Verpackungs-Idiotie

Meine frisch erstandenen Kopfkissen haben mich – einmal mehr – in einen Gewissenskonflikt gestürzt. Und zwar nicht deren Inhalt – mein Haupt ruht des Nachts nämlich nicht auf Federchen, sondern auf Hirse – nein, die Verpackung.

Diese diente lediglich dazu, die Kissen im Laden ordentlich zu präsentieren, bzw. in Reih und Glied an einem Ständer aufzuhängen. So aufwändig sie hergestellt sein mag, ich habe dafür keinerlei Verwendung. Weder für den Karton, der das Kissen stramm hielt, noch für den Sack. Dieser ist mit Nähten, einem Henkel und einem seitlichen Reissverschluss versehen.

Eigentlich ein Wahnsinn, so etwas einfach wegzuschmeissen! Immerhin hat da jemand Hand angelegt, gearbeitet. Aber ich wüsste beim besten Willen nicht, was ich damit anfangen könnte. Nicht als Blumengefäss. Auch nicht als Einkaufstasche. Um mir daraus etwas Adrettes zum Anziehen nähen, ist es zu wenig Stoff und einen Bettvorleger brauche ich auch nicht.

Irgend eine gute (Bastel-)Idee, was man daraus machen könnte? Das Material wird gerne zur Verfügung gestellt.

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Auf-räumen

Es gibt Sachen, die meinem Mann gehört haben, von denen konnte ich mich ziemlich schnell trennen. Mit anderen tue ich mich noch schwer, auch wenn sie mir nichts mehr nützen und höchstens schmerzhafte Erinnerungen auslösen.

Etwas vom Ersten, das im Abfall landete, war seine Zahnbürste. Da kam keinerlei Sentimentalität auf. Für den Rasierschaum hatte ich einen dankbaren Abnehmer, dem – Zufall oder was auch immer – just in dem Moment der Rasierschaum ausging, als ich überlegte, wem ich die diversen Büchsli abtreten könnte. Das Allererste aber, das verschwand, waren all die Medikamente, die mein Mann in den letzten Wochen und Monaten einnehmen musste. Und das waren nicht wenige. Ich konnte sie nicht mehr sehen! Schon am Tag nach seinem Tod ramüsierte ich alle Medis zusammen und in einem Anflug von Pragmatismus durchkämmte ich gleich noch den restlichen Medikamenten-Schrank. Einen ganzen Migros-Sack voller Tabletten, Tropfen und Salben deponierte ich in der Apotheke.

An seinen Kleidern und Schuhen rührte ich mehrere Wochen nicht. Das wäre mir zu nahe gegangen. Aber auch hier drückte die nüchtern denkende Pragmatikerin wieder durch. Und so schrieb ich diverse seiner Ausrüstungs-Gegenstände zum Verkauf aus. Wanderschuhe und Rennrad zu verkaufen hätte ja im November wenig Sinn gemacht!

Mittlerweile haben 90 Prozent der Kleider und Schuhe einen neuen Besitzer gefunden oder sind im Kleidersack gelandet. Noch kann ich mich nicht dazu überwinden, den frei gewordenen Platz im Schrank für mich zu beanspruchen. Das erschiene mir zu invasiv. Und schliesslich habe ich in den vergangenen 19 Jahren auch genügend Platz in meiner Schrankhälfte gehabt.

Es sind sachte Veränderungen, die in meinen vier Wänden vonstatten gehen. Mein Mann ist überall präsent, auch wenn einige seiner Sportpokale, die er vor meiner Zeit gewonnen hat, im Altmetall gelandet sind.

Wenig bis gar nichts ist im Werkraum gegangen. Das war das Reich meines Mannes. Früher oder später werde ich wohl finden, dass ich auch mit weniger als zwanzig verschiedenen Schraubenziehern auskomme. Oder vier Hämmern. Einer reicht vollends, um mir damit auf den Daumen zu hauen. Überhaupt gibt es Werkzeug, da habe ich keinen blassen Dunst, wozu es gut sein könnte.

Und dann sind da noch so gewisse Ecken und Ablagen in der Wohnung, die mein Mann für sich beansprucht hatte. Dort sieht es fast noch aus wie früher. Den Lottozettel, der seither nie mehr eingezahlt wurde, staube ich vierzehntäglich ab und denke jedes Mal: Was mache ich nur mit dir? Die zahlreichen Hüetli – mein Mann ging fast nie ohne Tschäppel aus dem Haus – sind noch immer auf der Garderobe aufgetürmt. Ich nehme sie nicht bewusst wahr. Aber bewusst wegschmeissen mag ich sie auch nicht. Noch nicht. Denn für jedes Ding braucht es den richtigen Zeitpunkt.

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Mutter Natur auf Abwegen (8)

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Solche Kartoffeln wie auf dem Bild gelangen in der Schweiz nicht in den Verkauf. Bei uns werden die Kartoffeln normiert verkauft. Strikte nach Grösse sortiert. Ohne Fehl und Tadel.

In Frankreich dagegen, wo diese Pommes de terres herkommen, ist es gang und gäbe, solche Missbildungen in einem 2-Kilo-Sack aus dem Supermarkt an den Tag zu fördern. Und da finde ich überhaupt nichts Negatives dabei.

In der Zeitung stand kürzlich zu lesen, dass bei uns nur gerade die Hälfte der einheimischen Kartoffelernte ihren Weg vom Feld auf den Teller finde. Und der Rest? Eine Studie – immerhin von Agroscope und ETH Zürich, also durchaus glaubwürdig – hat herausgefunden, dass bis zu ein Viertel der Ernte bereits bei den Produzenten auf der Strecke bleibt. 12 bis 24 Prozent der Kartoffeln werden bei den Grosshändlern aussortiert. 1 bis 3 Prozent fallen im Detailhandel unter den Tisch. Bleibt ein Rest von 15 Prozent, der in den Haushalten liquidiert wird. Dieser Verlust wiegt besonders schwer, denn anders als die Kartoffeln, die auf dem Weg zum Konsumenten im Netz hängen bleiben, landen diese Kartoffeln nicht im Tierfutter.

Wenn ich solche Zahlen höre, beschleicht mich der Eindruck, dass es – entgegen dem Titel dieses Blogs – nicht die Natur ist, die vom Weg abgekommen ist.

Beschildert geschildert (37)

… und mich macht schon die Vorstellung krank, dass es solche Schilder überhaupt braucht.

Leider habe ich den dringenden Verdacht, dass nur die, die ihren Abfall ohnehin nicht liegen lassen, diesem Schild überhaupt Beachtung schenken. Alle anderen werden weiterhin ihre Getränkedosen und dergleichen in der Pampa entsorgen.

Der nationale Clean Up Day, der gestern und heute stattfindet, und an dem unter anderem auch die Schüler unserer Gemeinde mitmachen (müssen), wird – so meine Prognose – leider keine langfristige Wirkung zeigen.