Guten Morgen du neues Jahr!

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Seid ihr gut aufgestanden?

Nun, ich bin’s noch nicht. Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, wo dieser Beitrag veröffentlicht wird. Denn ich bin, rein rechnerisch gesehen, nicht vor zwei Uhr morgens ins Bett gekrochen.

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gestartet. 

Hier und heute wird nichts Neues, Gescheites, Weltbewegendes veröffentlicht werden. Aber schaut euch doch mal diesen Beitrag an. Auch wenn er ein paar Jahre alt ist, ist er durchaus aktuell.

Ja bin ich denn ein Fisch!!!

Beinahe könnte man meinen, Petrus hätte sich den Spruch

A   d e   P f i n g s t e   s c h i f f t s   a m   r i n g s t e .

zur Brust genommen. Jedenfalls wendet er ihn momentan sehr inbrünstig an. Und was macht der kultivierte Wohlstandsbürger in Zeiten, wo selbst Schnecken und Regenwürmer an einen trockenen Ort flüchten? Er hat grundsätzlich mehrere Möglichkeiten.

1. Er sucht sich einen trockenen Platz und ergibt sich seinem Schicksal.

2. Er flieht in den sonnigen Süden (was allerdings mit viel automobiler Geduld am Gotthard verbunden ist).

3. Er lässt sich nichts anmerken (das dürfte nur für hier mitlesende Fische und Amphibien zutreffen).

4. Er ergreift die Flucht nach vorne und begegnet der flüssigen Katastrophe mit flüssiger Gegenwehr (diese Methode – in der Light-Version – haben mein innig geliebter Mitbewohner und ich gestern Abend angewandt und uns ein Glas Wein zum Essen gegönnt).

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Letzteres wird bei uns salopp als “d’Lampe fülle” (die Lampe füllen) bezeichnet. Dieses sinnlose Betrinken (Betrinken ist in meinen Augen immer sinnlos, es gibt keinen plausiblen Grund, sich volllaufen zu lassen) kennt bestimmt noch mehr lokal gefärbte Bezeichnungen.

Wie sagt ihr dazu?

Johannes der Säufer

Die Frage, die mich schon länger, und seit dem neuerlichen Ausflug ins Elsass erst recht beschäftigt, ist:
Wer säuft eigentlich den ganzen Wein, der da landauf, landab angebaut wird?

Elsass, bei Andlau

Kroatien

Weingut in der Provence

Im Douro-Tal, Portugal

Jurançon, bei Pau/Südwest-Frankreich

Anbauregion Chianti / Toskana

Er wird wohl nicht alles selber trinken, der Johannes der Säufer, oder?

Verkorkst

Ich gebe zu: Ich ging mit einem eher unguten Gefühl an den Kundendienst des Supermarkts. Reklamieren ist nicht so mein Ding. Und auf meinem Recht beharren erst recht nicht.

Den Weisswein hatten wir erst vor drei Tagen gekauft und wollten probieren, ob er auch hielt was er versprach. Den fruchtigen Alabriño hatten mein innig geliebter Mitbewohner und ich nämlich im letzten Sommer in Spanien entdeckt. Doch wie so oft, hatten wir den Moment verpasst, um einige Flaschen zu kaufen und heim zu nehmen. Umso freudiger die Überraschung, dass Coop den Wein just diese und letzte Woche günstiger anbot. Die Ernüchterung folgte auf den Schritt: Die erst Flasche hatte Zapfen. Zurückbringen? Die Tischrunde meinte: Ja, versuch’s doch! Ausnahmsweise wusste ich nicht nur, wo der Wein herkam, sondern hatte sogar noch den Kaufbeleg.

Doch zu meinem mittelgrossen Erstaunen wollte die Dame hinter der Theke nicht mal die Quittung sehen. Nein, nein, sagte sie, das ginge in Ordnung. Sie müsse die Flasche nur einscannen und sehe sofort, ob der Wein von Coop sei oder nicht. Anstandslos erstattete sie mir den Kaufpreis für den halbleeren korkelnden Wein zurück.

Nun musste ich es genauer wissen. Wie das denn sei, wenn ich nach drei Jahren noch einen Wein zurückbringe, ob ich ihn dann auch noch mein Geld herauskriegen würde.

„Sie werden einen Wein doch nicht drei Jahre lang behalten?“ Aus ihrer anfänglichen Entgeisterung folgte schnell Ernüchterung, als sie mein wiederum leicht entgeistertes Gesicht sah. Deshalb fügte sie schnell an: „Wissen Sie, ich verstehe nichts von Wein.“ Da wäre ich selber wohl kaum drauf gekommen.

Solange der Wein noch „im System“ sei, beeilte sie sich zu sagen, könne man ihn immer und problemlos zurückbringen. Diese Aussage beflügelte meine schmutzige Fantasie. Was, wenn ich in eine teure, leergesoffene Weinflasche einen Gutsch Kochwein leere? Ich meine, leere Weinflaschen produziert unser Haushalt ja mehr oder weniger kontinuierlich. Wie weit würde man das Spiel treiben können? Wenn die Dame am Kundendienst so grad absolut gar nichts von Wein versteht. Sie wird ja kaum einen Schluck probieren.

Vorläufig hoffe ich eigentlich lieber, dass die restlichen Flaschen Alabriño geniessbar sind. Wein ist zwar vorwiegend Geschmackssache, aber der Korkengeschmack gehört definitiv nicht zu den vielgepriesenen Aromen. Und sollte doch wieder mal ein Wein Korken haben, werde ich ihn in Zukunft lieber zurückbringen, als wie bis anhin in den Abfluss schütten. Für einmal hat der „Kundendienst“ von Coop seinem Namen alle Ehre gemacht.

Rotwein zum gurgeln

Dieser kroatische Rotwein kommt zwar auch in einer Literflasche auf denTisch. Er schmeckt aber definitiv besser als jeder Tropfen Veltliner. Selbst auf Meereshöhe.„In der Höhe trinkt man Veltliner.“ Diesen Spruch habe ich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gehört. Nimmt mich bloss wunder, wem wir den zu verdanken haben. Vermutlich einem Hüttenwart einer SAC-Hütte oder einem Hotelier in einem abgelegenen Berghaus.

Denn Veltliner ist der Berg-Wein schlechthin und fehlt auf keiner Getränkekarte. Serviert wird er traditionellerweise in plumpen, dickwandigen Gläsern. Man könnte ihn ebenso gut aus einem Zahnglas trinken.

So ganz unter uns gesagt: Veltliner ist ein schreckliches Gesöff undschmeckt ähnlich wie Sandpapier. Und um sämtliche Unklarheiten zu beseitigen: Es gibt zwar gute Veltliner, aber die sind nicht in Literflaschen abgefüllt. Die Rede ist hier von Rotwein, nicht etwa von Grünem Veltliner. Letzteren finde ich allerdings mindestens so abscheulich wie roten Billig-Veltliner.

Dass Wein trinken Geschmackssache ist, ist kaum zu leugnen. Das hat sich heute einmal mehr bestätigt. Am Nebentisch in einem Pistenrestaurant auf über 2’500 m Höhe war eine kurze Diskussion im Gange, ob man sich ein Glas Rotwein genehmigen solle. „Dôle oder Veltliner?“ „Wir nehmen Veltliner, Odol ist zum gurgeln.“ Damit war die Entscheidung gefallen.

Zum Glück musste ich mich nicht dazu äussern. Einem gepflegten Glas Wein bin ich zwar nicht abgeneigt. Habe ich aber nur die Wahl zwischen Dôle oder Veltliner, greife ich in jedem Fall zum Wasserglas.
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