Ein bisschen Mief gehört rein

Ein gewisser Mief gehörte seinerzeit einfach dazu. Ohne ihn outete man sich sofort als Greenhorn. Blutiger Anfänger. “Du hast wohl noch nie einen Berg aus der Nähe gesehen!” Es war in der Zeit, als man in SAC-Hütten noch nicht duschen konnte. Wo man eine Woche lang erhobenen Hauptes die gleiche Wäsche trug. Und niemand störte sich daran. Denn alle anderen stanken gleichermassen. Oder jedenfalls die meisten.

In unserer Wandergruppe ist immer mal wieder eine Diskussion im Gange über das Wie, Ob und Überhaupt. Soll man einen Rucksack waschen? Ohne Zweifel, spätestens nach ein paar schweisstreibenden Wanderungen stinkt das Teil. An den Trägern, am Rücken, am Hüftgurt. Auslüften reicht da nicht mehr.

Wie aber dem Gestank beikommen? Die Einen werfen ihren Rucksack völlig enthemmt in die Waschmaschine. Das würde ich nicht nur meinem Rucksack, sondern auch meiner Waschmaschine nicht antun. Ich will gar nicht wissen, ob mein bestes Stück gegebenenfalls in die Wäschetrommel passen würde.

Nein, ich weiche meinen Rucksack im Spültrog ein. Dieser scheint von der Grösse her wie geschaffen für ihn zu sein. Lange, bis zu einem halben Tag, verweilt er dort. Dann werden die neuralgischen Stellen mit einer Bürste geschrubbt, der Rucksack ausgespült, zum Trocknen aufgehängt und am Schluss mit Imprägnierungsspray behandelt.

Nach einem derartigen Procedere stinkt das Teil nicht mehr. Im Gegenteil, es riecht dezent nach irgendwelchen Blümchen, die, was immer sie sein mögen, um diese Jahreszeit garantiert nirgends mehr wachsen.

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Irgendwelche Wanderer unter den Flohnmobil-Lesern, die einschlägige Erfahrungen mit der Reinigung ihres Rucksacks gemacht haben?

Nie mehr alleine!

Es ergab sich, dass mein Blick umher schweifte. Schliesslich hat man Zeit dazu, wenn man auf dem Thron sitzt. Und in Badezimmern, wo man nicht täglich ist, gibt es eigentlich immer etwas Interessantes oder zumindest nicht Alltägliches zu sehen. Das war auch im vorliegenden Fall nicht anders.

Mein Blick blieb an einer Wäscheleine hängen. Dort baumelten Socken. Adrett paarweise an einer speziellen Vorrichtung befestigt. Ich konnte mir meiner Gastgeberin gegenüber eine Bemerkung über diese beinahe militärische Anordnung auf der Wäscheleine nicht verkneifen.

Da geriet sie (die Gastgeberin, nicht die Wäscheleine!) ins Schwärmen. Das sei etwas vom Besten, was ihr je begegnet sei. Sie und ihr Mann würden schmutzige Socken immer sofort an diesen Sockenclips befestigen und sie dann so in die Waschmaschine geben. So müsse sie nie, gar nie nach Socken suchen. Diese tauchten immer paarweise wieder auf.

Leider, so sagte sie mir mit, ginge ab und zu mal so ein Sockenclip kaputt und sie seien in der Zwischenzeit etwas rar geworden. Wenn sie nur wüsste, erklärte sie unter Seufzen, wo es derartige Helferlein zu kaufen gäbe.

Wenn es weiter nichts ist! Kurz gegoogelt und schon rausgefunden, dass es ganz viel verschiedene Anbieter derartiger Sockenclips gibt.

Einer nennt sich sogar: www.sockenclip.ch

20-er Pack Sockenclips

Mir wäre das ja ehrlich gesagt zu blöd, die dreckigen Socken immer zuerst einzuspannen, bevor ich sie in den Wäschekorb werfen kann. Aber offenbar gibt es Leute, die darin einen Vorteil sehen.

Was meint ihr?

Das Leben schwer gemacht

Ein flüchtiger Blick reichte, und die Misere war entdeckt. Du meine Güte, was war denn da in die Waschmaschine geraten! “Von mir kann es nicht sein”, beeilte sich mein innig geliebter Mitbewohner zu sagen, “von mir waren keine Hosen in der Wäsche, also auch keine Taschentücher.” Die Schuld schien bei mir zu sein. Fluchend und ahnungslos begannen wir, die feuchte Wäsche aufzuhängen. Da war nicht bloss ein Fitzelchen Papier. Was da an unseren Kleidern hing, war gröberes Geschütz. Aber was?

Die ganze Wäsche war versaut. Gründlich versaut. Im ersten Effekt wollte ich gleich nochmals alles in die Waschmaschine schmeissen. Aber da war bereits die geschlechtertypische Sorgen- und Aufgabenteilung im Gang. Während ich mir nämlich Gedanken machte, wie ich die ganzen Papierfasern jemals wieder aus der Wäsche bringen sollte, machte sich der Mitbewohner Sorge um die Waschmaschine. Verstopfter Filter und so. Dort drin, das sollte sich bald herausstellen, war aber nichts. Lediglich in der Wäschetrommel klebten noch einige Papierfasern. Um Abhilfe zu schaffen, liessen wir die Maschine im Kurzprogramm einmal durchlaufen.

Das Problem Waschmaschine schien damit behoben zu sein, nicht so das Problem Wäsche. Die Papierfasern liessen sich nicht einfach so ausschütteln. Weder von den feuchten noch trockenen Kleidern. Und glaubt mir, jedes aufgelöste Papiertaschentuch wäre mir in dem Moment als Bagatelle vorgekommen! Ich schöpfte mein gesamtes Repertoire an Reinigungs-Möglichkeiten aus. Kleiderbürste? Wirkungslos. Kleiderroller? Zu wenig effizient. Ich endete beim Staubsauger mit Bürstenaufsatz.

Und so saugte ich die gesamte Wäsche, bestehend aus 10 T-Shirts, einer Trainingshose, diverser Sportwäsche und etwa 6 Paar Socken ab. Nicht nur hinten und vorne, sondern auch auf der Innenseite, denn auch dort hatten sich die Papierfasern regelrecht festgekrallt. Während ich also staubsaugend und mit meinem Schicksal hadernd am Bügelbrett stand, hatte ich ausreichend Zeit, um im Geiste schon mal diesen Blogbeitrag zu verfassen. Zwei Stunden, um genau zu sein.

Zu guter Letzt landete die ganze Wäsche nochmals in der Maschine, denn irgendwie fühlte sie sich noch nicht so richtig sauber an. Wirklich edle Stücke waren zum Glück nicht darunter. Mit Ausnahme meiner schwarzen Trainings-Hose aus Polywasweissich-Fasern, die offenbar besonders empfänglich für Fremdstoffe ist, sieht man unserer Garderobe nach dem arbeitsbeschaffenden Prozedere nichts mehr an.

Was lernen wir daraus?

Denke nie, du sparst Zeit, wenn du mitsamt der Wäsche Material zum Entsorgen in die Waschküche trägst.

Versuche dich nicht in Multi-Tasking, wenn es dich überfordert.

Halte dir vor Augen, dass es mit eigenen Hühnern nie so weit gekommen wäre.

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Federleichter Alptraum

Herr F. fand es gerade ausgesprochen gemütlich, da wo er sich befand. Er räkelte sich und war im Begriff, erneut ins Land der Träume abzudriften. Wie schön war es doch, pensioniert zu sein und am Morgen fast nach Belieben ausschlafen zu können!

Da hatte er allerdings die Rechnung ohne seine Frau gemacht. Diese hatte ganz andere Pläne und scheuchte ihn ungesehen der Tageszeit aus dem Bett. Sparsam wie Frau F. nun mal ist, war sie nämlich wild entschlossen, aus dem günstigen Stromtarif Profit zu schlagen. Und diesen gab es leider nur in den Morgenstunden. Also musste Herr F. noch vor Tagesanbruch aufstehen und ihr helfen, die Bettwäsche abzuziehen, in der er eben noch so friedlich geschlafen hatte.

Frau F. eilte sodann in die Waschküche und entgegnete ihrem maulenden Angetrauten, er könne sich ja auch ohne Bettwäsche nochmals in die Heia legen. Was dieser auch tat. Allerdings nur so lange, bis seine Holde den nächsten guten Einfall hatte. Und dass dieser nicht lange auf sich warten würde, wusste Herr F. nach mehreren Jahrzehnten Ehe nur zu gut.

Sein nächster Auftrag bestand darin, kurz nach Sonnenaufgang den Wäscheständer im Freien aufzustellen und seiner Frau artig beim Wäsche aufhängen behilflich zu sein. Schliesslich drapiert sich derart grosses Tuch nicht von alleine sittsam an der Leine.

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Aus der Überlieferung ist nicht bekannt, ob Herr und Frau F. den ganzen frühmorgendlichen Akt im Schlafanzug vollführten oder ob sie sich eigens dafür anzogen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Herr F. spätestens beim Wäsche aufhängen hellwach war.

Ich wünsche den Beiden weiterhin viel Spass beim Bettwäsche waschen, auch wenn sie, wie ich inzwischen auf hartnäckiges Nachfragen hin erfahren habe, durchaus mehrere Garnituren Bettwäsche im Schrank haben…

… und wie ich aus persönlicher Erfahrung weiss, auch sämtliche Tassen.

Die Marktlücke

Meine Waschmaschine kann waschen. Und das sogar sehr gut. In jedem Fall einiges besser als ich. 

Ich kann einstellen, ob sie mit hohen oder tiefen Drehzahlen schleudern soll. Ob mit oder ohne Vorwaschen.

Sie hat Automatik-Programme für Baumwolle, Synthetik, Wolle, Outdoor-Wäsche, Jeans, dunkle Wäsche, helle Wäsche, gar keine Wäsche.

Ich kann wählen zwischen verschiedenen Temperaturen. Viel Wasser, wenig Wasser. Kurzprogramm.

Aber was ich wirklich bräuchte, hat die verflixte Waschmaschine nicht: Einen Nastüechli-Detektor!

Als Sofortmassnahme werde ich deshalb die Taschen an den Pyjama-Hosen des Mitbewohners zunähen. Wer mitten in der Nacht ein Papier-Taschentuch braucht, kann auch wo anders fummeln gehen.

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Unterhose auf Abwegen

Unterwäsche sei mit 60 Grad zu waschen, hatte mir meine Mutter eingebläut, Bettwäsche ebenso. T-Shirts und dergleichen nicht über 40 Grad. Und Wolle…, nein, dort musste ich nicht mehr hinhören, denn Wolle existiert für mich nicht. Wolle juckt und Wolle stinkt, wenn sie nass ist. Theoretisch hat meine Mutter mir noch mehr in Sachen Wäsche waschen beigebracht. Zum Beispiel, dass man nach Farben getrennt waschen soll, aber so ein neuer Farbton auf der Bluse hin und wieder, das habe ich schnell gemerkt, ist mitunter ganz lustig.

Man macht so seine einschlägigen Erfahrungen vor und neben der Waschmaschine. Je weiter weg von der eigenen Waschmaschine man seine Klamotten in einen Schlund aus Chromstahl stopft, desto abenteuerlicher wird es. Nicht nur, weil man unter Umständen nur ansatzweise weiss, welches Programm zu wählen ist. Beispielsweise damals in Schweden.

In Amerika war das nicht so schwierig, denn dort kann man nur warm oder kalt waschen. Die Waschmaschinen heizen nicht und beziehen das Wasser direkt aus dem Boiler. Nach unserem Verständnis wird die Wäsche in Amerika nicht sauber, sie riecht nur wieder besser. Und ob man das Handtuch zusammen mit Socken wäscht, spielt keine Rolle.

Um diese Erfahrung bereichert, nehmen wir das mit dem Wäsche sortieren seither viel gelassener. Hin und wieder so ein sexy Paar Unterhöschen hat noch keinem T-Shirt geschadet. Das musste auch mein innig geliebter Mitbewohner vor kurzem wieder einsehen, als er einen Blick in den sich leerenden Wäschekorb kommentierte mit: “Da hat es aber ein paar Unterhosen drin, die fremd gegangen sind.”

Besser die Unterwäsche als…

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