Wie viel Kitsch darf es denn sein?

Was man sich an den Weihnachts-Baum hängt, ist genauso individuell wie die Frage, ob man überhaupt einen Weihnachtsbaum in die Stube stellen will.

Dieses Sammelsurium an höchst zweifelhaften Christbaum-“Kugeln” ist mir jüngst in einem Haushaltwaren-Geschäft begegnet. Ein Ort des absoluten Grauens.

DSC08655

Zoomen wir doch mal etwas heran:

DSC08655

Ausgeburten der Schrecklichkeit!

DSC08655

Man beachte die Preise …. (wer keine ausmachen kann, dem sei verraten: zwischen 15 und 65 Stutz!)

DSC08655

Wer um Himmels Willen schmückt seinen Weihnachtsbaummit mit derartigem Kitsch ?

Etwas vorweihnächtliche Stimmung gefragt?

Ich war mit einer Freundin in Colmar auf dem Weihnachtsmarkt. Besser gesagt auf den Weihnachtsmärkten, sind es doch deren fünf, die sich über die ganze Altstadt verteilen. Nicht dass überall ein grundlegend anderes Angebot herrschen würde…

Die ganze Stadt hat sich voll und ganz dem vorweihnächtlichen Szenario hingegeben. Kaum ein Baum ohne Lichterketten, riesige Weihnachtskugeln hüben wie drüben. Und natürlich dekorierte Hausfassaden bis zu Umfallen.

Hier eine kleine Auswahl:

DSC08860

DSC08863

DSC08865

DSC08866

DSC08867

DSC08869

DSC08870

In der Vorweihnachtszeit ist für mich die Grenze zwischen gerade noch erträglich und Kitsch ziemlich schnell überschritten. Aber dieses Urteil soll jeder für sich selber fällen.

Was meint ihr?

Nichts desto trotz: Der Glühwein schmeckte ausgezeichnet.

Andere Länder – andere Sitten (4)

Bei uns wird der Christbaum erst an Weihnachten aufgestellt. Das Bäumchen wird vielleicht schon Tage oder Wochen zuvor gekauft, aber in die gute Stube kommt es erst an Weihnachten.

In den USA haben wir das anders erlebt. Dort waren wir in Florida bei Leuten zu Besuch, die hatten ihren Baum schon seit Ende November im Wohnzimmer. Vom Baum sah man zwar nicht mehr wirklich viel, derart überladen mit Kugeln und Kitsch war er. Selbstredend, dass der Baum aus Kunststoff war. Aber das hat angesichts der opulenten Verunstaltung nicht weiter gestört.

Dass es in Florida nie weisse Weihnachten gibt, ist dort so selbstverständlich, wie der Plastikbaum, der die ganze Adventszeit über schon im Wohnzimmer steht. Das heisst jedoch nicht, dass dort nie Schnee fällt. Die Leute, bei denen wir damals zu Gast waren, hatten uns voller Vorfreude erzählt, dass sie mit ihren Enkelkindern in ein Städtchen fahren würden, wo es zu bestimmten Zeiten in einem bestimmten Gässchen schneie. Das muss ein Bild sein, wenn man im T-Shirt unter dem Flöckchenreigen aus der Kanone steht und sich beschneestöbern lässt! Hätte mich nicht gewundert, wenn die ganze Pracht noch Eintritt gekostet hätte…

DSC04605

Wie handhabt ihr das an Weihnachten?

Echter Tannenbaum?
Ein Tannenbaum, den man nach den Festtagen wieder in die Kartonschachtel verräumt?
Oder die Variante Flohnmobil (das Baum aufstellen und schmücken den Anderen überlassen und über Weihnachts-Dekorationen schnöden)?

Ach wär ich doch…

Zehn Jahre lang habe ich mich bemüht, die Schönste im Wald zu sein. Habe alle meine umliegenden Geschwister in Grösse und Eleganz übertroffen und jetzt das!

Ratz-fatz ist eine finstere Gestalt mit einer Kettensäge erschienen. Das hat mich regelrecht umgehauen. Anstatt weiter Jahr für Jahr dem Himmel entgegen zu streben, werde ich nun in einem überheizten Wohnzimmer zur Schau gestellt. Zuerst haben sie mich in so ein unbequemes Gerät – sie nennen es „Christbaumständer“ – eingepflockt und nun stehe ich in einer Ecke. Da war es eingepfercht im Netz draussen auf dem Balkon noch vergleichsweise schön, da konnte ich wenigstens etwas frische Luft schnuppern.

Nun stehe ich da wie der letzte Baum und werde zum Deppen gemacht. Was soll ich denn mit all dem kitschig-bunten Zeugs auf meinen Ästen? Und diese strangulierten Mini-Weihnachtsmänner. So widerlich süss und – kann man Gerüchten glauben – mutierte Osterhasen. Unverständlich auch, wieso sie mir immer einheizen wollen, dabei werden sie gleich so hysterisch, wenn mir eines dieser brennenden Dinger zu nahe kommt. Ich versteh die Menschen nicht. Ein ganzes Jahrzehnt habe ich gebraucht, um meine Pracht zu entfalten und nun habe ich nach zwei Wochen als Weihnachtsbaum bereits wieder ausgedient. Dass sie mich vielleicht wieder zurück in den Wald befördern, vermag mich auch nicht mehr zu trösten. Wohl sehe ich dann meine Brüder und Schwestern wieder, aber die werden für mich nur noch ein mitleidiges Lächeln übrig haben

Ach wär ich doch im Wald geblieben!

Oooh Tannenbaum!

…. vor lauter Glitzern sieht man deine Äste ja fast nicht mehr.

Purer Wahnsinn, was da Jahr für Jahr an den Swarovski Weihnachtsbaum in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs gehängt wird.

Gemäss Informationen aus dem Internet soll der Baum mit 6’000 Ornamenten und 15’000 Kristallschmucksteinen verdekoriert sein.

Aus der Nähe betrachtet, sieht das in etwa so aus:

Und ich staune einmal mehr, was so ein Fotodödel wie ich mit dem Automatikprogramm einer läppischen Kompaktkamera alles zustande bringt.

Christbaum-Recycling

Wer immer noch den Weihnachtsbaum in der guten Stube stehen hat, sollte sich allmählich Gedanken machen, was mit dem Teil anzufangen ist. Der Möglichkeiten sind viele:

Schafft euch eine Ziege an. In wenigen Tagen wird vom einst prächtigen Bäumchen nur noch der Stamm übrig sein. Diesen schenkt ihr dem Nachbarn, damit er im Sommer die Stangenbohnen dran raufklettern kann. Am besten verschenkt ihr die Ziege gleich mit. Vor allem, wenn es ein Bock ist…

Schaut im Abfallkalender eurer Gemeinde nach. Wenn ihr Glück habt, habt ihr den Sammeltag für ausgediente Weihnachtsbäume noch nicht verpasst.

Bei entsprechendem handwerklichem Geschick könnt ihr euch den Baum für nächstes Jahr aufheben. Ihr werdet im Dezember lediglich einen Kübel voll Leim und ein Quäntchen Geduld brauchen.

Falls ihr keinen besseren Einfall habt, als den Baum in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Wald zu entsorgen, denkt bitte an die Spaziergänger und lasst den einen oder anderen Schoggi-Samichlaus hängen.

Wer’s besonders gründlich machen will, fackelt den Baum gleich mitsamt der Wohnung ab. Auch wenn ich persönlich diese Variante nicht so praktisch finde, gab es auch diese Weihnacht wieder Leute, die genau das getan haben.

Egal zu welcher Methode ihr euch hingezogen fühlt: Macht eure Aufgabe gründlich und räumt endlich auch die Weihnachts-Dekoration an der Hausfassade ab!

Verkehrte Welt

Habt ihr euer Tannenbäumchen schon besorgt? Ist es vielleicht etwas gross ausgefallen und ihr steht ratlos davor und wisst nicht, in welcher Ecke des Wohnzimmers ihr es platzieren sollt? Horchet das Geschichtchen, das Bea euch gleich erzählen wird:

Mitten im Staate Mississippi bummelten wir durch einen Ort. Es war zwar bereits Ende November, aber bei den herrschenden Temperaturen wollte sich keine Weihnachts-Stimmung einstellen. Dennoch betraten wir voller Staunen diesen Laden mit den Weihnachts-Artikeln. Wir erkannten schnell: Die Amerikaner stehen den Italienern in Sachen kitschige Weihnachts-Dekoration in nichts nach. Allerdings stellen die Amis ihren Weihnachts-Baum bereits Ende November auf. Wir hatten schon damals die Vermutung, dass diese Tatsche der Grund ist, weshalb die Südstaatler meist nur Plastik-Bäume aufstellen.

Und dann entdeckten wir sie. Wir kriegten den Mund beinahe nicht mehr zu, als wir die Truppe von der Decke hängen sahen. Weihnachts-Bäume im vollen Schmuck! Spitz nach unten, Stamm an der Decke befestigt. DIE LÖSUNG bei engen Platzverhältnissen.

 Leider hatte ich damals den Fotoapparat nicht mit dabei – wer rechnet den mit so was. Drum muss hier eine helvetische Tanne als Ersatz hinhalten. Im Zeitalter der digitalen Fotografie lässt sich praktisch alles auf den Kopf stellen.  

Wenn ihr also nicht wisst, wo ihr euren Tannenbaum hinstellen sollt, hängt ihn einfach kopfüber an die Decke. Das hat den bedeutenden Vorteil, dass darunter viel mehr Platz für Geschenke bleibt. Allerdings – das mit dem Wasser geben dürfte eine der grösseren Herausforderungen der kommenden Weihnacht werden.