Es weihnachtet sehr

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… zumindest, wenn man sich am Kalender und all den Weihnachtsdekorationen orientiert. Selbst die Natur scheint in gewisser Hinsicht mit dem alljährlichen Wettrüsten mitzumachen.

Bei näherem Hinsehen kommen einem aber doch gewisse Zweifel ob all der Richtigkeit des Tuns. Und wenn man bedenkt, dass dieses Bild vor zwei Tagen bei 12 Grad Plustemperaturen aufgenommen wurde – äääähm – was genau schreiben wir für ein Datum?

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Nicht schon wieder!

Im Posthäufchen,
das ich nach meinen Ferien durchackerte,
fand ich,

und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen,

eine Einladung für ein “exklusives Dekorationsseminar”.

Nicht etwa für herbstliche Gestecke oder verunstaltete Kürbisse,

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Nein für Weihnachts-Dekorationen!

Meine Freude darüber hielt sich in engen Grenzen.

Wie viel Kitsch darf es denn sein?

Was man sich an den Weihnachts-Baum hängt, ist genauso individuell wie die Frage, ob man überhaupt einen Weihnachtsbaum in die Stube stellen will.

Dieses Sammelsurium an höchst zweifelhaften Christbaum-“Kugeln” ist mir jüngst in einem Haushaltwaren-Geschäft begegnet. Ein Ort des absoluten Grauens.

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Zoomen wir doch mal etwas heran:

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Ausgeburten der Schrecklichkeit!

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Man beachte die Preise …. (wer keine ausmachen kann, dem sei verraten: zwischen 15 und 65 Stutz!)

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Wer um Himmels Willen schmückt seinen Weihnachtsbaummit mit derartigem Kitsch ?

Etwas vorweihnächtliche Stimmung gefragt?

Ich war mit einer Freundin in Colmar auf dem Weihnachtsmarkt. Besser gesagt auf den Weihnachtsmärkten, sind es doch deren fünf, die sich über die ganze Altstadt verteilen. Nicht dass überall ein grundlegend anderes Angebot herrschen würde…

Die ganze Stadt hat sich voll und ganz dem vorweihnächtlichen Szenario hingegeben. Kaum ein Baum ohne Lichterketten, riesige Weihnachtskugeln hüben wie drüben. Und natürlich dekorierte Hausfassaden bis zu Umfallen.

Hier eine kleine Auswahl:

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In der Vorweihnachtszeit ist für mich die Grenze zwischen gerade noch erträglich und Kitsch ziemlich schnell überschritten. Aber dieses Urteil soll jeder für sich selber fällen.

Was meint ihr?

Nichts desto trotz: Der Glühwein schmeckte ausgezeichnet.

Die neun schönsten Monate meines Lebens

Ich freue mich. Freue mich wahnsinnig. Die nächsten neun Monate werden so schön sein. Unvergesslich. Unbeschreiblich schön.

Die nächsten Monate, sie werden frei jeglicher Weihnachts-Aktivitäten sein. Keine opulente Beleuchtung jeglicher Hausfassaden. Keine Lebkuchen, die zur Unzeit im Laden stehen. Kein “White Christmas” aus den Lautsprechern des Shopping-Centers, während draussen die Leute noch immer im T-Shirt flanieren. Keine beleuchteten Hirschlein werden mein Auge beleidigen. Keine bangen Blicke zum Himmel, ob es wohl noch rechtzeitig zu schneien anfangen wird und auch keine Vorschläge in den Zeitschriften für “entspannte Feiertage im Kreise der Familie”. Keine überteuerten Geschenkspackungen in den Läden und – das nehme ich gerne in Kauf – nicht mehr nur noch Fondue-Chinoise-Rölleli in den Tiefkühlschränken.

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Die nächsten neun Monate werden herrlich sein. Absolut weihnachtsfrei! Die neun schönsten Monate in meinem Leben. Und das wirklich Tolle daran: Diese neun Monate kommen jedes Jahr von neuem.

Andere Länder – andere Sitten (4)

Bei uns wird der Christbaum erst an Weihnachten aufgestellt. Das Bäumchen wird vielleicht schon Tage oder Wochen zuvor gekauft, aber in die gute Stube kommt es erst an Weihnachten.

In den USA haben wir das anders erlebt. Dort waren wir in Florida bei Leuten zu Besuch, die hatten ihren Baum schon seit Ende November im Wohnzimmer. Vom Baum sah man zwar nicht mehr wirklich viel, derart überladen mit Kugeln und Kitsch war er. Selbstredend, dass der Baum aus Kunststoff war. Aber das hat angesichts der opulenten Verunstaltung nicht weiter gestört.

Dass es in Florida nie weisse Weihnachten gibt, ist dort so selbstverständlich, wie der Plastikbaum, der die ganze Adventszeit über schon im Wohnzimmer steht. Das heisst jedoch nicht, dass dort nie Schnee fällt. Die Leute, bei denen wir damals zu Gast waren, hatten uns voller Vorfreude erzählt, dass sie mit ihren Enkelkindern in ein Städtchen fahren würden, wo es zu bestimmten Zeiten in einem bestimmten Gässchen schneie. Das muss ein Bild sein, wenn man im T-Shirt unter dem Flöckchenreigen aus der Kanone steht und sich beschneestöbern lässt! Hätte mich nicht gewundert, wenn die ganze Pracht noch Eintritt gekostet hätte…

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Wie handhabt ihr das an Weihnachten?

Echter Tannenbaum?
Ein Tannenbaum, den man nach den Festtagen wieder in die Kartonschachtel verräumt?
Oder die Variante Flohnmobil (das Baum aufstellen und schmücken den Anderen überlassen und über Weihnachts-Dekorationen schnöden)?

Im Advents-(Über)Fluss

Die Reaktionen auf meinen letzten Blog-Beitrag waren – na wie waren sei eigentlich? – ziemlich ambivalent. Sie reichten von Verstand anzweifelndem Gedankengut über ironisches Zuzwinkern bis zu Schenkelklopfen. Eine Nachbarin stand sogar vor unserer Türe und wollte mit sorgenvollem Blick wissen, ob es uns gut gehe.

Diese Frage sei wie folgt beantwortet: Danke, es geht uns gut, jedenfalls den Umständen entsprechend. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich können nämlich der ganzen Adventszeit nicht viel Positives abgewinnen. Dem ganzen Kommerz, der damit einher gehenden Hektik, der– sorry – Fresserei und allem was unter dem Label “Besinnung” geheuchelt wird, können wir nicht viel abgewinnen.

Ich war gestern Abend in Zürich. Die Stadt erstrahlt in vorweihnachtlichem Glanz. Die einzelnen Dekorationselemente mögen schön sein, aber die schiere Masse an Lichtern, Kränzen, leuchtenden Rentieren und Tannenbäumen aller Art ist letztlich des Guten zu viel. Jedes Quartier scheint seinen eigenen Weihnachts-Markt abzuhalten. Wer kauft denn das alles?

Mit diesem Abend in der Stadt ist mein Bedarf an vorweihnachtlicher Stimmung grundsätzlich wieder weit über das Jahresende hinaus gedeckt. Sollte ich trotzdem nochmals in einen Christchindli-Märt hinein geraten, gibt es notfalls statt Glühwein ja noch so etwas:

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PS: Es hat nicht ernsthaft jemand damit gerechnet, dass ich bis am 24. Dezember keinen einzigen Beitrag mehr veröffentlichen werde???

Oh schreckt – es weihnachtet sehr!

Jetzt ist sie wieder angebrochen, meine jährliche Leidenszeit. Überall weihnächtliche Dekorationen oder zumindest das, was die Leute im guten Glauben hingestellt hatten, es solle weihnächtlich sein. Hüben wie drüben überbordender Lichterglanz. Mein innig geliebter Mitbewohner hatte angesichts der Pracht in der Nachbarschaft schon die unbedingt weiter zu verfolgende Idee, er könnte den einen oder anderen Hirsch, Schlitten oder Samichlaus mit einer Zange ablöschen.

Irgendwann in der Evolution meines Selbst ist das Dekorations-Gen abhandengekommen. Bei meiner Mutter kommt es noch ausgesprochen üppig vor, bei mir dagegen fehlt es gänzlich. Ich habe mich über all die Jahre gut mit diesem Makel arrangiert, (meine!) Kuchen und Torten schmecken schliesslich auch ohne exorbitante Dekoration und Innendekorateurin habe ich genauso wenig zu meinem Beruf gemacht wie Floristin.

Für meinen Adventskranz braucht es drum auch nicht viel Firlefanz. Ein knorriges Stück Rebe aus der Provence, fünf Kügelchen aus dem Brockenhaus, die mit einem vom Mitbewohner ausrangierten Fliegenbindedraht am Holz befestigt werden, eine weihnächtlich angehauchte Serviette, vier CDs (der Gratis-Tipp von Frau Flohnmobil an alle ihre Leserinnen und Leser, die noch einen Last-Minute-Kerzenuntersatz brauchen), ein Dekoband mit Perlen und Sternen vom letzten Jahr, vier Kerzen. Fertig!

Christbaum-Recycling

Wer immer noch den Weihnachtsbaum in der guten Stube stehen hat, sollte sich allmählich Gedanken machen, was mit dem Teil anzufangen ist. Der Möglichkeiten sind viele:

Schafft euch eine Ziege an. In wenigen Tagen wird vom einst prächtigen Bäumchen nur noch der Stamm übrig sein. Diesen schenkt ihr dem Nachbarn, damit er im Sommer die Stangenbohnen dran raufklettern kann. Am besten verschenkt ihr die Ziege gleich mit. Vor allem, wenn es ein Bock ist…

Schaut im Abfallkalender eurer Gemeinde nach. Wenn ihr Glück habt, habt ihr den Sammeltag für ausgediente Weihnachtsbäume noch nicht verpasst.

Bei entsprechendem handwerklichem Geschick könnt ihr euch den Baum für nächstes Jahr aufheben. Ihr werdet im Dezember lediglich einen Kübel voll Leim und ein Quäntchen Geduld brauchen.

Falls ihr keinen besseren Einfall habt, als den Baum in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Wald zu entsorgen, denkt bitte an die Spaziergänger und lasst den einen oder anderen Schoggi-Samichlaus hängen.

Wer’s besonders gründlich machen will, fackelt den Baum gleich mitsamt der Wohnung ab. Auch wenn ich persönlich diese Variante nicht so praktisch finde, gab es auch diese Weihnacht wieder Leute, die genau das getan haben.

Egal zu welcher Methode ihr euch hingezogen fühlt: Macht eure Aufgabe gründlich und räumt endlich auch die Weihnachts-Dekoration an der Hausfassade ab!

Verkehrte Welt

Habt ihr euer Tannenbäumchen schon besorgt? Ist es vielleicht etwas gross ausgefallen und ihr steht ratlos davor und wisst nicht, in welcher Ecke des Wohnzimmers ihr es platzieren sollt? Horchet das Geschichtchen, das Bea euch gleich erzählen wird:

Mitten im Staate Mississippi bummelten wir durch einen Ort. Es war zwar bereits Ende November, aber bei den herrschenden Temperaturen wollte sich keine Weihnachts-Stimmung einstellen. Dennoch betraten wir voller Staunen diesen Laden mit den Weihnachts-Artikeln. Wir erkannten schnell: Die Amerikaner stehen den Italienern in Sachen kitschige Weihnachts-Dekoration in nichts nach. Allerdings stellen die Amis ihren Weihnachts-Baum bereits Ende November auf. Wir hatten schon damals die Vermutung, dass diese Tatsche der Grund ist, weshalb die Südstaatler meist nur Plastik-Bäume aufstellen.

Und dann entdeckten wir sie. Wir kriegten den Mund beinahe nicht mehr zu, als wir die Truppe von der Decke hängen sahen. Weihnachts-Bäume im vollen Schmuck! Spitz nach unten, Stamm an der Decke befestigt. DIE LÖSUNG bei engen Platzverhältnissen.

 Leider hatte ich damals den Fotoapparat nicht mit dabei – wer rechnet den mit so was. Drum muss hier eine helvetische Tanne als Ersatz hinhalten. Im Zeitalter der digitalen Fotografie lässt sich praktisch alles auf den Kopf stellen.  

Wenn ihr also nicht wisst, wo ihr euren Tannenbaum hinstellen sollt, hängt ihn einfach kopfüber an die Decke. Das hat den bedeutenden Vorteil, dass darunter viel mehr Platz für Geschenke bleibt. Allerdings – das mit dem Wasser geben dürfte eine der grösseren Herausforderungen der kommenden Weihnacht werden.