Im Aquarium

Da wir nicht zu der hier beschriebenen Kategorie Menschen gehören, wanderten unsere Skianzüge nach zwei Wochen täglichen Tragens in die Wäsche. Wir verpassten ihnen das Outdoor Programm in der Waschmaschine mit Spezialwaschmittel, hängten sie zum trocknen auf, sprayten sie mit Imprägnierungsmittel ein und damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein sollen. Sie waren wieder sauber und bereit für die nächsten Ausflüge in den Schnee, wann immer das auch sein mag.

Hätten. Denn plötzlich schoss mein innig geliebter Mitbewohner vom Sofa auf, begab sich zum Kleiderschrank und zerrte seine Skijacke hervor. “Scheisse, ich hab mein Handy mitgewaschen”, tönte es bald darauf aus dem besagten Raum.

Was folgte, könnt ihr euch sicher vorstellen. Wir entfernten die Abdeckung, nahmen Akku und SIM-Karte heraus und gönnten dem malträtierten Telefönchen eine Warmluft-Kur mit dem Fön. Und warteten den nächsten Morgen ab, um zu sehen, ob das 10-jährige Handy noch irgendeinen Wank machen würde.

Was glaubt ihr, hat des Mitbewohners Handy den Goldfisch-Test bestanden?

 

Unterhose auf Abwegen

Unterwäsche sei mit 60 Grad zu waschen, hatte mir meine Mutter eingebläut, Bettwäsche ebenso. T-Shirts und dergleichen nicht über 40 Grad. Und Wolle…, nein, dort musste ich nicht mehr hinhören, denn Wolle existiert für mich nicht. Wolle juckt und Wolle stinkt, wenn sie nass ist. Theoretisch hat meine Mutter mir noch mehr in Sachen Wäsche waschen beigebracht. Zum Beispiel, dass man nach Farben getrennt waschen soll, aber so ein neuer Farbton auf der Bluse hin und wieder, das habe ich schnell gemerkt, ist mitunter ganz lustig.

Man macht so seine einschlägigen Erfahrungen vor und neben der Waschmaschine. Je weiter weg von der eigenen Waschmaschine man seine Klamotten in einen Schlund aus Chromstahl stopft, desto abenteuerlicher wird es. Nicht nur, weil man unter Umständen nur ansatzweise weiss, welches Programm zu wählen ist. Beispielsweise damals in Schweden.

In Amerika war das nicht so schwierig, denn dort kann man nur warm oder kalt waschen. Die Waschmaschinen heizen nicht und beziehen das Wasser direkt aus dem Boiler. Nach unserem Verständnis wird die Wäsche in Amerika nicht sauber, sie riecht nur wieder besser. Und ob man das Handtuch zusammen mit Socken wäscht, spielt keine Rolle.

Um diese Erfahrung bereichert, nehmen wir das mit dem Wäsche sortieren seither viel gelassener. Hin und wieder so ein sexy Paar Unterhöschen hat noch keinem T-Shirt geschadet. Das musste auch mein innig geliebter Mitbewohner vor kurzem wieder einsehen, als er einen Blick in den sich leerenden Wäschekorb kommentierte mit: “Da hat es aber ein paar Unterhosen drin, die fremd gegangen sind.”

Besser die Unterwäsche als…

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Waschtag

„Haaalt!“ Mir blieb keine Zeit mehr, um Nettigkeiten auszutauschen, ich musste meinen innig geliebten Mitreisenden sofort zum Anhalten bewegen. Meine Augen hatten erspäht, wonach wir schon seit Tagen Ausschau gehalten hatten. Drum hiess es wenden, parkieren, aussteigen, auskundschaften. Tatsächlich, ich hatte mich nicht getäuscht, es war eine Wäscherei. Und der erste Augenschein ergab, dass es freie Maschinen hatte und dass sie zu funktionieren schienen. Dem Zusammensuchen der Schmutzwäsche inklusive der Bettwäsche und Badetücher stand nichts mehr im Wege. Alles Routine – und ein Klacks gegen die Probleme, mit denen ich mich konfrontiert sah, als ich die Waschmaschine mit Münzen füttern wollte.

Was zu Hause so locker nebenbei und häufig zu einer beliebigen Zeit erledigt werden kann, wird auf Reisen mitunter ganz schön mühsam. Natürlich ist es denkbar, dass man für mehrere Wochen Garderobe mitführt. Bei uns ist das aus Platzgründen nicht möglich. Wir sind häufig einen Monat und länger mit dem Wohnmobil unterwegs und müssen darum alle zwei Wochen eine Waschgelegenheit ausfindig machen.

Längst nicht alle Campingplätze verfügen über eine Waschmaschine. Und wenn, heisst es nicht zwangsläufig, dass sie funktioniert. Und wenn sie funktioniert, ist sie vielleicht dauernd besetzt oder die Rezeption, die einem die Jetons verkauft, erst ab 18.00 Uhr offen. Ihr findet das etwas gar theoretisch? Irrtum, haben wir alles schon mehrfach erlebt.

Deshalb bevorzugen wir mittlerweile Wäschereien in Ortschaften. Gerade in Frankreich funktioniert der Waschtag mit einer „Laverie automatique“ problemlos. Sofern man über die passenden Münzen verfügt. Denn die Wechselautomaten scheinen immer genau dort defekt zu sein, wo wir waschen wollen. So musste ich um die Mittagszeit schon mal meine Nase an einer geschlossenen Apotheke platt drücken, mir bei einer Pizzeria eine Abfuhr geben lassen, bis endlich ein Coiffeur im Quartier Erbarmen hatte, und mir meine Zehneuronote in Münzen umwechselte.

Längst habe ich mich daran gewöhnt, dass ich unterwegs meine Wäsche im Tumbler trockne. Seit jenem Waschtag in Kalifornien, als mein Pyjama am Abend noch feucht war, bin ich zu den Tumblerinnen konvertiert. Das hatte auf unserer Reise durch Nordamerika ausserdem den Vorteil, dass nicht ständig die Frage beantwortet werden musste, ob der Wäschetrockner defekt sei. Im Land der unbeschränkten Möglichkeiten trocknet nämlich niemand seine Wäsche an der Leine.

Natürlich haben wir auch schon erlebt, dass die Wäsche schneller trocken war, als wir die Wäscheklammer loslassen konnten. Und glaubt mir, auch ich wasche unterwegs regelmässig Wäsche von Hand aus. Doch was macht man, wenn der Waschtrog keinen Stöpsel hat und grosse Wäschestücke wie der Duvetanzug im eigenen Plastikbecken keinen Platz finden? Zuerst etwas dumm aus der Wäsche gucken. Und dann besinnt man sich auf seinen Haushalt, holt eine rohe Kartoffel, schnitzt an ihr rum und fertig ist der Stöpsel. Funktioniert, probiert’s mal aus! Das Schälen könnt ihr euch dabei sparen. Da wir nicht immer Kartoffeln dabei haben, führen wir seit einigen Jahren einen Universal-Stöpsel mit, der auf jeden gängigen Abfluss passt. „Stöpsel“ ist zwar nicht der passende Ausdruck, denn das Kunststoffteil ist flach wie eine Omelette und verschliesst den Abfluss einzig durch den Druck des Wassers. Der nervigen Wasserverschwendung durch ständig durchlaufendes Wasser, gerade in südlichen Ländern, können wir seitdem gut entgegenwirken.

Bei stinkenden Wasch- und Putzlappen nützt allerdings die besagte Handwäsche – mit oder ohne Stöpsel – nichts. Da muss gröberes Geschütz aufgefahren werden. Die Stinktierchen in eine Pfanne, mit Wasser bedecken, ein Spritzer Waschmittel dazu, das Ganze aufkochen und schon sind die Lappen wieder einigermassen hygienisch sauber und der muffige Geruch hat sich verzogen.

Leider ist das Leitungswasser nicht überall so klar wie bei uns. In gewissen Regionen Irlands sieht es nicht nur nach Moor aus, es riecht auch so. Könnt ihr euch unsere Gesichter vorstellen, als wir unsere Wäsche aus der Wäscherei abholten und alles einen Braunstich hatte? Vor solchem Wasser hätte wohl selbst die legendäre Clementine aus der Ariel-Reklame kapituliert.

Schwedisch für Anfänger

Wenn man den Schweden zuhört, versteht man nur Bahnhof. Etwas anders verhält es sich mit der geschriebenen Sprache. Da sieht doch einiges ähnlich aus. Oder zumindest meint man es. Wenn nämlich an einem Lokal „100 Ölsorter“ angeschrieben steht, kocht der Chef nicht mit 100 verschiedenen Ölen, sondern Öl ist auf Schwedisch nicht mehr und nicht weniger als Bier. Ein Haus ist Hus, eine Frau Fru, wieso also sollte eine Hausfrau nicht Husfru heissen? Es tut nicht! In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass sich die Hemmafru am Rhein wieder von ihrem Lachanfall erholt hat, als ich mit wenig Erfolg versuchte, sie stilgerecht anzuschreiben.

Sollte man nicht wissen, was mit dem Strassenschild „Farthinder“ gemeint war, merkt man es spätestens, wenn nach der Bodenschwelle hinten im Womi die Besteckschublade frisch eingeräumt ist. Und dass das eigene Fahrzeug nicht nur ein Bil, sondern gar ein Husbil ist, sollte man wissen, wenn man am Campingplatz eincheckt. „Öppet alla dager“ schliesst sich einem schnell auf, wenn man vor dem Laden steht und die Aufschrift „Smakling måltid“ auf dem Brotsack kann man auch ohne Wörterbuch deuten. Wenn man bei Ost der Nase nachgeht, kommt man nicht zu den Chinesen, sondern an die Käsetheke.

Doch eigentlich braucht man in Schweden gar nicht Schwedisch zu sprechen, denn vor allem die jüngeren Leute sprechen alle hervorragend Englisch. Dennoch stand ich vor gewissen Problemen, als ich meine Wäsche waschen wollte. Dass ich auf Anhieb das richtige Waschprogramm erwischt habe, kommt gewiss einem kleinen Schwedisch-Sprachdiplom gleich.

Auf Tuchfühlung mit dem Rindvieh

Weisse Skibekleidung hat zwei entscheidende Vorteile:

  1. Sie kaschiert Fahrfehler viel besser, weil sie einen auf der Skipiste quasi unsichtbar macht.
  2. Sie verhindert, dass man Flecken auf der Kleidung allzu lange suchen muss.

Nach zwei Wochen Skiferien war im Hause Flohnmobil nur noch b) relevant.

Weil einige Flecken – auch im Wallis tropft von den Skiliftmasten kein Fendant sondern vorwiegend ein Öl/Wasser-Gemisch – beim Waschen nicht ausgegangen waren, mussten wir härteres Geschütz auffahren. Ochsengalle heisst das Zauberwort. Dank Ochsengallenseife haben wir im dritten Anlauf auch den letzten hartnäckigen Fleck wieder zum Verschwinden gebracht und des Kaisers neue Familie Flohnmobils Skianzüge strahlen wieder wie einst.

Einmal mehr bleibt mir nur noch eines übrig: Grenzenloses Staunen über unsere Rindviecher. Was müssen die bloss für Innereien haben! Irgend so etwas in Richtung „Rossmagen“ würde ich mal tippen.

Perfekt installiert und inszeniert

Für 5.60 Euro hat sich uns heute das Tor nach Lissabon geöffnet. Über die gigantische Ponte da Vasco da Gama sind wir von Osten her über den Tejo gefahren. Hier ein paar Auszüge aus Wikipedia:

Sie ist mit 17,185 km eine der längsten Brücken der Welt und die längste in Europa. Die maximale Spannweite beträgt 420 Meter, die Pylone sind 155 Meter hoch. Über die Brücke führt die Autobahn A12 mit sechs Fahrstreifen. Die Brücke wurde (teils privat, teils durch EU-Hilfen finanziert) zwischen 1995 und 1998 zur Weltausstellung Expo 98 erbaut, um die Ponte 25 de Abril sowie weitere Infrastrukturen Lissabons vom Nord-Süd-Verkehr zu entlasten.

Über die meist mindestens dreispurige und total leere Autobahn (die Portugiesen haben wohl etwas vorgeschlafen für die Sause heute Abend) hat uns das Navi in den Campingplatz am Rande eines Parks gelotst. Hier sind wir für die nächsten Tage einquartiert. Der Campingplatz liegt 5 km ausserhalb des Zentrums und verfügt über einen sehr hohen Ausbau-Standard. Die Plätze für Womis sind parzelliert, man steht auf betoniertem Untergrund und zu jedem Stellplatz gehört ein eigener Tisch, Wasserhahn mit Ausgussbecken, Steckdose und ein Abfalleimer. Und das alles für 24 Euro. Wir stehen angenehm im Schatten unter grossen Eukalyptus-Bäumen. Dank der perfekten Infrastruktur kommt es mir nicht nur vor wie in Australien, es riecht auch so. Käme nun noch ein Känguru daher gehüpft oder würde mich ein wuscheliger Koala schläfrig anblinzeln – die Illusion wäre perfekt.

Nach dem Einrichten haben wir als erstes die Waschmaschine gestürmt. Nach 2 ½ Wochen roch die Bettwäsche schon langsam aber sicher nicht mehr so ganz frisch und der Sack mit den miefenden Kleidern hat sich auch stetig gefüllt.

Alles hat bis jetzt tip-top geklappt. Wir können der Stadtbesichtigung Lissabons und dem Umzug heute Abend, der zu Ehren des Stadtheiligen Sao Antonio durchgeführt wird, gelassen entgegenschauen. Solltet ihr längere Zeit nichts mehr von mir hören, so sind wir wahrscheinlich im Trubel untergegangen.

Ach ja, was ich noch sagen wollte: Lissabon sonnig, 27 Grad.

Unbefleckt

„Aber nei, Marlene, mit däne schöne Chleider tuesch du choche. Leg doch wenigstens e Schooss a!“ Meine Mutter und ich haben uns immer nur angeschaut und die Augen verdreht, wenn meine Grossmutter ihre eigene Tochter mit diesem so oft gehörten Satz zurecht wies. Als Folge davon haben sowohl meine Mutter als auch ich unter den Fittichen der älteren Generation eine regelrechte Schürzen-Allergie entwickelt. So etwas ist brandgefährlich, kann ich euch sagen. Denn man riskiert auf Schritt und Tritt, sich mit Tomatensauce bekleckern, unter einer Mehlwolke zu verschwinden oder von einer Rande attackiert zu werden. Schlimmer noch, es kann sogar sein, dass man sein T-Shirt notfallmässig in die Wäsche geben muss und dabei glattweg das Essen kalt wird in der Zwischenzeit.

Im Zeitalter von Miele & Co. kommt es auf ein zusätzliches Wäschestück mehr oder weniger nicht an. Man gibt ja ohnehin die Kleider viel, viel häufiger in die Wäsche als früher. Und meistens sind die Kleider noch nicht mal dreckig, sondern muffeln lediglich ein wenig.

Meine Grossmutter aber, geboren 1917 und auch 94 Jahre später immer noch im eigenen Haushalt lebend (und seit eh und je keine Köchin aus Leidenschaft), musste noch von Hand Wäsche waschen. Unter solchen Umständen wäre ich vielleicht auch geneigt gewesen, mir jeweils eine Schürze umzubinden, bevor ich mich in der Küche betätige. Ich würde wahrscheinlich die Unterwäsche auch länger als einen Tag lang tragen und hätte – allein schon, weil die Wäscherei so viel Zeit verschlingt – viel weniger Zeit, um Sport zu treiben, was wiederum weniger dreckige Wäsche verursachen würde. Kurzum: Ich würde mich nicht über jemanden lustig machen, der es eigentlich nur gut meint.

In meinem Haushalt hat es nie eine Schürze gegeben (auch nicht für Abwaschmittel Gütterli!!!) und wird es nie eine geben.

Und weil das so ist, endet dieser Blogbeitrag sec.
Ohne Bild.
Ja woher denn auch?