Das Rollenspiel

Es gibt bestimmt sinnvollere, geistreichere, interessantere, witzigere, tiefschürfendere, wichtigere Themen um darüber zu schreiben. Dennoch beschäftigte mich kürzlich, und das wiederum nur sehr kurz, die Frage:

Wieso zum Teufel braucht es auf einer Toilette (in einem Hotelzimmer notabene) zwei Toiletten-Papier-Rollen-Halter? Also mir vermiest diese Qual der Wahl höchstens das Geschäft.

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WC-Papier auf Französisch

Ich verstehe eigentlich nicht so ganz, wieso ein WC-Papier-Rölleli im Wasser auflösbar sein soll.

Man kann es doch ebenso gut in den Kehricht oder meinetwegen in die Kartonsammlung geben. Mir jedenfalls käme es nie in den Sinn, das Kartonrölleli das WC runter zu spülen.

Doch wenigstens verstehe ich endlich den Begriff „Eau de Toilette“.

 

Streicheleinheiten

An was denkt ihr, beim Anblick einer Rose?

Schöne Blüten?

Betörender Duft?

Dornen?

Mehltau?

Blattläuse?


Vermutlich von allem ein wenig. Aber denkt ihr auch an Toilettenpapier? Also ich sicher nicht.

Die Franzosen sehen das offenbar anders. Oder zumindest die Werbestrategen, die dem Toilettenpapier diesen Aufdruck verpasst haben.

Ich wünsche euch aus der sonnigen Provence einen wunderbaren Sonntag mit Streicheleinheiten ohne jegliche Dornen.

Der mobile Topf

„Und Ihr Mann wird dankbar sein, wenn Sie kein zu dickes Toiletten-Papier verwenden, denn sonst könnte der Auslauf verstopfen“. Der Verkäufer, der eben dran war, uns in die Tücken und Geheimnisse des neu erstandenen Wohnmobils einzuweihen, ging offensichtlich davon aus, dass Toilette entleeren bei uns eine rein männliche Angelegenheit ist. Okay, das ist es ja meistens auch. Aber ab und zu gehe auch ich mit der Pipi-Box auf Wanderschaft, denn immerhin stammt der Inhalt grösstenteils von mir. Allerdings finde ich mich dann bei den Entleerungs-Stationen doch meist in männlicher Gesellschaft wieder.

Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut, diese braunen Löcher. Mal als eigentliche WC-Kassetten-Versäuberungs-Station weitab von den übrigen sanitären Anlagen eines Camping-Platzes, dafür sauber und bestens ausgerüstet. Mal ein mit Fäkalien und Papier verzierter Betontrog ohne Spülung, und der einzige Wasserhahn weit und breit derjenige, der auch zum Frischwasser tanken vorgesehen ist.

Genauso unterschiedlich sind die Menschen, die diese Einrichtungen benützen. So wird mitunter ein eigentlicher Familien-Event aus der Güllen-Leerung gemacht. Kind und Kegel versammeln sich beim Trog und sehen Papi mit gebannten Augen zu, wie er das gesammelte Familienpipi runterkippt. Nur die gut Trainierten schleppen übrigens ihre WC-Kassette quer über den ganzen Campingplatz. Alle anderen haben sich etwas mit Rädern angeschafft, um die Gülle zu karren. Im Zeitalter überdimensionierter, halbleerer Heckgaragen habe ich schon Wohnmobilfahrer gesehen, die sich den Luxus einer zweiten Kassette leisten. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht recht erklären, worin da der Vorteil sein soll. Es gibt auch Leute, die geradezu verstohlen ihre Fäkalien-Schatulle entleeren, am liebsten im Morgengrauen, wenn hoffentlich niemand zusieht. Gut getarnt hinter der Womi-Scheibe habe ich einmal beobachtet, wie sich ein Mann zuerst einen Arbeits-Overall anzog und Handschuhe überstülpte. Erst derart ausgerüstet machte er sich am ominösen Fach zu schaffen. Da konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Aber vielleicht hat die betreffende Person einfach nur negative Erfahrungen gemacht. Ein halb aufgelöster „Stink“ über den Hosen würde mir ehrlich gesagt auch stinken. In Sachen WC-Entleeren sind wir in Europa ohnehin noch ein Entwicklungsland. Die Amerikaner sind diesbezüglich fortschrittlicher. Abwasserschlauchrohr anhängen. Schieber ziehen. Zack! In Amerika sieht man niemanden seine Fäkalien durch die Gegend tragen.

Bei richtiger Handhabung kann eine Wohnmobil-Toilette absolut hygienisch betrieben werden. Dabei stellt sich natürlich die Glaubensfrage, ob und mit welchen Hilfsmitteln das mobile stille Örtchen über die Runde kommen soll, ohne dass die ganze Womo-Besatzung in regelmässigen Abständen vergast wird. Manche schwören auf Entlüftungsanlagen, andere auf grosszügige Mengen von Chemie, wieder andere auf Grosis Schmierseife. Unser Patentrezept: jeden Morgen leeren. Das ist zugegeben manchmal einfacher gesagt als getan. Wir mussten auch schon Umwege auf uns nehmen, um die Gülle los zu werden.

Unterwegs ist mir das eigene stille Örtchen definitiv am liebsten. Für mich ist es das kleinere Übel, den Gang mit der Kassette zu unternehmen, als eine verkackte öffentliche Toilette aufsuchen zu müssen. Und überhaupt fehlt dort ohnehin meist das Papier. In dieser Angelegenheit haben wir natürlich über die Jahre gleichfalls unsere Erfahrungen gemacht und die seinerzeitige Empfehlung des Verkäufers beherzigt. Also nix mit Hakle Super-Flausch! „So dünn wie möglich“, lautet die Devise. Diesbezüglich sind die Franzosen Weltmeister. In keinem Land haben wir ein so vielfältiges Angebot an geeigneten Toilettenpapieren angetroffen wie bei unseren westlichen Nachbarn. Es gibt garantiert eine Farbe, die zur Ausstattung eines jeden Wohnmobil-Bads passt. Blüemli und sonstige Müsterchen verleihen mit französischem Charme unserem Allerwertesten den letzten Schliff. Und erst noch in verschiedenen Duftnoten.

Der innovative Topf

Es gibt mit Sicherheit keinen Raum, der so vielfältig be- und umschrieben wird wie das Klo. Die Toilette. Der Thron. Das stille Örtchen. Oder das multilinguale WC.

Es kommt als Hightech-Kabine in Chromstahl daher und als rudimentär zusammengezimmerte Bretterbude. Mal duftet es dezent nach Zitrone, mal stinkt es zum Himmel. Zum Glück haben wir meist die eigene Toilette dabei – zusammen mit dem übrigen Haus- und Unrat nämlich, im Wohnmobil. Wenn ich in südlichen Ländern unterwegs bin, ärgere ich mich regelmässig, dass ich mitten im Sommer eine perfekte Abfahrtshocke trainieren soll. Wie machen das eigentlich italienische Nonnas?

Das Geschäft mit dem Ort, wo angeblich auch der Kaiser zu Fuss hingeht (hat das schon mal jemand kontrollieren können?), ist zum Millionengeschäft geworden. Die Hersteller übertreffen sich gegenseitig mit dem flauschigsten, weichsten, saugfähigsten WC-Papier. Die Werbung versucht uns einzureden, nur mit 6-lagigem Papier käme unserem Allerwertesten die Pflege zugute, die er sich auch verdient hat.

In der Hinsicht kann ich meinen Grosseltern gewisse innovative Ideen nicht absprechen. So finster und ungemütlich es auf dem Scheisshaus auf ihrem Bauernhof auch gewesen sein mag, sie waren ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus. Als Toilettenpapier dienten nämlich alte Zeitungen und zerfledderte Telefonbücher. Und die konnte man schon damals nach Belieben selbst 10-lagig verwenden.