Die 3-PS-Wanderung

“Wie lange dauert die Wanderung”, wollte meine Freundin T. wissen. “Viereinhalb Stunden? Gut, dann muss ich drei Paar Socken mitnehmen.” T. ist mit fürchterlichen Füssen ausgestattet. Ich krieg Schmerzen, wenn ich ihre Füsse nur schon ansehe. Und sie muss mit ihren weit abstehenden Hallux, Hammerzehnen und was dort unten sonst noch krumm ist, durchs Leben gehen. Da T. gerne wandert und dies – so nebenbei bemerkt – die einzige Sportart ist, die sie betreibt, musste sie sich allerhand einfallen lassen, damit Wanderungen für sie und ihre Füsse überhaupt erträglich sind. Eine der Massnahmen sind trockene Socken. Und so verläuft eine Wanderung mit T. immer so, dass nach allerspätestens zwei Stunden ein Sockenwechsel angesagt ist.

Soweit zu den Begleitumständen der gestrigen Wanderung. Ausgangspunkt für unser Unterfangen war Weisstannen, ein enges Tal, von steilen Flanken umgeben. Im Winter wird das Weisstannental gerne von Eisfall-Kletterern heimgesucht, im Sommer von fitten Wanderern. Bergbahnen sucht man hier vergebens. Egal für welche Route man sich entscheidet, sofern man nicht nur der Seez entlang läuft, geht es immer steil bergauf. Der Aufstieg unserer Wanderung ist weder für Angsthasen noch Herzkranke geeignet.

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Erster Zwischenhalt bei einer Alphütte. Die Wegweiser sprechen eine deutliche Sprache: An Arbeit fehlt es auch im Weisstannen-Tal nicht.

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Nicht überall geht es so geruhsam bergauf. Wir fanden immer wieder Zeit, die herrliche Alpenflora zu bewundern und uns reife Erdbeerli in den Mund zu stopfen.

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Beim Rappenloch, einem Aussichtspunkt, fanden wir diese sympathische Tafel an der Alphütte vor:

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Aus der Schafsperspektive sieht das Rappenloch so aus:

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Bei den beiden Bänkli und dem Gipfelkreuz beim Horn gab es nicht nur eine ausgedehnte Mittagsrast, sondern auch Sockenwechsel.

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Danach wird das Gelände etwas flacher. Bei den in der Bildmitte sichtbaren Alphütten von Vordersäss beginnt der Abstieg. Schon bei den ersten Bäumen sahen wir ein regelrechtes Dorf von Fliegenpilzen. Wenige Meter weiter war alles gelb übersät von Eierschwämmen. Im Nu hätten wir unsere Rucksäcke füllen können – wäre da nicht die Schonzeit, die es zu beachten galt.

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Der Abstieg ist zwar nicht viel weniger steil als der Aufstieg, jedoch wesentlich besser unterhalten, da der Weg auch von den Sennen auf der Alp benutzt wird und das Vieh dort hochgetrieben wird.

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Steil, mitunter sogar in den Fels gehauen, verläuft der Weg. Bei Vorsiez lohnt sich ein Abstecher in die Alp Siez, wo Speis und Trank erhältlich sind – und man vorzüglich Socken wechseln und seine malträtierten Füsse unter dem Tisch versurren lassen kann.

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Meine Befürchtungen, der Rest des Weges würde nur noch ein monotones Gelatsche sein, bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil, der Weg ist schön angelegt und meist ist der rauschende Bergbach in Sichtweite.

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Uns hat’s gefallen. Wir waren 5 Stunden unterwegs, haben 900 Höhenmeter gemacht und knapp 12 Kilometer – und zweimal Socken gewechselt.

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