Gefährliches Duschen

In den vergangenen Tagen in Italien logierte ich in drei verschiedenen Hotels.

Was ist jeweils die besondere Überraschung in einem neuen Hotelzimmer? Richtig, die Dusche und das Bett. Beides genauso wichtig, um sich nach einem anstrengenden Wandertag wieder als Mensch zu fühlen.

Die Betten waren in Ordnung. Sieht man mal davon ab, dass ich eine richtige Bettdecke bevorzuge. Unter diesen Leintüchern mit Bettüberwurf und gegebenenfalls noch Wolldecke fühle ich mich nämlich immer, wie wenn ich unter einem Stück Teppich liegen würde. Ich mag mich einkuscheln in die Decke.

Die Duschen dagegen, naja, da floss sehr unterschiedlich viel Wasser. Um der Wahrheit ein Stück näher zu treten: Es floss unterschiedlich wenig Wasser.

Als ich daheim wieder das erste Mal unter der Dusche stand und den Wasserhahn, wie ich es in den letzten 8 Tagen getan hatte, voll aufdrehte, wäre ich beinahe ertrunken.

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Schlechtes Gewissen

Genau dieses befiel mich. Das schlechte Gewissen. Ich stand am Wasserhahn und füllte die Giesskanne, um meinen Garten zu wässern. Einen Garten, der streng genommen zu nichts nütze ist. Er versorgt weder mich noch irgendwelche Nutztiere mit Nahrung. Er dient rein der Zierde und meiner Freude. Gut, der eine oder andere Vogel mag sich hierhin verirren, Insekten, kleine Säugetiere.

Ich versuche, so viel Wasser zu geben, dass die diversen Pflanzen trotz der lange anhaltenden Trockenheit einigermassen eine Gattung machen. Rasen wässern, soviel Vernunft hat Einzug gehalten, ist kein Thema! Auch so füllt sich die Giesskanne mindestens zehn Mal mit zehn Litern.

Wie lange können wir uns den Luxus noch erlauben, unsere Ziergärten zu wässern? In unserer Gemeinde ist das Wasser noch nicht rationiert. Es wurde aber vor sechs Tagen zum “schonenden Umgang mit Trinkwasser” mit zahlreichen konkreten Tipps aufgerufen.

Was heisst das nun? Bei uns ist alles Wasser, das aus der Wasserversorgung stammt, Trinkwasser. Auch das, das ich über die Pflanzen kippe, mit dem ich Wäsche wasche, dusche, die Toilette spüle. Jedes Mal, wenn ich Gemüse wasche, denke ich, mit diesem Wasser könnte man schon wieder eine Pflanze wässern. Aber unsere Infrastruktur sieht das nicht vor. Ich müsste das Gemüse statt im Spülbecken in einem Plastikbecken waschen und dieses dann nach draussen tragen. Das wäre machbar. Und tatsächlich habe ich das auch schon praktiziert. Aber längst nicht immer.

Ich erinnere mich an eine Radioreportage vor einigen Monaten wo berichtet wurde, dass in Südafrika das Wasser auf 50 Liter pro Person und Tag rationiert sei. Da überlegt man sich zweimal, wofür man das Wasser braucht und wie man es recyceln kann. Ob es in Südafrika in der Zwischenzeit ausgiebig geregnet hat, weiss ich nicht. Die eigenen Probleme haben die Wasserknappheit am anderen Ende der Welt in den Hintergrund rücken lassen. Die Medien müssen nicht mehr um den halben Globus reisen, um über Dürren und drohende Ernteausfälle zu berichten.

Unsere Seen sind gewaltige Süsswasser-Speicher. Aber was nützen sie den Gemüseanbauern, die oft weit weg davon ihre Felder vertrocknen sehen? Wo führt der sorglose Umgang mit dem kostbaren Wasser und den Ressourcen im Allgemeinen noch hin? Es hat mich erschüttert zu hören, dass wir weltweit den Erdüberlastungstag bereits erreicht haben; wir Schweizer mit unserem sorglosen Verhalten sogar schon am 7. Mai.  !!!

Ich weiss, dass ich da auch meinen Anteil dran habe. Vielleicht etwas weniger als der Durchschnitt hierzulande, aber ich hause  wie alle, die hier mitlesen, nun mal nicht in einer Lehmhütte.

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Das Bild stammt ausdrücklich nicht von meinem Garten! Ich habe es im Juli 2006 auf der Schwedischen Insel Öland aufgenommen, wo es auch extrem trocken war.

Rinnsale–Sinnsale

Es hat nicht für Alle Platz mitten im imposanten Wasserfall des Lebens.

Es braucht auch stille Zuschauer.

Und solche, die sich an einem Rinnsal erfreuen können.

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Wasser sucht sich seinen eigenen Weg.

Und kümmert sich nicht um unsere Bedürfnisse und Träume.

Sihlsee bicolor

Hier ein fotografisches Mitbringsel von unserer Wanderung auf den Chli Aubrig:

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Im Bild sieht man den Sihlsee. Links, wo der Hauptzufluss ist, ist er auffallend trübe und braun. Rechts gegen die Staumauer ist er blau und sauber. Irgendwo dazwischen muss die Trennlinie liegen.

Ich frage mich nun, ob in den zwei Tagen, die seit der Aufnahme vergangen sind, die braun-blau-Linie weiter gewandert ist, oder ob die Sedimente, die mit den Gewittern in den Sihlsee gelangt sind, sang- und klanglos auf den Boden gesunken sind.

Hättet ihr gewusst, dass der Sihlsee der flächenmässig grösste Stausee der Schweiz ist?

Ehret das Alter

Dieser Brunnen steht in unserem Nachbardorf. Einer von vielen Brunnen im ganzen Land. Und wie überall, wo nichts Gegenteiliges angeschrieben wurde, spendet er Trinkwasser. Seit 225 Jahren.

Man lasse sich diese Zahl mal auf der Zunge vergehen. Zweihundertfünfundzwanzig Jahre.

Stünde der Brunnen in den USA oder Australien, wäre daneben zumindest eine Gedenktafel errichtet, wenn nicht gerade ein Museum drum herum gebaut. Er stünde unter dem persönlichen Schutz von Barack Obama bzw. der Australischen Premierministerin Julia Gillard.

Bei uns steht er einfach so da. An einer Durchgangsstrasse. Mehr im Weg denn tatsächlich gebraucht. Im Sommer wird er jeweils mit Blumen geschmückt. Nicht zu Ehren seines Alters, sondern weil man das hierzulande an den meisten Dorfbrunnen macht. Vielleicht säuft ein Hund oder ein durstiger Spaziergänger mal einen Schluck Wasser. Früher dürften es eher Kühe oder Rösser gewesen sein. Vielleicht stand er auch nicht immer an dieser Stelle. Ich weiss es nicht. Aber er wüsste sicher ganz, ganz viel zu erzählen aus seinem langen Brunnenleben.

Trockengelegt

Pünktlich zur vereinbarten Zeit stand er mit Sack und Pack unter der Türe. Ich liess ihn herein, denn schliesslich hatte ich ihn ausdrücklich hierher bestellt. Der Handwerker sollte bei uns im Bad die in die Jahre gekommenen Wasserhähne ersetzen.

„Ich muss dann das Wasser abstellen“, warnte er mich vor. „Kein Problem“, entgegnete ich ihm, „ich lasse in der Küche das Spülbecken volllaufen, das passt schon.“ Gesagt getan. Er machte sich an die Arbeit und ich setzte mein angefangenes Werk in der Küche fort. Ich hatte mir vorgenommen, schon in den Morgenstunden so viel wie möglich vorzubereiten für die anstehende Einladung heute Abend. Den Teigboden für den Kuchen kriegte ich noch problemlos hin, meine teigbekleckerten Finger badete ich im Spülbecken.

Dann kam ich bereits etwas ins Rotieren. Die Rhabarberstängel in der gleichen Brühe waschen? Ich beschloss: Ja, wieso nicht, am Ende landet eh alles im gleichen Kuchen (hoffentlich liest mein Besuch diesen Blog erst, nachdem er wieder gegangen ist…). Nächste Hürde: Für das Rhabarberkompott brauchte ich ein paar Esslöffel Wasser. Ich griff zum eisernen Notvorrat in Form der Mineralwasserflasche. Während ich im Kompott rührte, überlegte ich, was ich als nächstes machen könnte. Die Vorspeise fiel durch die Maschen, das ging nicht ohne Wasser und ständig in den Keller runter sausen, zum Wasser holen – bei aller Begeisterung fürs Kochen….

Aha, da stand ja noch ein Ständer voller Wäsche! Doch auch dieses Werk würde ich nicht vollenden können. Denn da hing noch einiges zum Bügeln an den Leinen. Und was sollte ich ins Bügeleisen einfüllen. Weisswein, Orangensaft, Milch?

Staubsaugen? Das geht zwar langfristig gesehen sogar besser ohne Wasser, aber eigentlich wollte ich das erst machen, wenn der Handwerker wieder abgezogen war. Zeitung lesen? Da wär eine Tasse Kaffee nett dazu.

Ich resignierte, hockte mich vor den PC und schrieb diesen Blog. Sollte er etwas trocken daher kommen – ihr kennt den Grund.

Makaber, aber praktisch

Das mag wohl etwas makaber tönen, aber Friedhöfe sind für uns immer praktisch. Einerseits, wenn wir einen Parkplatz suchen, beispielsweise als Ausgangspunkt für eine Velotour. Andererseits aber – und vor allem – wenn der Wasservorrat langsam zur Neige geht. Da wir so gut wie nie auf Campingplätze übernachten, haben wir so die Möglichkeit, den Wassertank wieder zu füllen. Vor allem hier in Schweden, wo man keine öffentlichen Brünnen so wie bei uns kennt, ist das sehr praktisch.

Friedhöfe in Schweden sehen eher aus wie gepflegte Grünanlagen denn Bestattungsorte. Meist befinden sich an einem gut zugänglichen Ort einer oder mehrere Wasserhähne, dazu Giesskannen und Gartengeräte. Ich mach jede Wette: Bei uns würde dieses Werkzeug glattweg geklaut.

  

Wir haben auch keine Skrupel, auf einem schön gelegenen Friedhofs-Parkplatz zu übernachten. Realistisch gesehen muss man ja sagen, dass die, die dort liegen, einen nicht stören. Und wir stören sie gewiss auch nicht. Trotzdem würden auch wir nicht bedingungslos Friedhöfe als Übernachtungsplätze propagieren. Etwas Taktgefühl muss man da schon walten lassen. Und es gibt ein Land, wo wir selbst in der grössten Not nie unser Nachtlager bei einem Friedhof aufschlagen würden: In Italien. Denn in der warmen Zeit hängt dort immer so ein strenger Geruch nach Verwesung in der Luft.

Durst!

Durst hat im Moment nicht nur die Natur, Durst haben wir Alle täglich und immer wieder. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen zu löschen. Die einen schütten Bier in sich rein, Cola, Milch, isotonische Getränke, Tee oder Wasser. Die Tasse Kaffee, die gerade vor meinem Pult steht, trägt sicher nicht viel zum Durst löschen bei. Aber gut ist so eine Tasse Kaffee allemal.

Wasser ist der billigste Durstlöscher. Doch nur der kleinste Teil unseres Wasserverbrauchs landet in unseren Kehlen. Das Meiste spülen wir durch die Waschmaschine, das Klo, die Dusche, unsere Blumentöpfe, die Autowaschanlage.

Wer sich mal im Wasser sparen üben will (das ist bei uns in der Schweiz zwar alles andere als geläufig, aber wenn es so weitergeht, werden die ersten Rationierungsmassnahmen nicht mehr auf sich warten lassen), fahre mal mit dem Wohnmobil aus. Wenn man plötzlich nur noch mit dem Wasser auskommen muss, das der eingebaute Tank her gibt – in unserem Fall gut 100 Liter – kommt man früher oder später auf Ideen, wie man mit seinem Wasservorrat haushälterisch umgehen kann. Das Wasser vom Salat waschen dient zum Geschirr vorspülen, das Teigwaren-Wasser ebenso. Statt zu duschen wäscht man sich und für die Handwäsche der verschwitzten Velodresses müssen ein paar Liter genügen.

Letzte Woche wurde es in Frankreich trotz aller Sparmassnahmen wieder mal eng. Unser Wasservorrat ging langsam zur Neige und im Sundgau gab es weit und breit keine Brunnen oder öffentlichen Toiletten, wo man üblicherweise auch Wasserhähne anzapfen kann. Unsere Rettung war eine Tankstelle, wo wir nach Fragen in der Toilette unseren Kanister unter den Wasserhahn halten konnten.

Eigentlich müssten wir es längst wissen. Jede sich bietende Gelegenheit soll man nützen, um den Wasservorrat zu ergänzen. Jede, auch wenn der Tank noch fast voll ist. Wir hätten uns ein paar Tassen Kaffee aus etwas seltsamem Wasser ersparen können.

Pflicht-Mitglied im Soda-Club

Im Hause Flohnmobil war man von Anfang an begeistert gewesen von der Idee, Hahnenburger mit Kohlensäure zu versetzen, um so das eigene Sprudelwasser zu produzieren. „Soda Club“ hiess unser Schlüssel zum Glück. Hurra, nie mehr mussten wir Wasser schleppen, frohlockten mein innig geliebter Mitbewohner und ich unisono. Und tatsächlich, die Produktion funktioniert seit eh und je tadellos, nicht zuletzt, weil wir in der Schweiz allgemein über sehr gutes Leitungswasser verfügen. Wieso also sich Mineralwasser ins Haus holen, das quer durch halb Europa gekarrt wurde?

In den letzten 15 Jahren mussten wir für die Kohlensäurezylinder ständig Preisaufschläge hinnehmen. Eingestiegen sind wir mit Fr. 12.50 für eine Flasche. Dann erfolgte eine Preisanpassung auf 14.50, dann eine weitere, happige auf 17.50. Umgerechnet kostet so der Liter Sprudelwasser etwa 35 Rappen. Der Preisvorteil gegenüber abgefülltem Wasser ist in Zeiten von M-Budget Blööterliwasser längst dahin.

Trotzdem halten wir dem Soda-Club – mittlerweile warten wir jeden Tag darauf, zum Ehrenmitglied ernannt zu werden – die Treue. Ein erstes Gerät segnete die Zeit, das Zweite benutzen wir im Wohnmobil und das Dritte bereichert in seiner roten Eleganz unsere Küche.

Eine kleine Schlechtwetterfront zog am Soda-Club-Himmel auf, als innert kürzester Zeit zwei Flaschendeckel kaputt gingen. Die Spezialflaschen sind ja nicht ganz billig, und abgesehen davon waren sie noch längst nicht jenseits ihres Verfalldatums. In meiner Not wandte ich mich per Mail an den Kundendienst von Soda Club. Dieser teilte mir innert Tagesfrist telefonisch mit, ich würde zwei neue Deckel erhalten. Nicht nur kostenlos, sondern auch noch mit einer gebührenden Entschuldigung für die Umstände. Damit war ich mehr als zufrieden, vor allem, als ich das Postpaket öffnete, und nebst drei (farblich nicht passenden) Deckeln zwei nigel-nagel-neue Wasserflaschen zum Vorschein kamen.

Heute beim Einkaufen – hatte ich mich verhört? – nein, die Kassiererin verlangte tatsächlich 17.90. Schon wieder teurer! Seit Einführung des Systems haben die Gaszylinder um satte 43 % aufgeschlagen. Das dürfte einiges mehr sein, als mit der allgemeinen Teuerung zu erklären ist. Aus dem Club austreten mag ich trotzdem nicht, denn die Alternative ist wenig attraktiv: Wasser schleppen. Was mutet uns der Monopolist als nächstes zu?