteinander zufrieden gackern, pardon, sprechen. Wir würden uns gemeinsam ans gleiche Seeufer setzen und unser Picknick auspacken, das gleiche Panorama beobachten, zusammen wieder aufbrechen.

Nie mehr müssten wir uns über den Fahrplan der SBB und vollgestopfte Züge ärgern. Wir könnten ausschlafen und dennoch rechtzeitig am Ausgangspunkt sein. Und das Wetter würde uns nie mehr einen Strich durch unsere Pläne machen.

Der einzige Unterschied zum VR-Huhn wäre nur noch: Wir würden die gefundenen Würmer zuerst grillieren.

Eine Pendenz weniger

An dem Tag, als
jede Viertelstunde eine Schneeflocke ihren Weg zwischen Himmel und Erde suchte,
die Feiertage am Ausplämpern sind, aber der Alltag auch noch nicht Einzug gehalten hat,
ich es mir gut verkneifen konnte, mich irgendwo in einem Shopping-Center unter das Volk zu mischen (merke: hierzulande ist eigentlich noch Feiertag, aber zur Bespassung des gelangweilten Volkes sind hüben wie drüben die grösseren Läden offen),
ich absolut nichts Besseres im Sinn hatte,
beschloss ich, eine Pendenz aus dem letzten, neuerdings sogar aus dem vorletzten Jahr zu erledigen.

Ich putzte meine Küche. Allergründlichst! Ich machte Verrenkungen, stieg zig mal auf einen Stuhl und wieder runter. Zuoberst zuhinterst, überall hin gelangte mein Putzhudel.

Und wisst ihr was: ich fühle mich jetzt …

IMG_3114

… grossartig! So kann ich nämlich für den Rest des Jahres bei jeder sich bietenden Gelegenheit ohne schlechtes Gewissen auf Wanderschaft gehen.