Nie mehr alleine!

Es ergab sich, dass mein Blick umher schweifte. Schliesslich hat man Zeit dazu, wenn man auf dem Thron sitzt. Und in Badezimmern, wo man nicht täglich ist, gibt es eigentlich immer etwas Interessantes oder zumindest nicht Alltägliches zu sehen. Das war auch im vorliegenden Fall nicht anders.

Mein Blick blieb an einer Wäscheleine hängen. Dort baumelten Socken. Adrett paarweise an einer speziellen Vorrichtung befestigt. Ich konnte mir meiner Gastgeberin gegenüber eine Bemerkung über diese beinahe militärische Anordnung auf der Wäscheleine nicht verkneifen.

Da geriet sie (die Gastgeberin, nicht die Wäscheleine!) ins Schwärmen. Das sei etwas vom Besten, was ihr je begegnet sei. Sie und ihr Mann würden schmutzige Socken immer sofort an diesen Sockenclips befestigen und sie dann so in die Waschmaschine geben. So müsse sie nie, gar nie nach Socken suchen. Diese tauchten immer paarweise wieder auf.

Leider, so sagte sie mir mit, ginge ab und zu mal so ein Sockenclip kaputt und sie seien in der Zwischenzeit etwas rar geworden. Wenn sie nur wüsste, erklärte sie unter Seufzen, wo es derartige Helferlein zu kaufen gäbe.

Wenn es weiter nichts ist! Kurz gegoogelt und schon rausgefunden, dass es ganz viel verschiedene Anbieter derartiger Sockenclips gibt.

Einer nennt sich sogar: www.sockenclip.ch

20-er Pack Sockenclips

Mir wäre das ja ehrlich gesagt zu blöd, die dreckigen Socken immer zuerst einzuspannen, bevor ich sie in den Wäschekorb werfen kann. Aber offenbar gibt es Leute, die darin einen Vorteil sehen.

Was meint ihr?

Andere Länder – andere Sitten (2)

Wäscheleine der anderen Art

Man muss noch nicht mal das Land bereist haben, um zu erahnen, dass die Uhren im Mexiko anders ticken als bei uns. Wenn sie denn überhaupt ticken. Denn zu Zeit hat der Mexikaner ein anderes Verhältnis als das Volk der Uhrmacher im Herzen Europas.

Während ich hier schreibe und mir vorsichtig die Worte zurechtlege, dass ich die Pointe nicht am Anfang schon preisgebe, kommen mir ständig neue Erlebnisse in Mexiko in den Sinn, die gut in diese Serie passen würden. Immerhin haben wir Mexiko 5 Monate lang mit dem Camper bereist. Die meisten Mexikaner sind mausarm und leben in für unsere Begriffe schäbigen Bretterbuden. Sie sind Meister im improvisieren und flicken. Unsere Wegwerf-Gesellschaft könnte sich eine dicke Scheibe davon abschneiden.

Kakteen gehören in den meisten Regionen des subtropischen Landes zum Landschaftsbild wie bei uns Obstbäume. Kleine, grosse und ganz grosse Kakteen. Mit viel oder sehr viel Dornen. Zäune braucht es in Mexiko keine, solange eine breite Hecke an Kakteen ein Anwesen umgibt. Gewisse Kakteen kann man essen. Ihre Ohren werden auf Märkten angeboten. Das musste ich natürlich auch mal probieren!

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Kakteen haben aber noch eine weitere Funktion. Und um die zu verstehen, muss man wissen, dass es grosse Ohrenkakteen (Opuntien) gibt, die nicht ganz so viele Dornen haben wie auf dem Bild, das übrigens aus der Provence stammt.

Die Mexikanerinnen – und hier darf wohl getrost das Klischee des unter dem Sombrero zuschauenden, untätigen Mexikaners herbeigezogen werden – benützen ihre Kakteen-Hecken nämlich auch als Wäscheleinen. Nicht als Leine im herkömmlichen Sinn, sondern sie legen die Wäsche einfach auf die Kakteen. Wäscheklammern erübrigen sich. Wie schade nur, dass ich seinerzeit nie ein Bild von solchen textilen Ansammlungen auf der Botanik gemacht habe!

Wer etwas über kulinarische Freuden in Bezug auf Kakteen wissen will, kann gerne diesen alten Blogbeitrag anklicken.

Das Leben schwer gemacht

Ein flüchtiger Blick reichte, und die Misere war entdeckt. Du meine Güte, was war denn da in die Waschmaschine geraten! “Von mir kann es nicht sein”, beeilte sich mein innig geliebter Mitbewohner zu sagen, “von mir waren keine Hosen in der Wäsche, also auch keine Taschentücher.” Die Schuld schien bei mir zu sein. Fluchend und ahnungslos begannen wir, die feuchte Wäsche aufzuhängen. Da war nicht bloss ein Fitzelchen Papier. Was da an unseren Kleidern hing, war gröberes Geschütz. Aber was?

Die ganze Wäsche war versaut. Gründlich versaut. Im ersten Effekt wollte ich gleich nochmals alles in die Waschmaschine schmeissen. Aber da war bereits die geschlechtertypische Sorgen- und Aufgabenteilung im Gang. Während ich mir nämlich Gedanken machte, wie ich die ganzen Papierfasern jemals wieder aus der Wäsche bringen sollte, machte sich der Mitbewohner Sorge um die Waschmaschine. Verstopfter Filter und so. Dort drin, das sollte sich bald herausstellen, war aber nichts. Lediglich in der Wäschetrommel klebten noch einige Papierfasern. Um Abhilfe zu schaffen, liessen wir die Maschine im Kurzprogramm einmal durchlaufen.

Das Problem Waschmaschine schien damit behoben zu sein, nicht so das Problem Wäsche. Die Papierfasern liessen sich nicht einfach so ausschütteln. Weder von den feuchten noch trockenen Kleidern. Und glaubt mir, jedes aufgelöste Papiertaschentuch wäre mir in dem Moment als Bagatelle vorgekommen! Ich schöpfte mein gesamtes Repertoire an Reinigungs-Möglichkeiten aus. Kleiderbürste? Wirkungslos. Kleiderroller? Zu wenig effizient. Ich endete beim Staubsauger mit Bürstenaufsatz.

Und so saugte ich die gesamte Wäsche, bestehend aus 10 T-Shirts, einer Trainingshose, diverser Sportwäsche und etwa 6 Paar Socken ab. Nicht nur hinten und vorne, sondern auch auf der Innenseite, denn auch dort hatten sich die Papierfasern regelrecht festgekrallt. Während ich also staubsaugend und mit meinem Schicksal hadernd am Bügelbrett stand, hatte ich ausreichend Zeit, um im Geiste schon mal diesen Blogbeitrag zu verfassen. Zwei Stunden, um genau zu sein.

Zu guter Letzt landete die ganze Wäsche nochmals in der Maschine, denn irgendwie fühlte sie sich noch nicht so richtig sauber an. Wirklich edle Stücke waren zum Glück nicht darunter. Mit Ausnahme meiner schwarzen Trainings-Hose aus Polywasweissich-Fasern, die offenbar besonders empfänglich für Fremdstoffe ist, sieht man unserer Garderobe nach dem arbeitsbeschaffenden Prozedere nichts mehr an.

Was lernen wir daraus?

Denke nie, du sparst Zeit, wenn du mitsamt der Wäsche Material zum Entsorgen in die Waschküche trägst.

Versuche dich nicht in Multi-Tasking, wenn es dich überfordert.

Halte dir vor Augen, dass es mit eigenen Hühnern nie so weit gekommen wäre.

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Handy in der Waschmaschine

Kennt ihr die Pflegeetiketten auf den Kleidern? Also diese Dinger, die meist an so unmöglichen Orten angebracht sind, dass sie kratzen. Die mit den Symbölchen für Wasch- und Bügeltemperatur, Hinweisen fürs chemisch Reinigen etc. Offenbar weiss ein Grossteil der waschenden Bevölkerung nicht (mehr), was die auf den Etiketten abgebildeten Symbole überhaupt bedeuten. Das schreit selbstverständlich nach Gegenmassnahmen. Und diese werden offenbar demnächst in Form von QR-Codes, die die Symbole ergänzen, die waschende Mehrheit Menschheit retten.

Das dürfte dann etwa so ablaufen:
Code des Handtuchs scannen. Aha, bis 60 Grad, Schleudern bei max. 1’200 Touren, kein Bleichmittel, Bügeln bei Stufe drei. à Haufen rechts.
Code der Jeans scannen. Max. 40 Grad, nur mit dunklen Farben waschen, vor dem Waschen umdrehen, Schleudern bei 1’000 Touren, kein Bleichmittel, Bügeln nach Bedarf mit Dampf auf Stufe drei. à Haufen Mitte.
Code des luftigen Blüsleins ans Smartphone. 30°C, schonender Prozess, Feinwäsche, Wäschemenge reduzieren, Trommel höchstens bis zur Hälfte füllen, wegen Knittergefahr nicht oder nur kurz schleudern, keine Bleichmittel, Bügeln auf niedrigster Stufe. à Haufen links.

So wird endlich das Waschen wieder mehr Spass machen und obendrein allfällige Langeweile vertreiben, weil sich das Scannen und Lesen der Informationen auf dem geliebten Bildschirmchen herrlich in die Länge ziehen wird.

Die heute geltenden Pflegesymbole wurden, so habe ich heute im Radio gehört, vor einem halben Jahrhundert ins Leben gerufen. Als ich etliche Jahre später die Rüebli-RS besuchte, wo man „Töchtern“ wie mir das Haushalten, Waschen, Kochen, Putzen beizubringen versuchte, waren diese Symbole etabliert und wurden uns eingetrichtert. Ich mute mir auch mehr als dreissig Jahre später noch zu, eine Maschine Wäsche zu starten, ohne fremde Hilfe beiziehen zu müssen. Dass ich in der Zukunft jede einzelne Pflegeetikette sicherheitshalber zuerst mit dem Smartphone (das ich übrigens gar nicht habe und bestimmt ausgerechnet wegen der Wäsche nicht zulegen werde!!!) einscanne, ist daher sehr, sehr unwahrscheinlich.

Wer sich aber vorsichtshalber schon mal informieren will, was seinen zukünftigen Klamotten bevorsteht, klicke HIER.

(Damit wäre auch noch dem heutigen Tag der Feststelltaste (!!!Hilfe!!!) Rechnung getragen und Messerschaf für ihren überaus wertvollen Beitrag gedankt.)

Wer wie ich auch noch Freude am undigitalisierten Leben empfindet, dem sei beispielsweise der Besuch eines analogen Marktes in Frankreich empfohlen.

Entfärbung

Es gab verschiedene Gründe, die dafür sprachen. Die Wanderung im Ockerpulver war sicher nicht der Wichtigste. Eher die Tatsache, dass da immer so ein komischer Mief in der Luft hing. Ausserdem waren wir uns selbst nicht mehr ganz sicher, wie das Goldschätzchen im Original aussah. Und das Tauchbad im Pool – bekanntlich und offiziell nur bis zum Bauch – war wohl auch nicht exakt das Richtige.

Also schritten wir zur Tat, untersuchten die dargebotenen Produkte und entschieden uns für das Fläschchen, das am leersten aussah und verführerisch nach Pfefferminz duftete. Mein innig geliebter Mithüter juckte in die Badehose, ich bereitete in der Giesskanne die anstehende Wellness-Orgie vor und legte alles in Griffnähe, was wir sonst noch brauchen konnten.

Und der Hauptdarsteller? Der beobachtete unsere Vorbereitungen mit wachsender Unruhe und hängendem Schwanz. Dass ihm das Prozedere nicht gänzlich unbekannt sein muss, erwies die stoische Ruhe, mit der er alles über sich ergehen liess. Bis…

Bei der erstbesten Gelegenheit verschwand das Goldschätzchen im Busch und kam mit nassen Pfoten und einer üppigen Kletten-Dekoration wieder heim.

Der Mithüter und ich, wir mögen nicht die perfekten Hundesitter sein, aber bestimmt sind wir wieder um eine Erfahrung reicher. Und quälen uns mit der Frage, wie wir das wohl gemacht hätten, wenn es draussen einiges weniger als 25 Grad warm gewesen wäre. Im Ostfriesen-Nerz vielleicht?

Platt für den Rest des Lebens

„You have to iron this down“, sagte die gutgekleidete Dame und nahm mir energisch das Bügeleisen aus der Hand. Dann demonstrierte sie, was genau sie meinte. Ich müsse die Textilpflege-Etikette, also dieses kratzende Ding hinten am Kragen, mit dem Bügeleisen bändigen, platt machen.

Die Bügel-Lektion war damit noch nicht zu Ende. Einmal in Schwung gekommen, erklärte mir das pingelige Frauenzimmer gleich noch, wie sie den Rest der Wäsche (inklusive Unterwäsche und Socken!!!) gebügelt haben wollte. Die Dame war nämlich für die kommenden sechs Monate meine – na wie nennt man das bloss? Jedenfalls war sie die Mutter von zwei verzogenen Kindern, geschieden, grosses Haus. Und ich war für sechs Monate nach England gegangen, um als Au-Pair Englisch zu lernen, nicht um Socken zu bügeln.

Vielleicht begründet in diesem Erlebnis, das schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurück liegt, meine innige Abneigung gegen jegliche Bügeleisen. Seien sie mit oder ohne Dampf. Mit oder ohne Unterbau. Mit oder ohne Kabel. Nun mal ganz ehrlich: Hemden bügeln – okay, auch T-Shirts und Jeans lasse ich mir ja noch angehen. Aber Kissenanzüge, Geschirrtücher und Unterwäsche zu bügeln ist wirklich reine Zeitverschwendung. Da schreib ich doch in der Zeit lieber einen neuen Blog-Beitrag. Das kann ich nicht nur besser, da ist der Spassfaktor auch weeeesentlich grösser.